Harry Zingel’s BWL-Weblog

23.07.2008

Technischer Betriebswirt: der Anfang vom Ende

Nachdem im Jahre 2004 die neue Prüfungsverordnung „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ die bisherige Prüfung „Technischer Betriebswirt“ abgelöst hat, und seit 2005 und vermehrt erstmals in 2006 auch nach der neuen Verordnung geprüft wird, hat jetzt das Ende der Prüfungen nach alter Verordnung begonnen: die Industrie- und Handelskammern bieten keine bundeseinheitlichen Prüfungen mehr an, nur noch selbstgestrickte Prüfungsveranstaltungen. Wo immer sich noch jemand nach alter Verordnung anmeldet, wird eigens ein Aufgabenausschuß gegründet. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

So ist die Aufgabenerstellung eine undankbare Aufgabe, denn die Ausschußtätigkeit wird schlecht bezahlt, ist aber gleichwohl verantwortungsvoll und zeitraubend. Auch in den Prüfungen nach alter Verordnung steckt eine Menge Gehirnschmalz, und die Kammern haben Schwierigkeiten, geeignete Ausschußmitglieder zu verpflichten. Das kann mehrere mögliche Folgen für die Teilnehmer haben.

So kann es sein, daß gar kein Ausschuß zustande kommt. Dann müssen Anmeldungen abgelehnt und die Teilnehmer auf die neue Verordnung oder eine längere Fahrtstrecke verwiesen werden. Für alle, die noch nach alter Verordnung unterrichtet wurden, empfehlen wir gleichwohl die Autobahn.

Es kann auch sein, daß der Ausschuß, der sich zustande bringen läßt, nichts taugt. Das ist schlimmer, denn eine schlecht gestellte Frage kann bösere Folgen haben als eine richtig plazierte Knallschote. Fehlt aber die übergreifende Kontrolle, so ist das Risiko von Prüferfehlern möglicherweise größer.

Schließlich kann man auch Glück haben, nämlich auf einfachere Aufgaben zu treffen als es früher der Fall war.

Erste Erfahrungen in dieser Hinsicht wurden hierzulande schon im März gesammelt. Im Herbst scheint es keinen Prüfungsteilnehmer mehr nach alter Verordnung mehr zu geben. Die Prüfungen nach alter Verordnung soll es aber doch noch einige Jahre geben, vermutlich bis 2010. Erst danach werden sie endgültig vom Markt verschwinden. Wer immer jedenfalls noch eine „alte“ Prüfung will, sollte sich ranhalten. Wir werden jedenfalls die Entwicklung beobachten und sie an dieser Stelle oder im BWL-Boten kommentieren.

20.07.2008

Der Techniker zwischen Barwert und Bilanz

Die kreative Inkompatibilität der Technischen Betriebswirte

„Wer schreibt, der bleibt“ weiß ein altes Sprichwort, und Volkes Mund tut Wahrheit kund. Auch bei den technischen Berufen, denn trotz Fachkräftemangels stehen die Chancen für Techniker in China oder Rußland besser, also in den Ländern, die nicht an den Klimaschwindel glauben. Das alleine ist schon Grund genug, sich kaufmännisch zu qualifizieren, denn meist bleiben nur die Konzernzentralen hier, nicht aber die produktiven Bereiche. Wer sich also nicht in Rechnungswesen und Controlling auskennt, muß bald nach Übersee oder zum Arbeitsamt. Das stellt manchen Techniker vor ganz eigene Probleme.

Ungewohnte Denkmuster

Liest sich der Rahmenstoffplan „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ inzwischen nämlich fast wie der Bilanzbuchhalter-Stoffplan, muß der Techniker die typisch kaufmännischen Denkmuster doch erst lernen. Die werden nicht gelehrt, sondern vorausgesetzt, auch im neuen Stoffplan: so fällt Leuten, die in Volt und Kilo rechnen, das Denken in Mittelherkunft und Mittelverwendung schwer, denn Kräfte wirken direkt, aber Kapitalbeträge kann man nicht dem Vermögen direkt zuordnen. Sie werden daher oft verwechselt (ein beliebter Fehler). Auch das Denken in Einheiten, das Techniker in ihrer Ausbildung bis zum Umfallen üben, ist Kaufleuten oft fremd: sie kennen nur eine Einheit, den Euro. Oder höchstens noch mal eine Relativkennzahl als Prozentwert. Gleichungssysteme wie bei der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung fallen Technikern daher oft schwer, selbst wenn sie das mathematische Handwerkszeug beherrschen.

Auch die Auf- und Abdiskontierung von Geldbeträgen in der Zeit, auf der alle dynamischen Rechenmethoden basieren, verträgt sich schlecht mit dem Ersten Hauptsatz der Thermodynamik [von der Energieerhaltung], denn das Geld als Energiemaß der Wirtschaft kann eben sehr wohl erzeugt (und noch viel leichter vernichtet) werden. Die gleichwohl mit Widersprüchen, Ausnahmen und Rechtsvorschriften gespickte Parallelität verschiedener Geldbegriffe wie der Auszahlungen, der Ausgaben, der Aufwendungen oder der Kosten macht die Verwirrung dabei oft komplett.

Kreative Inkompatibilität

Diese kreative Inkompatibilität zeigt sich dem Dozenten auf vielerlei Art in den Fragen der Lehrgangsteilnehmer oder den oft wenig prüfungsfesten Lösungswegen, die sie wählen. Bisheriger Gipfel ist (bei mir) der Elektroniker, der eine schwierige Break Even Aufgabe vollkommen richtig aber mit Winkelfunktionen gelöst hat. Auf die (eigentlich verlangte) Idee, fehlende Größen als irrelevant zu erkennen und willkürlich zu ergänzen, kam der Mann gar nicht erst, aber dennoch zum richtigen Ziel. Selbst mir blieb dabei die Spucke weg. Ob der Prüfungsausschuß die Sinus- und Cosinus-Lösung verstanden hätte, wage ich zu bezweifeln. Kein Wunder, daß das Denken in Vermögen und Kapital, die Unterscheidung von Soll und Haben oder die Dualität aus Bankzinsen und kalkulatorischen Zinskosten, die keine Entsprechung in der physischen Realität haben, vielen Technikern schwer fallen.

Das Beste kommt erst noch

Dabei haben wir die gröbsten Kracher erst noch vor uns: zwar wurde der Rahmenstoffplan reformiert, aber die Realität eilt jeder Reform voraus, wie so oft auch hier: sind derzeit nur einige Tausend kapitalmarktnahe Unternehmen zur Anwendung der IFRS verpflichtet, werden es mit den kommenden IFRS für kleine und mittelständische Unternehmen in einigen Jahren viel mehr IFRS-Anwender werden. Auf die Techniker kommen daher nicht nur die Bestandteile des IFRS-Abschlusses, Bewertungsunterschiede beim AV und beim UV sowie Rückstellungen und das Eigenkapital nach IFRS zu, derzeit im Rahmenstoffplan Nr. 2.3.6, sondern solche Hauer wie IAS 39 (Finanzinstrumente, Bilanzierung und Bewertung) oder gar IFRS 7 (Finanzinstrumente, Ausweis): sehr unanschaulich, abstrakt und außerordentlich „untechnisch“. Das kiloschwere IFRS-Werk wird mit seinen über 2.600 Seiten spätestens nach der jetzt schon fälligen nächsten Reform des Rahmenstoffplanes einigen also noch ziemlich schwer auf die Füße fallen.

Aus all dem läßt sich ein strategischer Rat ableiten, den man jedem Fortbildungsteilnehmer geben kann: wer nicht tut, was er lernt, der lernt auch nicht, was er tun soll. Man kann nicht „nebenbei“ zum Geprüften Technischen Betriebswirt werden, sondern nur, wenn man möglichst schon während der Fortbildung auch kaufmännische Aufgaben übernimmt. Man muß Kaufmann sein, um Kaufmann werden zu können – so einfach ist das! Das genau ist nämlich der Vorteil, den die „Betriebswirt/IHK“-Teilnehmer haben: die kommen nämlich meist schon aus dem mittleren Management, wo sie die vielen strategischen und qualitativen Konzepte des Rahmenstoffplanes vielfach gleich in den Betrieben anwenden können. Techniker haben oft in ihrer beruflichen Praxis bisher nichts mit der Erbsenzählerei („Korinthenkackerei“) der Kaufleute zu tun gehabt, auf die etwas verächtlich herabzublicken in vielen technischen Abteilungen üblich ist. Auch wenn bleibt, wer schreibt.

Wer es also mit dem technischen Betriebswirt ernst meint, muß mehr tun als lernen: er muß die eigene Karriere auf das ausrichten, was der Lehrgang vermittelt. Theoretisches Wissen und praktisches Können muß auch das eigene Sein vermitteln. Nur dann wird aus Wissen, Können und Erkennen auch beruflicher Erfolg. „Mehr wissen, mehr können, mehr sein“ ist keine hohle Floskel, sondern ein karrierestrategisches Konzept. Das aber muß jeder für sich mit Leben füllen. Pauschalratschläge sind meines Erachtens nach unmöglich. Nur die Mechanismen und Denkmuster kann ich hier offenlegen. Was draus lernen muß jeder für sich selbst.

16.07.2008

Die Sendung ohne Maus, oder wie wir den Anschluß mutwillig verpassen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung, Prüfung — Harry Zingel @ 7:27
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Angeblich werden Milliarden in die Bildung investiert, doch das viele Geld läßt sich bislang kaum blicken. Jedenfalls nicht in der akademischen- und der Erwachsenenbildung. Aber es ist nicht nur ein Problem der Finanzmittel: auch in zeitgemäßere Lehrpläne und angemessene Prüfungen müßte investiert werden, und das ginge ganz ohne Milliarden. Schauen wir mal, wie das gehen könnte.

Legende ist der Tag, an dem mich der leitende Professor einer mir wohlbekannten höheren Lehranstalt, zugleich auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses dabei erwischte wie ich mit einer Fünfmeter-Verlängerungssteckdose in der Hand auf dem Parkplatz der genannten Institution meinem Auto entstieg. Auf die Frage, was ich denn mit der langen Leitung in der Prüfung wolle erklärte ich wahrheitsgemäß, daß mein Laptop-Computer schließlich irgendwo Anschluß suche. Und prompt gab er also kund und zu wissen, daß Computer in Prüfungen nicht erwünscht seien. Diese seien Sendungen ohne Maus.

Diese Institution, deren Namen oder Standort ich natürlich hier nicht nenne, denn ich bin dort ja seit Jahren Auftragnehmer, vermittelt auch bis heute keinerlei Digitalkompetenz an ihre Studis, die selbst in Diplomarbeiten oft noch die gröbsten Anfängerfehler im Umgang mit der Software machen. CI-Schemata, Programmiersprachen, Datenbanken – alles Fehlanzeige. Aber mehr noch, auch die eigenständige Erarbeitung digitaler Elemente im Rahmen der Diplomarbeit darf offiziell nicht gewertet werden: wer also seine Diplomarbeit auf CD abgibt, oder gar als Teil der Diplomarbeit eine Programmiersprache selbständig erlernt und damit etwas für seinen Betrieb Nützliches herstellt, so wie kürzlich einer meiner Schützlinge aus Bad Salzungen, darf dafür nicht positiv bewertet werden, jedenfalls nicht offiziell: ein anachronistischer Zustand bedenkt man, wie teuer die kundenspezifische Anpassung („customization“) von ERP-Systemen auf dem freien Markt nun mal ist.

Das unzeitgemäße Bild setzt sich in anderen Teilbereichen fort, beispielsweise im Rechnungswesen. Diplomkandidaten einer ganz ähnlichen ebenso öffentlichen Ausbildungsinstitution, die auf FH-Niveau auszubilden beansprucht, könnte ich mit Prüfungsfragen aus IHK-Prüfungen locker kippen. Von internationalem Rechnungswesen haben die nach sechs Semestern noch kein Sterbenswörtchen gehört: die Dozenten lehren nur das HGB, und auch das eher oberflächlich. Selbst die IHK, die gebunden ist nach amtlichen Verordnungen und staatlich abgesegneten Rahmenstoffplänen zu unterrichten, ist da inzwischen viel näher an der Zeit. Ein mittelprächtiger Bilanzbuchhalter steckt seine spätere Führungskraft locker in die Tasche.

Die Globalisierung ist eine Tatsache, ob wir das wollen oder nicht. Wir müssen uns dem also anpassen, und das ist einerseits ein digitaler Vorgang, denn der einzige Ort, wo in den Betrieben heute etwas ohne Computer flüssig erledigt wird, ist die Toilette. Andererseits ist die weltweite Standardisierung des Rechnungswesens ebenfalls ein Faktum, dem wir uns anpassen müssen – schon weil Deutschland wieder mal Exportweltmeister ist, vor China, vor den großen USA, aber immer noch mit altdeutschen Rechnungslegungsvorschriften. Wer die Auszubildenden von heute nicht auf die Zustände von morgen vorbereitet, begeht einen schweren Fehler. Der Wandel muß in den Köpfen beginnen, aber dort ist er noch immer nicht angekommen. Kein Wunder also, daß der Exportweltmeister in Sachen Bildung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt – eben auch im akademischen Bereich.

07.07.2008

Bestehensquoten in IHK-Prüfungen: Nepper, Schlepper, Bauernfänger…

Die Erfolgsquote im Finale ist eines der größten Werbeargumente von Bildungsorganisationen, denn letztlich wollen alle doch nur das eine: den finalen Prüfungserfolg. Das gilt auch für IHK-Prüfungen, auf die eine bunte Lernökologie einer Vielzahl von Bildungsfirmen vorbereitet. Leider gibt es auch in diesem Nest einige faule Eier.

So wird bisweilen vollmundig mit Bestehensquoten zwischen 80% und 100% geworben oder gar behauptet, die Kammer selbst habe angerufen und einem bestimmten Veranstalter zu phänomenalen Ergebnissen gratuliert. Wer sich für einen Lehrgang mit IHK-Prüfungen interessiert, sollte spätestens bei solchem Wortgeklingel mißtrauisch werden, denn hier gibt es ein klitzekleines Problem: die Kammern teilen keine Einzelergebnisse mit. Schon gar nicht einzelnen Bildungsveranstaltern, nur einzelnen Teilnehmern.

Zwar gibt es Statistiken, die einzelne Kammerbezirke insgesamt betreffen (Beispiel: IHK Köln), aber nirgendwo Daten hinsichtlich einzelner Bildungsanbieter. Und das ist nichtmal eine Frage des Datenschutzes: die Kammern wissen nämlich meist gar nicht, wo jemand herkommt. Sie kennen zwar in der Regel die Arbeitgeber der Leute, aber nicht notwendigerweise die Anbieter des vorhergegangenen Lehrganges.

Die Anbieter können ihre eigenen Bestehensquoten also nur durch Teilnehmerbefragungen ermitteln, d.h. die Teilnehmer müßten nach der Prüfung einen Statistikbogen ausfüllen. Das tun erfahrungsgemäß wenige. Ein anderer beliebter Trick, ist Bestehensquoten anzugeben aber zu verschweigen, bei wie vielen Anläufen diese erzielt wurden: haben von einem Lehrgang 80% der Teilnehmer letztendlichen Erfolg, so bedeutet das nichts, wenn es kaum jemand im ersten Anlauf geschafft hat. Auch das ist aber eine beliebte Werbelüge: zu verschweigen, wie viele Versuche, und wie viele Prüfungsgebühren, es normalerweise kostet.

Je vollmundiger und zahlreicher die Sprüche, so die einfache Wahrheit, desto mißtrauischer sollte man sein – will man nicht von einem unseriösen Bildungsanbieter über den Tisch gezogen werden.

Ach ja: auch sonst gelten die Grundregeln unseriöser Werbung. Versteckt ein deutscher Anbieter seine angeblichen Erfolgsquoten bei dubiosen US-Providern wie scribd.com, wo sie schwerer dem deutschen Wettbewerbsrecht zugänglich sind, dann ist das ein sicheres Zeichen, daß man davon die Finger lassen sollte. Gleiches gilt übrigens für Postings in kurzlebigen Blogs ohne Impressum. Wer bei so einem Anbieter unterschreibt, stellt einen Antrag auf Streß.

06.07.2008

Geprüfter Betriebswirt: Überraschungen im Fach »Außenwirtschaft«

Nachdem die Prüfungen nach dem neuen Rahmenstoffplan jetzt schon mehrfach stattgefunden haben, machen wir uns Gedanken über das Fach „Außenwirtschaft“. Dieses hat eine tiefgreifende Runderneuerung erfahren – und wurde um einige Überraschungen erweitert.

Damit meine ich weniger Kapitel 5.1 des neuen Rahmenstoffplanes, wo Dozenten und Teilnehmer sich jetzt auch über weltwirtschaftliche Grundlagen, Globalisierung und Internationalisierung verständigen müssen – zweifellos eine zeitgemäße Neuerung. Auch 5.2 mit den diversen Arten außenwirtschaftlicher Engagements ist nicht wirklich neu, genau wie 5.3, wo es um außenwirtschaftlichen Zahlungsverkehr geht. Akkreditive und der Rest bleiben uns also erhalten. Die Überraschungen finden sich erst in Kapitel 5.4, und auch da nicht gleich am Anfang.

Dort geht es nämlich erstmal um außenwirtschaftliche Risiken, Versand- und Lagerdokumente und dergleichen mehr. Das kennen wir aus der vorherigen Version, genau wie die Incoterms (Punkt 5.4.5), die schon immer ein Lieblingsthema waren. 5.4.6 ist dafür aber völlig neu: „Kulturelle Unterschiede im internationalen Geschäft“ steht da zu lesen. Das allerdings ist in dieser ausgesprochenen Form vollkommen neu.

In der rechten Spalte des Stoffplanes finden sich Hinweise zur Vermittlung, die die Dozenten ausführlich studieren sollten. „Elemente von Kultur“ steht da zu lesen und „Sprache, Religion, kulturelle Werte, Sitten, Gebräuche“ als Hinweise. Das setzt sich auf der Folgeseite des offiziellen Rahmenstoffplanes fort: „Interkulturelle Kommunikation“, „Internationale Verhandlungen“ und „Ausgewählte Landeskulturen“ stehen dort in der Themenangabe, „z.B. aus Europa, Amerika, Asien, Fernost“. Dies allerdings ist wirklich eine Überraschung. Und in „Internationale Dimensionen zur Beschreibung von Kulturen“ finden sich Hinweise wie „Individualismus-Index“, „Machtverteilung“, „Männlichkeit vs. Weiblichkeit“ usw. Der neue Betriebswirte-Lehrgang verspricht also, noch interessanter zu werden.

Während wir ein bißchen Multikulti durchaus begrüßen, macht sich hier doch Ratlosigkeit breit. Und das hat eher ganz praktische Gründe, denn viele Betriebswirte haben von Kulturtheorie keine Ahnung: Die Platitüden, die beispielsweise in Kotler/Bliemel, „Marketing Management“ stehen wie daß McDonalds in Japan mit dem weiß geschminkten Werbeclown „Ronnie McDonalds“ durchgefallen ist, weil weiß dort die Farbe des Todes ist, treffen sicher das Thema, dürften aber zu dünn sein. Und kiloschwere Grundlagenwerke wie Spengler („Der Untergang des Abendlandes“), Sedlmayr („Verlust der Mitte“) und Huntington („Clash of Civilizations“) dürften für viele Teilnehmer zu gewichtig sein – und sind doch erst der Anfang. So enthält beispielsweise der Heilige Qur’an eine Vielzahl von Vorschriften für Kaufleute, denn Muhammad, Friede sei mit ihm, war bekanntlich selbst ein Fernhändler. Niemand kann also islamische Länder verstehen, und mit Muslimen Geschäfte machen, der nicht die Regeln und Gesetze des Qur’an wenigstens in Ansätzen kennt. Punkt 5.4.6 impliziert damit indirekt ein Studium u.a. der Suren II.245, LVII.11 und 18 sowie LVIV.17 und LXXIII.20 des Heiligen Qur’an über Kredite und Darlehen. Ähnliches gilt für Indien, wo der Hinduismus bekanntlich den Alltag prägt, aber die Heiligen Texte sind ungleich umfangreicher – und von China und seiner wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung fangen wir mal gar nicht erst an.

Ganz gewiß ist diese neue Facette eine Bereicherung des Themenplanes. Sie wertet den Betriebswirte-Abschluß auf – jedenfalls potentiell, nämlich wenn dieser Teil des Rahmenstoffplanes mit Leben gefüllt wird. Ob das freilich gelingt, bleibt abzuwarten – wobei auf die ersten Prüfungsfragen aus diesem Bereich wohl mit besonderer Ungeduld gewartet werden wird. Mit fällt jedenfalls genug zum Thema ein, wie jeder ahnt, der sich meine private Homepage anschaut (oder mich persönlich kennt). Hinsichtlich des Finales bin ich aber ebenso unsicher wie alle anderen Dozenten.

Vgl. hierzu auch im BWL-Boten: Prüfungsrelevant: Grundmodell der Zollrechnung. Mit Beispiel.

05.07.2008

Notprogramm und Gegenrevolution: alternative Vorschläge zur Schulreform

Immer wieder ist der BWL-Bote im Rahmen der Ausbildung und der Erwachsenenbildung mit den Problemen der Schule indirekt konfrontiert – wenn gestandene Erwachsene beispielsweise die Prozentrechnung nicht beherrschen, und das ist häufiger als man glauben mag. Er macht daher an dieser Stelle eigene Vorschläge zur Schulreform, die, im Gegensatz zur öffentlichen Diskussion, vielfach kostenlos wären, aber nicht umsonst.

Das dreigliedrige Schulsystem

Die Unterteilung in Haupt- und Real- und Oberschule hat sich über viele Jahrzehnte bewährt und sollte unbedingt beibehalten werden. Die auf dem Rücken der Kinder seit den 70er Jahren gemachten Experimente mit der Gesamtschule sind ganz offensichtlich gescheitert und sollten sofort ersatzlos aufgegeben werden. Die Hauptschule sollte dabei wieder ihrem Namen als regelmäßige Schulform gerecht werden, also die regelmäßige Schulform sein.

Eliteförderung in der Schule

Der sozialistische Alptraum von totaler Gleichheit hat praktisch jegliche Eliteförderung in diesem Land erstickt, was die Hochbegabten ins Ausland oder ins berufliche und persönliche Versagen getrieben hat. Kaum ein anderer Fehler der Bildungspolitik hat uns so viele Fach- und Spitzenkräfte gekostet wie der Versuch der Schule, alle gleichermaßen zu fördern oder Hochbegabte gezielt zu behindern. Das dreigliedrige Schulsystem, das schon von seiner Grundstruktur auf Eliteförderung ausgelegt ist, sollte daher für Hochbegabte durchlässig sein und zu jeder Zeit besondere Einzelförderungen vorsehen und ermöglichen. Fachschulen wie Sport- oder Musikgymnasien oder technische Schulen sollten eingerichtet werden, um Besondere Talente wieder gezielt fördern zu können.

Kopfnoten und die harte Hand des Lehrers

Wer in der Ausbildung tätig ist kennt das Disziplinproblem und weiß, wie störend Handys in Unterrichtsveranstaltungen sind. Kopfnoten wie „Betragen“ oder „Aufmerksamkeit“ sollten daher während der gesamten Schullaufbahn erhalten bleiben. Niemand sollte mit einer schlechten Kopfnote versetzt werden können. Der Lehrer sollte Sanktionsmöglichkeiten haben und auch gefahrlos gebrauchen dürfen. Dies meint ausdrücklich nicht die Prügelstrafe, aber sehr wohl, einem Schüler ein Handy wegnehmen zu dürfen ohne sich der Gefahr einer Schadensersatzklage aussetzen zu müssen. Auch der Rauswurf oder der Schulverweis jeweils mit einer entsprechenden Mitteilung an die Eltern sollte wieder möglich sein. Der Datenschutz sollte nicht mißbraucht werden, daß Erziehungsberechtigte nicht erfahren, was ihr Zögling in der Schule so alles anstellt.

Schuluniformen und soziale Unterschiede

Der BWL-Bote empfiehlt die verpflichtende Einführung von Schuluniformen und einen Schulverweis für alle Schüler, die sie nicht tragen. Dies vermindert die sichtbaren sozialen Unterschiede zwischen Schülern und die damit verbundenen Gewalt- und Straftaten auf manchem Schulhof; es erlaubt zudem die Einführung schulindividueller Auszeichnungssysteme, die neue Hierarchien gemäß schulischer Leistung und kognitiver Fähigkeit aufbauen. In anderen Ländern wurden mit vergleichbaren Systemen große Erfolge erzielt; weshalb Deutschland gerade in diesem Punkt nichts vom Ausland lernen will, ist rätselhaft.

Pflichtfächer

„Deutsch“ und „Mathematik“, oder in der Grundschule „Schreiben“ und „Rechnen“, sollten den Schüler seine gesamte Schulkarriere hindurch begleiten, dazu nach Ende der Grundschule „Geschichte“, und mindestens eine moderne Fremdsprache. Im Gymnasium und möglicherweise auch in der Realschule sollte Latein als Pflichtfach hinzutreten, über dessen besondere Vorteile wir uns bereits an anderer Stelle ausgelassen haben. Schließlich fordern wir „Religion“ als Pflichtfach, wobei der Lehrplan ausdrücklich auch den Islam, den Hinduismus und den Buddhismus enthalten sollte, denn diese Religionen sind bekanntlich in Deutschland inzwischen recht zahlreich vertreten. Kenntnis der jeweils anderen religiösen Lehren kann aber unserer Auffassung nach zur Entschärfung der auch in Deutschland vorhandenen ethnischen Konflikte beitragen und damit die Gesellschaft stabilisieren.

Lehrplan „Deutsch“

Die klassische Literatur ist für deutsche Schüler inzwischen zu einem verlorenen Schatz geworden, den es wieder zu heben gilt. Dies dient nicht nur der allgemeinmenschlichen Schulung, sondern auch der Ausbildung einer nationalen Identität, die zu tragen wir genauso berechtigt sind wie alle anderen Nationen. Einige Werke der klassischen Autoren sollten daher im Unterricht behandelt werden und insbesondere eine Zahl von Gedichten gelernt werden, nicht nur wegen ihres Inhaltes sondern auch wegen des damit verbundenen Gedächtnistrainings. Die durch das wenig segensreiche Wirken erst der Siegermächte und später der EU schon weitgehend entschwundene nationale Identität der Deutschen wäre damit möglicherweise noch zu retten. Daß das Experiment mit der Schlechtschreibreform unverzüglich beendet werden sollte, wie es die Presse ja bereits tut, versteht sich von selbst: die bisherigen Regelungen haben sich seit über einem Jahrhundert bewährt. Sie zu ändern gab und gibt es keinen Anlaß – von der unappetitlichen historischen Parallele mit der Nazizeit, die hier auf einmal niemanden zu stören scheint, mal ganz abgesehen.

Lehrplan „Rechnen“ bzw. „Mathematik“

Wir machen die Mengenlehre für die verbreitete Rechenschwäche bei Jugendlichen und Erwachsenen verantwortlich. Es ist eine verbreitete Dozentenerfahrung, daß man selbst mit gestandenen Arbeitnehmern endlos diskutieren kann, weshalb eine Zahl mit 1,2 zu multiplizieren dasselbe bewirkt wie 20% zu addieren. Nach dem Einmaleins in der Grundschule sollten also grundlegende Fähigkeiten wie Prozentrechnung, Dreisatz oder Geometrie zu den unverzichtbaren Inhalten des Mathematikunterrichtes zählen. Gleichungssysteme und Matrizenrechnung sowie Differential- und Integralrechnung sind Mindestanforderungen an die Sekundarstufe.

Lehrplan „Geschichte“

Geschichte ist für die Nationale Identität der Schüler zentral, und vermutlich gerade deshalb zugunsten von Fächern wie „Gemeinschaftskunde“ abgeschafft worden. Das muß rückgängig gemacht werden. Hierbei hat die Schule insbesondere einen Gesamtüberblick über die Geschichte zu vermitteln und sollte sich nicht auf die angeblich Tausend Jahre von 1933 bis 1945 und die späteren Folgen dieser schrecklichen Zeit als alleinigen Inhalt beschränken: Den Ost-West-Gegensatz gibt es nämlich nicht erst seit Erich Honnecker und Osama bin Laden, sondern möglicherweise schon seit den Perserkriegen und den Alexanderzügen, die man nämlich als Vorläufer moderner westlicher Interventionen im Osten verstehen kann.

Neue Schulfächer

Da die Schule den Menschen auf das Leben vorbereiten soll, muß sie Inhalte vermitteln, die lebensrelevant sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Autofahren, eine Fertigkeit, vor der sich kaum jemand drücken kann. Es wird daher empfohlen, „Straßenverkehr und Autofahren“ als Schulfach einzuführen. Dies ist, wie alle bisher gemachten Vorschläge, kostenlos zu haben, soweit man sich auf die theoretische Ausbildung beschränkt, aber in einer Gesellschaft, die die Mobilität immer weiter einzuschränken sucht, offenbar nicht politisch korrekt. Würde man ausnahmsweise hier mal vom Ausland lernen, wo jedermann das Fahren auf öffentlichen Straßen üben darf, hat er nur jemanden mit Fahrerlaubnis neben sich und ein „Learner“-Schild am Fahrzeug, dann wäre jedem gedient – außer der sehr deutschen Zunft der Fahrlehrer.

Die digitale Grundausbildung

Gleiches gilt für die Benutzung von Computern, die noch immer vielen Menschen ein Buch mit sieben Siegeln ist – ein klares Versäumnis der Schule, denn Computer gibt es nicht erst seit Windows 95, sondern seit einem halben Jahrhundert. Bis heute haben aber viele Studenten beim Schreiben ihrer Studien- und Diplomarbeiten auch massive technische Schwierigkeiten. Neben einer für alle obligatorischen Computer-Grundausbildung, die primär das Umgehen mit dem Betriebssystem und mit populären Anwenderprogrammen wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation gehört, sollten Wahlpflichtangebote wie Datenbanken, Programmiersprachen, Web- und Grafik-Design oder Konstruktion Schüler in den oberen Klassen auf die Härten der digitalen Welt vorbereiten.

Die Schulreform ist kostengünstig

Alle bisher vorgeschlagenen Reformen haben den schönen Vorteil, kostenlos oder mindestens sehr kostengünstig zu sein, denn man muß zwar einige Fähigkeiten, die sich auch in der Lehrerschaft inzwischen verflüchtigt haben, wiederbeleben, aber ansonsten eigentlich nur den Stundenplan re-modernisieren. Ihn durch eine entsprechende Arbeitszeitverlängerung für Lehrer zu sichern, liegt ebenfalls im Trend der Zeit, die sogar schon darüber nachdenkt, Finanzämter und Stadtwerke an Freitagen wieder zu öffnen, wobei man festhalten sollte, daß der durchschnittliche Einsatzplan eines verbeamteten Lehrers in keiner Weise an den Arbeitsplan eines Zählerablesers heranreicht. Die ersatzlose Abschaffung des Berufsbeamtentums in den Schulen wird daher ebenso vorgeschlagen die Einführung regelmäßiger Leistungsbeurteilungsverfahren für Lehrer.

Ganztagsschulen als einziges kostenpflichtiges Element

Schließlich schlagen wir die Einführung von Ganztagsschulen vor, die es Eltern ermöglichen, Beruf und Kinder besser miteinander zu vereinbaren. Diese Schulen sollten den gleichen Lehrplan wie Halbtagsschulen vermitteln, aber zusätzliche Nachmittagsangebote wie Hausaufgabenhilfe oder Arbeitsgemeinschaften bieten. Dieser Vorschlag ist der einzige, der wirklich volkswirtschaftliche Kosten verursacht, aber Politiker aller Parteien schwadronieren ja ohnehin davon, welche Milliardensummen sie für die Bildung ausgeben wollen. Das hier ist also die lang erwartete Chance. Da für die Eltern Wahlfreiheit herrschen sollte, in welche Schule sie ihre Kinder schicken wollen, entscheidet letztlich der Markt, welche Schulform sich am Ende durchsetzt, was uns viele entnervende ideologische Debatten erspart.

04.07.2008

Schulgewalt: was keiner sehen will, oder das Plädoyer für die gute, alte Ohrfeige

Gewalt an Schulen ist in aller Munde, aber die Diskussion hat sich längst auf die ausländischen Kinder mit zu geringen Deutschkenntnissen verengt. Dabei gibt es noch einen anderen Aspekt, den anscheinend keiner wahrhaben will. Haben wir immer noch ideologische Scheuklappen, die aus den sozialistischen Bildungsexperimenten der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts stammen?

Zunächst ist Gewalt zwischen Schülern eigentlich nichts Neues; Schulhofraufereien hat es immer gegeben. Auch ihre extremen Auswüchse, die bekanntlich selbst das scharfe deutsche Waffenrecht nicht verhindern konnte – zum Beispiel hier in Erfurt vor vier Jahren am Gutenberg-Gymnasium. Neu im öffentlichen Bewußtsein ist die Gewalt gegen Lehrer, die mit Stühlen beworfen oder bedroht werden oder, so wie von der Rütli-Schule berichtet wurde, sich nur mit Mobiltelefonen in die Klassenzimmer trauen, um Hilfe rufen zu können. Kein Wunder also, daß unter solchen Bedingungen keine inhaltliche Arbeit mehr möglich ist. Dabei ist gerade für dieses Problem eine einfache Lösung offensichtlich. Die aber will keiner sehen.

Statt dessen wird darüber lamentiert, daß insbesondere türkisch- und arabischstämmige Kinder viel mehr Gewalt ausgesetzt sind, und zwar von den Eltern, die ihre Kinder häufig prügeln, wie auch zwischen den Eltern, die sich gegenseitig schlagen. Die Kinder lernen also, daß man Probleme mit Gewalt löst, und übertragen diesen zu Hause erlernten Konfliktbewältigungsmechanismus auf die Schule. Dort aber kann man ihnen nicht angemessen begegnen, jedenfalls von Seiten der Lehrer. Diese nämlich, und das ist ein elementarer Grundsatz jeder Pädagogik, müßten die Kinder da abholen, wo sie stehen: Mit einer knackigen Ohrfeige, zum Beispiel. Das aber funktioniert nicht, denn dann setzt sich der Lehrer endlosen Straf- und Schadensersatzverfahren aus.

Letzteres kann schon passieren, wenn ein Lehrer einem Schüler nur ein Handy wegnimmt, beispielsweise weil es in der Unterrichtsstunde klingelt. Kaum auszudenken was passieren würde, täte ein deutscher Lehrer nur ein einziges Mal, was manch türkischer Vater regelmäßig mit seinen Kindern macht. Da diese aber anscheinend vielfach keine andere Sprache als die der Gewalt gelernt haben, interpretieren sie die Gewaltfreiheit des Leerkörpers als offensichtliche Schwäche – und spielen ihre vermeintliche eigene Stärke ungehindert aus. „Kaum ist die Katze weg“, so weiß Volkes sprichwörtlicher Mund, „Tanzen die Mäuse auf dem Tisch“.

Wir können, das haben wir in Jahrzehnten gescheiterter Integrationsversuche nicht lernen wollen, die ausländischen Familien nicht umerziehen. Sie werden ihre Kultur mitbringen und selbst in späteren Generationen oft nicht verlernen. Daß das selbst in Jahrhunderten nicht geht, kann man in nahezu jeder amerikanischen Großstadt sehen, wenn man nur will. Also müssen wir uns anpassen, denn einst riefen wir Arbeitskräfte, aber es kamen Menschen, und mit ihnen fremde Wertesysteme und Lebensweisen. Verhält sich aber ein deutscher Lehrer türkischen Schülern gegenüber nicht wie ein türkischer Lehrer, dann wird er unweigerlich scheitern. Solange wir das nicht lernen, werden wir das Problem nicht in den Griff kriegen.

Dies ist übrigens kein Plädoyer nur für Ohrfeigen, denn der Lehrer soll die Kinder ja abholen. Nichtgewalttätige Arten des Umganges miteinander könnten (und sollten!) also durchaus vermittelt werden – und mittel– bis langfristig auch in die zahlreichen Parallelgesellschaften hineinwirken. Das aber funktioniert nicht, solange Erpresser und Schläger die Vorbilder sind und Lehrer als Weicheier erscheinen.

Gleichheit in der Bildung: Plädoyer für Schuluniformen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 11:17
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Besonders die Gegner von Schul- und Studiengebühren argumentieren mit dem Gleichheitsgebot, das sich u.a. aus Art. 3 GG ableiten lasse. Während wir diese mE nach problematische Analogie hier nicht vertiefen wollen, vermeiden die Schulgebührengegner eine ganz offensichtliche Form der Gleichheit: die Schuluniform. Wir überlegen hier, warum sich deren Einführung positiv auswirken könnte (und damit indirekt auch, weshalb die Studiengebührendebatte so inkonsequent geführt wird).

Kinder mit Schuluniformen (Indien)

Kinder mit Schuluniformen (Indien)

Was ist eine Schuluniform?

Eine Schuluniform ist eine für alle Schüler vorgeschriebene einheitliche Kleidung, also mehr als ein „Dress-code“. Außer in Großbritannien gibt es fast keine Schuluniformen mehr in Europa; in Rußland wurden sie nach dem Einsturz der Sowjetunion abgeschafft. Viele der ehemaligen britischen Kolonien halten jedoch an Schuluniformen fest, zum Beispiel Indien, wo schon für die kleinsten Kinder einheitliche Kleidung vorgeschrieben ist (vgl. nebenstehend). Auch in Japan ist eine einheitliche Kleidung für sämtliche Schüler eine Selbstverständlichkeit. In den USA gibt es keine Schuluniformen in öffentlichen Schulen, sehr wohl aber welche in vielen privaten Lehranstalten. Und das genau macht die Sache interessant. Wir wissen nämlich, daß öffentliche Schulen in den USA einen sehr schlechten Ruf genießen – Kriminalität, Drogen, Gewalt. In privaten Schulen scheint es solche Probleme aber viel weniger zu geben – weshalb?

Stärkung des Gemeinschaftsgefühls

Die Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der Erziehung, und das wird heute oft verschämt verborgen – sehr zu unrecht, wie wir denken, denn Erziehung hat viel mit der Vermittlung der Fähigkeit zu tun, sich in ein soziales System einzufügen. Die Schule ist ein solches soziales System – äußerlich an der Schuluniform erkennbar. Funktioniert das Gemeinwesen, verschwinden Bandenkämpfe, Mobbing und Gruppendruck und also die Hauptanlässe für die typische Schulhofkriminalität. Keinem werden mehr teure Markenklamotten geraubt – oder das teure Mobiltelefon, denn mit der Schuluniform verbindet sich in aller Regel das Verbot, eigene Sachen außer den eigentlichen Schulsachen mitzubringen. Handys, Laptops oder eben auch teure Markenklamotten müssen also am Eingang der Schule abgegeben oder gleich zu Hause gelassen werden. Wir müßten freilich, wollten wir wirklich das Gemeinschaftsgefühl der Schüler stärken, den Lehrern wieder das Recht geben, unerlaubte Gegenstände zu konfiszieren, ohne sich eine Schadensersatzklage der Eltern auszusetzen.

Verbundenheit mit der Schule

Konkurrenz ist nicht an sich schlecht, wenn sie sinnvoll kanalisiert wird. Der Sport, sofern er nicht zum professionellen Leistungssport pervertiert, ist eine solche Form der Kanalisierung des Wettbewerbes; die Schuluniformen bieten eine Möglichkeit des schulischen Wettbewerbes zwischen den Bildungseinrichtungen einer Stadt, weil jeder sofort erkennt, von welcher Schule ein Schüler kommt. Der Schüler erhält damit indirekt Verantwortung für den Ruf, den seine Bildungseinrichtung in der Öffentlichkeit genießt. Auch das Erreichen oder Übertreffen von Lernzielen kann damit zu einer für die eigenen Zukunft nützlichen Konkurrenz werden, wobei jeder Teilnehmer sogleich äußerlich erkennbar ist – etwa bei Schülerolympiaden, Gesangs- oder Lesewettbewerben und ähnlichen Veranstaltungen.

Bessere Integration von Ausländern

Verringert man äußerliche Unterschiede, so verringert man auch Integrationsprobleme von Ausländern, die oft durch Kleidungsvorschriften der Herkunftsländer verursacht werden, denn die Kleidung demonstriert das Anderssein nach außen. Verhindert man das, so erleichtert man die Integration. An einer Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf scheint man damit sehr positive Erfahrungen gemacht zu haben. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß man in Europa zwar nicht ernsthaft über Schuluniformen, sehr wohl aber über das Verbot religiöser Vorschriften nachdenkt, wobei weniger Kreuze aus Klassenzimmern verschwinden sollen, aber Kopftücher von den Häuptern muslimischer Schülerinnen. Das ist offensichtlich die genau die falsche Auslegung, denn anstatt die Muslime zu einem Verstoß gegen eine Regel des Heiligen Qur’an zu zwingen, ließe sich das Kopftuch ausgezeichnet mit der Gestaltung von Schuluniformen verbinden.

Nützliche Vereinheitlichung

Kritiker wenden ein, daß die Schuluniform eine Art der totalitären Gleichschaltung wäre, was mE nach vollkommen falsch ist. Gleichschaltung ist ein Begriff der Vereinheitlichung von Gedanken und daraus folgenden Unterdrückung gegnerischer Meinungen, während einheitliche Kleidung in Wirklichkeit Freiheit bedeutet, denn Freiheit liegt nicht in Rücksichtslosigkeit dem Anderen gegenüber, sondern im Nutzen der eigenen Möglichkeiten und Potentiale. Freiheit braucht einen Rahmen. Freiheit von Mobbing, Erpressung oder einfach nur dem Konsumdruck, stets das neuste Handy haben zu müssen, ist die wirkliche Freiheit, eigene Talente und Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln, und das zu tun ist Sinn der Schule!

02.07.2008

Pflege-Notstand in Deutschland, oder der Sozialist in der Wüste

Gespeichert unter: Wider den Zeitgeist — Harry Zingel @ 6:40
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Seit einigen Tagen berichten die Medien rechtzeitig zum Inkrafttreten der großen Pflegereform in pflichtgemäßer Aufregung vom Pflege-Notstand, der bei einschlägigen Kontrollen entdeckt worden sei. Völlig unterernährte Pflegefälle und eine Vielzahl anderer, meist wenig appetitlicher Details kommen da urplötzlich ans Tageslicht. Während die Medien auf diese Weise ihre staatspolitische Pflicht erfüllen, die ganz offensichtlich notwendigen weiteren Erhöhungen der Pflege-Zwangsbeiträge in der Zukunft propagandistisch vorzubereiten, sagen sie uns wie üblich nur die halbe Wahrheit. Über den eigentlichen Grund des Pflege-Desasters schweigen sie sich wie immer aus.

Der nämlich liegt in der Regel nicht an einzelnen Pflegediensten, die jetzt wegen angeblicher oder tatsächlicher Schlechtleistung mit öffentlicher Namensnennung an den Pranger gestellt werden sollen, sondern im System selbst. Zwangsbeiträge und Pflichtleistungen zu Festpreisen nämlich können kaum Qualität gewährleisten, wie Volkes Mund schon vor Jahren kund tat: schickt man einen Sozialisten in die Wüste, so weiß ein alter DDR-Witz, dann passiert drei Jahre lang gar nichts. Und dann wird der Sand knapp. Schickt man einen Gesundheitssozialisten ins Altersheim… richtig. Sie wissen schon, es ist derzeit ja der Presse zu entnehmen, was dann passiert.

Ein Paradies auf Erden gibt es nicht, das müssen wir endlich lernen, und schon gar nicht für alle Anspruchsberechtigten mit Chip-Kärtchen. Die Verteilung von Gütern nach dem Maßstab des Geldes mag kein „schönes“ Verteilungsmodell sein, aber sie garantiert wenigstens einigen Menschen einen würdevollen Lebensabend. Das gegenwärtige Modell scheint dies niemandem garantieren zu können. Dafür mißachtet es die harte Arbeit der vielen Pflegekräfte, deren Einsatz sekundengenau vertaktet ist, so daß für persönliche Anteilnahme oder einfach nur ein liebes Wort kein Platz mehr bleibt. Die „Pflege-Kultur“, die uns bei Einführung der neuen Zwangsversicherung vor etwas über einem Jahrzehnt angekündigt worden war, sieht jedenfalls anders aus.

Und es besteht dringender Handlungsbedarf, denn die Deutschen haben sich wie immer so auch hier als Öko-Musterknaben erwiesen: sie handeln umweltfreundlich, indem sie die eigene Anzahl reduzieren, was bekanntlich schon immer eine Grundforderung der sogenannten „Umweltschutz“-Bewegung war. Dabei aber hat man übersehen, daß die Reduktion der Zahl der Menschen, wenn sie nicht schlagartig im Wege des Krieges erfolgt, mit einer Erhöhung der relativen Anzahl der Alten und damit der Pflegefälle verbunden ist. Hierfür kann das gegenwärtige System nicht vorsorgen, denn es finanziert die Auszahlungen an Bedürftige nicht aus Kapitalerträgen, sondern aus den Einzahlungen der „Versicherten“. Täte ein Kapitalanlageunternehmen Gleiches, so wäre dies ein sicheres Zeichen für das Vorliegen eines unseriösen Kettenbriefes, also ein Indiz für Anlagebetrug.

Vielleicht sollten wir bei Pflege und Krankheit ein zeitgenmäßes Modell wählen: in einem neuen Zuteilungsgesetz wird die Gesamtzahl der Pflegefälle pro Jahr festgeschrieben und jährlich um einen konstanten Anteil reduziert. Die Pflege-Berechtigungen werden als handelbare Wertpapiere ausgestaltet und müssen vor Inanspruchnahme von Leistungen an einer Pflege-Börse erworben werden, wobei der Preis von künstlicher Angebotsverknappung und echter Nachfrage bestimmt wird. Im Energiebereich hat sich das seit 2005 bewährt, sagen jedenfalls die Ökologisten, es habe insbesondere den Energieverbrauch reduziert. Warum sollte sich auf diese Art nicht auch die Bevölkerungszahl weiter reduzieren lassen? Etwas Klimafreundlicheres als weniger Menschen gibt es schließlich nicht!

01.07.2008

Die Unternehmergesellschaft kommt: eine ganze GmbH für einen ganzen Euro!

Gespeichert unter: Handelsrecht — Harry Zingel @ 5:47
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Letzte Woche hat der Bundestag nach langen Debatten in den Ausschüssen endlich das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Mißbräuchen (das sogenannte MoMiG) beschlossen, das das GmbH-Recht gründlich modernisieren soll. Die gute Nachricht: die kleine GmbH kommt. Für gerade mal einen einzigen Euro, denn der ursprüngliche Plan einer generellen Senkung des Mindestkapitals ist vom Tisch: wegen Bedenken des Mittelstandes.

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