Harry Zingel’s BWL-Weblog

31.10.2008

Gesellschaftliche Metatrends: von der Analyse verborgener Entwicklungen zur mittelfristigen Prognose

Im Marketing ist die Analyse von Metatrends wichtig, weil sich aus ihnen künftige Produkte ableiten und rechtzeitig in den Markt einführen lassen. Die Metatrendanalyse ist der morphologischen Analyse ähnlich, die versucht, die einer sichtbaren Entwicklung zugrundeliegenden verborgenen Entwicklungen zu erkennen. Werden sie in die Zukunft extrapoliert, so entsteht ein Metatrend. Dieser kleine Beitrag identifiziert eine Zahl von Metatrends aufgrund der Betrachtung vergangener und gegenwärtiger Entwicklungen, und wagt eine Fundamentalprognose.

Überwachung und Kontrolle

Zweifellos ist ein Trend zur Verschärfung der Überwachung aller Lebensbereiche zu erkennen, und der 11. September ist nur der aktuelle Vorwand, dies zu rechtfertigen. Die Entwicklung geht viel weiter zurück und umfaßt eine Vielzahl von Bereichen. So richtet sich die einst als TCPA und nunmehr als „Trusted Computing“ bekannte Technologie nur vordergründig auf die Sicherung von Urheberrechten; in Wirklichkeit ist dies eine Kontroll-, Überwachungs- und Zensurtechnik. Auch die diversen Reformen des Urheberrechts der letzten Jahre gehören in diese Richtung, ebenso wie die Personenkennziffern, die Steuerreformen der letzten Zeit mit ihren ausufernden Kontroll- und Überwachungsmechanismen oder die neue RFID-Technologie. All diese sind Symptome eines zugrundeliegenden Trends zur Überwachung – der keineswegs zum Stillstand gekommen ist, denn bald sollen im Zusammenhang mit dem digitalen Fernsehen Broadcast-Flags die digitale Kopie von Programmen verhindern. Solche Markierungen digitaler Inhalte lassen sich aber auch nutzen, terrestrisches Pay-per-view einzuführen oder das Zappen während der Werbeblöcke zu verhindern – Orwells Horrorvision aus „1984″ ist dann fast schon Wirklichkeit geworden.

Angst als zentrale Ursache

Eine mögliche Ursache für den Trend zu Überwachung und Kontrolle ist Angst, und damit ist ausdrücklich nicht die Furcht vor Terroranschlägen gemeint, sondern Lebens- und Zukunftsangst. Kein Wunder, daß „le waldsterben“ ein stehender Begriff im Französischen ist, ohne daß die Wälder freilich jemals gestorben wären, und „Angst“ (auch: „German Angst“) ein geflügelter Begriff im Amerikanischen ist. Die Deutschen als verzagtes Volk der Bedenkenträger: obwohl Tausende von Naturwissenschaftlern gegen die irrationale Treibhaus-Ideologie protestieren, soll die Energierationierung in Deutschland am drastischsten eingeführt werden. Wohin führt aber die Furcht vor dem Fortschritt?

Stagnation und Rückschritt

Zukunftstechnologien, die die Menschheit vorangebracht haben, gingen oft von Deutschland aus – Raumfahrt, Kerntechnik, das Automobil – und werden inzwischen von anderen Nationen gewinnbringend betrieben. Die Deutschen als Volk der verpaßten Gelegenheiten: die Riesen-Stromausfälle der vergangenen Jahre haben uns einen kleinen Vorgeschmack auf das gegeben, wenn wir ganz ein Land der Wiesen und Felder geworden sind. Dafür werden Reglementierungen wieder eingeführt, die man gegen Ende des Mittelalters zur Förderung der Wirtschaft und des Wohlstandes abgeschafft hat, nämlich die Maut, diesmal aber in einer Hightech-Variante, die alle Fahrzeuge auf allen Straßen zu überwachen erlaubt, ein hochgradiges Symptom für die zugrundeliegende wirkliche Motivation der Kontrolle und Überwachung jeglicher Aktivität.

Zurück zu Planwirtschaft und Sozialismus

Auch die inzwischen im Energiesektor und im Gesundheitswesen gut sichtbare Entwicklung zurück zum Sozialismus kann als Produkt der Angst gedeutet werden. Der Markt bringt Veränderungen und Risiken, die man glaubt, durch Überreglementierungen, Zwangspreise und andere Restriktionen hinwegreglementieren zu können. Das einzige, was dabei herauskommt, ist aber der deutsche Virus, die alles lähmende Bürokratie – und natürlich ihre Schwester, die Korruption.

Festhalten an überlebten Formen

Auch ein Produkt der Angst ist die Diffamierung der Innovation. Überlebte und bankrotte Strukturen wie das System der Zwangsversicherungen oder einfach das auf Abhängigkeit und Unfreiheit aufgebaute Arbeitsverhältnis sind gute Beispiele für gesellschaftliche Verkrustungen, die die Wirtschafts- und Sozialkrise vertiefen und den Ausweg versperren. Selbst das unsägliche aber typisch deutsche Doofenpfand-Drama ist eine solche überlebte Form, die um den Preis zahlloser Arbeitsplätze zwangsweise am Leben erhalten wird.

Der Gipfel der Angst

Blickt man über den deutschen Tellerrand hinaus, so läßt sich eine verschärfte Form der Angst identifizieren, die sich von der allgemeinen Lebensangst der Deutschen unterschiedet. Sie tritt bei den Amerikanern eher als den Europäern auf und hat andere, noch weit tiefergreifende Ursachen, aber ähnliche Auswirkungen. So wollen Gerüchte nicht verstummen, daß zumindestens fossile außerirdische Lebensformen schon längst gefunden worden sind, aber die etablierten Mächtigen sich panisch davor fürchten, diese Erkenntnis könne zu bekannt werden, weil ihre Macht verlieren würden, wenn das Volk allgemein weiß, daß auch jenseits des Himmels Lebensformen bestehen – und möglicherweise sogar Kulturen, die uns um Jahrtausende voraus sind. Was in diesem Zusammenhang als Ufo-Glaube diffamiert wird ist ein gutes Beispiel für die gesellschaftlichen Denkverbote, die all denen auferlegt werden, die das Unerhörte auszusprechen wagen. Die Folgen sind aber ähnlich: wurde die bemannte Raumfahrt in den 70er Jahren aufgegeben, weil man fürchtete, dabei könne zu viel herauskommen?

Von den Ursachen der Angst

Insgesamt kann man anscheinend zwei Grundformen der Angst unterscheiden, insoweit das Phänomen hier untersucht wird, die deutsche und die amerikanische Variante. Die deutsche Angst ist mE nach eine auf Adolf Hitler zurückzuführende Angst, denn unter Hitler hat Deutschland, das zuvor durch den Zwangsfrieden von Versailles mehrere Jahrzehnte gedemütigt wurde, plötzlich alle erzwungenen Beschränkungen über Bord geworfen – mit den bekannten schrecklichen Folgen. Diese Form der Angst ist meines Erachtens nach aber mehr oder weniger deckungsgleich mit dem zunächst aber nur innerpersonellen Grundproblem des faustischen Menschen, der die Geister, die er ruft, nun nicht mehr los wird. Was wir schon bei Goethe idealtypisch vorgeführt bekommen, wurde von Hitler auf die allgemeingesellschaftliche Ebene gehoben. Hitler hat die Angst kollektiviert. Ganz anders liegen die Dinge möglicherweise in den USA, wo eine politische Führungsmacht eine Bedrohung durch möglicherweise aufsehenerrregende Entdeckungen fürchtet: wenn bekannt wird, daß es die Aliens wirklich gibt, würden die erprobten Macht- und Herrschaftsmechanismen unserer Welt möglicherweise nicht mehr greifen. Das ist ein ganz anderes Muster, hat aber ähnliche Folgen.

Mechanismen der Angst

Die „deutsche“ Angst ist ein kollektives Herrschaftsinstrument, weil sie sich eignet, den Menschen ökochondrische Ängste vor Klimakollaps, Waldsterben und weiß-Gott was noch für Absurditäten beizubringen. Der ohnehin schon steuergeduldige und obrigkeitshörige Deutsche protestiert daher kaum gegen noch weitergehende Reduktionen seiner Freiheiten. Das Hitler-Regime, das schon ein Menschenalter zurückliegt, ist daher noch immer absolut unerläßlich, die derzeitigen Herrschaftsformen zu stützen: ohne Hitler gäbe es auch keinen Ökologismus. Kein Wunder also, daß das Gedenken auch derer, die es nichtmal mehr von ihren Eltern kennen, noch immer möglichst wach erhalten werden muß, denn der nationale Sozialismus der Deutschen wirkt bis heute herrschaftsstabilisierend. Ganz anders liegen die Dinge in den USA, die bekanntlich aus dem Protokoll von Kyoto ausgestiegen sind, weil sie diesen Unfug offensichtlich ihrer Bevölkerung kaum plausibel machen können. Hier versucht aber möglicherweise eine politische Elite durch Putschaktionen an der Macht zu bleiben oder an die Macht zu kommen, zumindestens wenn man darüber nachzudenken wagt, ob der 11. September ein neuer Reichstagsbrand war, oder ob Bush mit Kaiser Nero verglichen werden kann, der bekanntlich Rom angesteckt hat. Aber schon für diese Idee ist der Autor dieses Beitrages freilich zensurwürdig, denn schon der Gedanke verletzt ein Tabu, nämlich das Tabu des Selberdenkens. Martin Hohmann hat das am eigenen Leibe erfahren: für seine öffentliche Äußerung, die Deutschen und die Juden seien kein Tätervolk, wurde er wegen vorgeblichen Antisemitismus geächtet und aus seinen Ämtern geworfen. So absurd ist die Selbstzensur noch immer, aber auch so machtvoll!

Düstere Prognose

Bleiben wir aber in Deutschland, dann finden wir, daß unser Land technologisch wie wirtschaftlich von der Substanz lebt. Länder, die die hier konstatierte Elementarangst abgeschüttelt haben, sind nicht durch Zufall zu den führenden Nationen der Welt geworden, erst Amerika, einst das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bis die dortige Machtelite eine ganz eigene Stagnation herbeiführte, und jetzt ganz offensichtlich China, das führende Land des kommenden Jahrhunderts, das von keiner der bisherigen Entwicklungsbremsen gehemmt wird, nicht von Kyoto und nicht von Hitler.

29.10.2008

Tucholskys Gedanken, so aktuell wie 1930!

Gespeichert unter: Wider den Zeitgeist — Harry Zingel @ 4:02
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Das hier könnte kaum aktueller sein:

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird ein bißchen Krieg gemacht.

Quelle: Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in „Die Weltbühne“

28.10.2008

MoMiG tritt in Kraft – und ist schon auf der BWL CD

Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) ist heute im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und tritt am 1. November in Kraft. Ich freue mich darauf hinweisen zu können, daß das Gesetz schon seit Ende August auf der BWL CD berücksichtigt ist.

Im einzelnen wurden die folgenden Punkte im Lexikon für Rechnungswesen und Controlling und in den anderen Schriftwerken der BWL CD aktualisiert bzw. hinzugefügt:

  1. Einführung einer Unternehmergesellschaft, die schon mit einem einzigen Euro Stammkapital gegründet werden kann. Die Firmierung muß ausdrücklich den Begriff „haftungsbeschränkt“ enthalten. Dieser Terminus darf nicht abgekürzt werden. Diese neue Variante der GmbH tritt in direkte Konkurrenz zur Limited.
  2. Die Unternehmergesellschaft unterliegt dann aber einer Pflichtthesaurierung, um Stammkapital aufzubauen, vgl. in „Rücklage, gesetzliche“. Sie wird, wenn durch einbehaltene Gewinne ein Stammkapital i.H.v. 25.000 Euro aufgebaut wurde, zu einer „normalen“ GmbH, darf sich aber weiterhin „Unternehmergesellschaft“ nennen.
  3. Ansonsten bleibt es bei einem Stammkapital i.H.v. 25.000 Euro. Grund hierfür waren offenbar Bedenken des Mittelstandes, der durch die neue Firmierung den Ruf der bisherigen GmbH auf dem Spiel sah.
  4. Abschaffung der bisherigen Stückelungs- und Mindesteinlagevorschriften. Ein GmbHAnteil ist dann ab 1 Euro möglich. Die bisherige Vorschrift, daß die Anteile durch einen bestimmten Betrag teilbar sein müssen, entfällt.
  5. Einführung eines Mustervertrages, der auch eine Gründung ohne notarielle Beurkundung erlaubt. Dies erleichtert und beschleunigt die Gründung der GmbH – und spart zudem die u.U. nicht geringen Kosten des Notars.
  6. Beschleunigung der Registereintragung beim Unternehmensregister. Das Registerverfahren wird dabei von einer ggfs. erforderlichen gewerberechtlichen Genehmigung abgekoppelt, so daß die Eintragung schneller bewirkt werden kann. Man kann also schon im Handelsregister stehen, während man noch auf die gewerberechtliche Genehmigung wartet.
  7. Zulassung der Verlegung des Verwaltungssitzes in das Ausland. Solche Gestaltungen waren bisher in Deutschland nicht anerkannt, §4a Abs. 2 GmbHG. Auch hier ist das EU-Recht klar zu erkennen: insbesondere ist dies eine Umsetzung der bekannten vier freiheiten des EU-Vertrages, der diese Konstruktion eigentlich schon seit 1992 gestattet.
  8. Zugleich aber Pflicht zur Eintragung einer inländischen Geschäftsanschrift im Handelsregister. Eine ladungsfähige Anschrift in Deutschland bleibt also auf jeden Fall erhalten. Es soll nicht möglich sein, eine GmbH dem Zugriff deutscher Behörden oder deutscher Gläubiger zu entziehen.
  9. Einführung einer offenlegungspflichtigen Gesellschafterliste zur Erhöhung der Transparenz. In diesem Zusammenhang wird das Institut der Gutgläubigkeit des Anteilserwerbes eingeführt, d.h. wer bei Kauf des Anteiles gutgläubig war kann auch darauf vertrauen, in die Gesellschafterliste eingetragen worden zu sein. Dies entspricht den Gutgläubigkeitsvorschriften in anderen Rechtsbereichen, z.B. im Recht der Handelsregister. Die Gesellschafterliste hat damit auch eine Art Schutzfunktion.
  10. Aufhebung der Unterscheidung zwischen „kapitalersetzenden“ und „normalen“ Gesellschafterdarlehen. Es wird spannend zu sehen, wie sich dies auf „neue“ Finanzierungsformen wie z.B. Mezzanine-Kapital auswirkt
  11. Einführung einer Verpflichtung der Gesellschafter, bei Zahlungsunfähigkeit oder Unterbilanz bei Führerlosigkeit an Stelle des (dann ja nicht vorhandenen) Geschäftsführers den Insolvenzantrag zu stellen. Die fortsetzung der Geschäftstätigkeit faktisch bereits zahlungsunfähiger Gesellschaften soll so erschwert werden.
  12. Ausweitung der Ausschlußgründe für den Posten des Geschäftsführers. Bisher kann nicht Geschäftsführer sein, wer wegen bestimmter Straftaten im Bereich des Bankrottes verurteilt wurde (§6 Abs. 2 Satz 3 GmbHG). Diese Bestimmung wird auf weitere Straftaten und auf im Ausland begangene Delikte ausgeweitet. Ein Mittel gegen „Back Seat Driving“, also die Leitung der Gesellschaft „von hinten“ durch eine als Geschäftsführer ausgeschlossene Person im Wege der Bestellung eines Strohmannes, wird damit aber kaum verhindert werden.
  13. Zulassung des Cash-Pooling auch für GmbHs. Bei dieser Finanzierungsform teilen sich Konzerngesellschaften Finanzmittel. Dies war bisher nur für Aktiengesellschaften zulässig.

BWL CD: Mehr wissen – mehr können – mehr sein!

26.10.2008

Unbequeme Wahrheiten: die entschwundene globale Erwärmung

In Zeiten der Finanzmarktkrise geht es mit der globalen Erwärmung wie einst mit Waldsterben und Ozonloch: gestern noch in aller Munde und heute erfolgreich entschwunden. Die Klimaschwindler präsentieren uns freilich immer noch in der besten TV-Sendezeit den ertrinkenden Eisbären als Sympathieträger, doch das mit wenig Erfolg. Der derzeit arg gebeutelte Kapitalanleger kann sich kaum noch für den Treibhauseffekt erwärmen. Ein Blick auf die Fakten lehrt, weshalb:

Der entschwundene Klimaschwindel

(Quelle der Daten hier)

Die Wissenschaftler mögen uns endlich erklären, warum sie das Wetter nicht für drei Wochen vorhersagen können aber genau wissen, warum es in hundert Jahren vier (sechs? acht?) Grad wärmer sein wird. Sie mögen auch erläutern, was an einer höheren Temperatur und mehr CO2 in der Atmosphäre so schlecht sein soll, denn beides fördert das Pflanzenwachstum. Bisherige Klima-Mythen haben sich jedenfalls stets als unwahr herausgestellt, eine unbequeme Wahrheit. Daran hat auch der 2007 an den Hedgefonds-Manager Al Gore verliehene Nobelpreis nichts ändern können – außer, daß man die Nähe zwischen Klimaschwindel und Finanzmarktschwindel kaum augenfälliger demonstrieren und den Ruf des Friedensnobelpreises kaum besser demontieren konnte.

Vor fast 500 Jahren verfaßte Luther seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablaßhandel, und setzte damit eine grundlegende Reform des Christentums in Gang. Wir brauchen wieder jemand, der Thesen an Kirchentüren anschlägt. Wir brauchen wieder eine neue Reformation. Wir müssen Märkte und Politik von der Lüge reingen, und die Regierung darauf zurückführen, das Wohl der Menschen (und nicht das der Finanzwirtschaft) zu fördern. Wir brauchen günstige Nahrungsmittel und billige Energie aber keinen Emissionshandel. Wir brauchen Freiheit und Fortschritt und keine grüne Sklaverei. Das ist der wahre Sinn des Reformationstages: wir brauchen einen Neuanfang. Das hat der Klimaschwindel nicht geschafft, obwohl so viele davon profitieren, aber das bewirkt möglicherweise die Finanzkrise.

18.10.2008

BWL CD Audio: neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte« erschienen!

Seit wir vor einigen Tagen das neue Lehrmaterial zur Kulturtheorie veröffentlicht haben, erfreut sich dieses großer Beliebtheit. Noch für einige weitere Tage ist die PDF-Version auch im BWL-Showcase frei herunterzuladen (vorübergehende Publikation!) und viele Tausend Leser haben es sich dort bereit angeschaut. Jetzt gibt es auch eine Hörbuch-Version von diesem Material auf der BWL CD Audio.

Die BWL CD Audio ist die Hörbuch-Erweiterung zur BWL CD Grundwerk. Für gerade mal fünf Euro erhält der Leser zehn Stunden Audiomaterial von ausgewählten Inhalten der BWL CD Grundwerk. Das unterstützt das Lernen während ansonsten unproduktiver Zeiten wie zum Beispiel auf langen Autofahrten. Alle Dateien sind auch in mobilen Abspielgeräten und im Autoradio nutzbar, wenn die jeweiligen Endgeräte das MP3-Format unterstützen. Unter Windows®, Linux® oder Apple® OS X läuft die BWL CD Audio mit dem Firefox, dem Microsoft Internet Explorer, Netscape, Opera und Safari und dem jeweiligen Flash®-Plugin.

Zwei Screenshots zeigen, wie das Material im Browser aussieht:

BWL CD Audio Hauptverzeichnis

BWL CD Audio Hauptverzeichnis

Neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte«

Neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte«

Das vorliegende neue Hörbuch richtet sich nicht nur allgemein an alle Betriebswirte und betrieblichen Praktiker, sondern insbesondere auch an Fortbildungsteilnehmer „Geprüfter Betriebswirt/IHK“. Dort werden nämlich in der Prüfung nach neuer Prüfungsverordnung auch Prüfungsfragen im Bereich des interkulturellen Managements gestellt. Leider haben viele IHK-Dozenten von dem Thema keine Ahnung. Mit der BWL CD kann man sich daher möglicherweise besser auf diesen Bereich der Prüfung vorbereiten.

Mehr Informationen und eine Hörprobe befinden sich auf der Zingelseite.

Die neue Version der BWL CD Audio ist jetzt ab Lager verfügbar. Durch Eigenherstellung (professionelle Vervielfältigungstechnik) sind wir immer lieferfähig. Versand normalerweise innerhalb eines Tages.

11.10.2008

Risikomanagement und Rating: ein Protokoll des Scheiterns

Erst vor etwas über zehn Jahren, am 1. Mai 1998, wurde die Pflicht zur Risikoberichterstattung durch das damalige Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) in den Lagebericht nach §289 HGB geschrieben. Die seither mehrfach erweiterten und verschärften Offenlegungsvorschriften sollten die Corporate Governance in deutschen Unternehmen verbessern und das Handelsrecht an internationale Standards annähern, denn in den IFRS sind Risikomanagement und Risikoberichterstattung schon lange verankert. Doch weniges ist in den letzten Jahren so schiefgegangen wie das unternehmerische Risikomanagement.

Eigentlich sollten durch die Risikoberichterstattung unternehmerische Risiken für den Abschlußleser transparent werden; schon der Name des Gesetzes verriet das. Dies dient dazu, bessere Anlageentscheidungen fällen zu können. So betraf das KonTraG nicht nur die Aktiengesellschaft, und die IFRS gelten für „kapitalmarktnahe“ Unternehmen (§315 a HGB), also für an einer Börse gelistete Unternehmen. Die sind nämlich Gegenstand der Anlageentscheidung von Kapitalmarktteilnehmern. Gerade dort aber hat das Risikomanagement nichts gebracht, nichts außer Kosten und Bürokratie. Dafür werden wir die Geister, die wir riefen, jetzt doch nicht mehr los.

So sind wir jetzt in der wahrlich grotesken Situation, daß Jahresabschlüsse zwar Risikoberichterstattungen enthalten, aber doch jeder Tag an der Börse neue Überraschungen bringt. Und zwar Überraschungen der heftigen Sorte: so hat die EZB am 8. Oktober nach einer Serie von Zinserhöhungen, die zuletzt keiner mehr verstand, sogar die Leitzinsen gesenkt – in einer konzertierten Aktion mit anderen großen Notenzentralbank. Und schon seit einem Jahr werden Milliardenbeträge in den Bankensektor gepumpt. Jetzt ist schon von Verstaatlichung die Rede, und zwar sogar in den USA. Und doch weiß niemand, welche Bank morgen hektisch vor der Pleite bewahrt werden muß, hüben wie drüben auf des Steuerzahlers Kosten. Der nämlich zahlt letztlich für das Versagen von Regelungsgeber wie Unternehmen gleichermaßen.

Dabei hat sich der gefürchtete Domino-Effekt noch gar nicht manifestiert, und Gott möge uns davor behüten. Dafür wurde es durch das Basel II Abkommen spätestens seit seinem Inkrafttreten Anfang 2007 mit dem Kredit wie mit dem Sex: wer am meisten braucht, der kriegt am wenigsten. Und trotz der immer strengeren Vergaberegeln, die schlechte Kreditschuldner weitgehend von der Darlehensgewährung ausschließen, es für die, die es eigentlich nicht brauchen aber billiger machen, wurden so viele faule Kredite in den USA und anderswo gewährt und nachher in Gestalt von ABS-Transaktionen auf den Kapitalmarkt gebracht, daß jetzt das ganze Gebäude einsturzgefährdet ist.

Es ist kaum zu glauben, in welchem Maße all die schönen, bürokratischen Regelungen über Rating und Risikomanagement versagt haben. Außer Spesen nix gewesen: Offenheit im Abschluß schützt vor versteckten Risiken nicht, und diese gibt es jetzt mehr denn je. Dafür ist das jetzt wenigstens offensichtlich: noch vor einem halben Jahr wurde ich nämlich für einen ähnlichen kritischen Artikel im BWL-Boten böse beschimpft. Das dürfte jetzt wohl kaum noch zeitgemäß sein.

10.10.2008

Die Spareinlagen sind sicher, die Spareinlagen sind sicher, die Spareinlagen…

Gespeichert unter: Harry's log, Wider den Zeitgeist — Harry Zingel @ 6:08
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Seit Norbert Blüm wisen wir es: die Renten sind sicher die Renten sind sicher, die Renten sind sicher. Wahrscheinlich genauso sicher wie die Spareinlagen. Nur daß auf den Finanzmärkten die Dinge schneller ablaufen als in der Demographie, und die Kunden der isländischen Kaupthing-Bank, die jetzt schon nicht mehr an ihre Konten rankommen, dürften wissen, was ich meine. Und sie sind ganz sicher nicht die letzten, die diese Erfahrung machen, denn so wie eine Versicherung darin kreativ ist, Gründe zu finden nicht zahlen zu müssen, dürfte die Regierung darin kreativ sein zu erklären, warum ihr Versprechen der sicheren Bankkonten für diesen oder jenen Kunden eben nicht gilt.

Besonders drastisch: selbst heute, da der Vorstand der Kaupthing-Bank Pressemeldungen zurfolge geschlossen zurückgetreten ist, macht die Bank noch immer Werbung für ihre in der Tat doch wirklich günstigen Tagesgeldkonten:

Günstiges Tagesgeldkonto der Kaupthing-Bank

Günstiges Tagesgeldkonto der Kaupthing-Bank

Ein Tagesgeld-Konto mit Zahlungsverbot, das ist immerhin mal eine neue Idee. Erst wenn man es wirklich versuchen will, bekommt man den Hinweis, daß hier nichts mehr läuft. Den haben auch die Kunden bekommen, die hier schon ein Konto haben – und denen man sagte, daß hier weder die Einlagesicherungssysteme der Banken noch die glaubwürdige Garantie der Bundeskanzlerin greifen würden.

Die vollmundigen Versprechungen der Kanzlerin sind noch nicht verklungen, da sind sie schon wertloser als ein Kaupthing-Tagesgeldkonto…

Diese Woche war ich bei meiner Schwiegermutter, die ist 84 Jahre alt. Am Eingang trafen wir sie in einem Schwatz mit ihrer Nachbarin, die über 90 Lenze zählt, aber noch keine Spur von Altersdemenz zeigt: „Jetzt nehmen die uns unser Geld zum fünften Mal“ sagte die als Kommentar zu einer Zeitungs-Schlagzeile. Wohl wahr. Wir zahlen wieder für die Fehler der anderen. Nach der großen Inflation von 1922/23, und nach der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre, führte das in die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges.

Wohin führt das diesmal?

05.10.2008

Sieben Zwerge: ein Märchen, zu lesen vor der nächsten Controlling-Lehrveranstaltung

Gespeichert unter: Harry's log, Satire — Harry Zingel @ 4:14
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Deutsches Kulturgut ist immer für tiefgehende Einsichten gut, und wer hätte gedacht, daß aus der Legende von den sieben Zwergen auch hervorgeht, wie moderne Führungsstrukturen entstanden. Wir geben also diesem Dokument, das im Netz in unzähligen Inkarnationen herumlungert, eine passende Heimat. Nicht von den Gebrüdern Grimm sondern vom Hüter der Betriebswirtschaft aufgesammelt und hiermit digital ans Licht der universitären Welt gegeben ist der Text Pflichtlektüre vor der nächsten Controlling-Lehrveranstaltung. Prüfungsrelevant wie immer lesen wir also:

SIEBEN ZWERGE

Ein Märchen, zu lesen vor der nächsten Controlling-Lehrveranstaltung

Es waren einmal sieben Zwerge, die lebten, wie es sich gehört, hinter den sieben Bergen.

Tag für Tag suchten sie im Bergwerk nach Gold. Jeder der Zwerge war rechtschaffen, fleißig und achtete den anderen. Wenn einer von ihnen müde wurde, so ruhte er sich aus, ohne daß die anderen erzürnten. Wenn es einem von ihnen an etwas mangelte, so gaben die anderen bereitwillig und gerne. Abends, wenn das Tagewerk geschafft war, aßen sie einträchtig ihr Brot und gingen zu Bett. Am siebten Tage jedoch ruhten sie.

Doch eines Tages meinte einer von ihnen, daß sie so recht nicht wüßten, wieviel denn geschafft sei und begann, die Goldklumpen zu zählen, die sie Tag für Tag aus dem Bergwerk schleppten. Und weil er so mit Zählen beschäftigt war, schufteten die anderen für ihn mit. Bald nahm ihn seine neue Arbeit derart in Anspruch, daß er nur noch zählte und die Hacke für immer beiseite legte.

Nach einer Zeit hob ein Murren an unter den Freunden, die mit Argwohn auf das Treiben des Siebten schauten. Dieser erschrak und verteidigte sich, das Zählen sei unerläßlich, so sie denn wissen wollten, welche Leistung sie vollbracht hatten und begann, den anderen in allen Einzelheiten davon zu erzählen. Und weil er nicht erzählen konnte, während die anderen hackten und hämmerten, so legten sie alle ihre Schaufeln beiseite und saßen am Tisch zusammen. So entstand das erste Meeting. Die anderen Zwerge sahen das feine Papier und die Symbole, aber schüttelten die Köpfe, weil sie es nicht verstanden.

Es dauerte nicht lange und der Controller (denn so nannte er sich fortan!) forderte, die Zwerge, die da tagein, tagaus schufteten, mögen ihm ihre Arbeit beweisen, in dem sie ihm Zeugnis auf Papier ablegten über die Menge Goldes, die sie mit den Loren aus dem Berg holten. Und weil er nicht verstehen konnte, warum die Menge schwankte, so berief er einen unter ihnen, die anderen zu führen, damit der Lohn recht gleichmäßig ausfiele.

Der Führer nannte sich Manager und legte seine Schaufel nieder. Nach kurzer Zeit arbeiteten also nur noch Fünf von ihnen, allerdings mit der Auflage, die Arbeit aller Sieben zu erbringen. Die Stimmung unter den Zwergen sank, aber was sollten sie tun? Als der Manager von ihrem Wehklagen hörte, dachte er lange und angestrengt nach und erfand die Teamarbeit.

So sollte jeder von ihnen gemäß seiner Talente nur einen Teil der Arbeit erledigen und sich spezialisieren. Aber ach! Das Tagewerk wurde nicht leichter und wenn einer von ihnen krank wurde, wußten die anderen weder ein noch aus, weil sie die Arbeit ihres Nächsten nicht kannten. So entstand der Taylorismus.

Als der Manager sah, daß es schlecht bestellt war um seine Kollegen, bestellte er einen unter ihnen zum Gruppenführer, damit er die anderen ermutigte. So mußte der Manager nicht mehr sein warmes Kaminfeuer verlassen. Leider legte auch der Gruppenführer, der nunmehr den Takt angab, die Schaufel nieder und traf sich mit dem Manager öfter und öfter zu Meetings. So arbeiteten nur noch Vier.

Die Stimmung sank und damit alsbald die Fördermenge des Goldes. Als die Zwerge wütend an seine Bürotür traten, versprach der Manager Abhilfe und organisierte eine kleine Fahrt mit dem Karren, damit sich die Zwerge zerstreuten. Damit aber die Menge Goldes nicht nachließ, fand die Fahrt am Wochenende statt. Und damit die Fahrt als Geschäftsreise abgesetzt werden konnte, hielt der Manager einen langen Vortrag, den er in fremdartige Worte kleidete, die er von einem anderen Manager gehört hatte, der andere Zwerge in einer anderen Mine befehligte. So wurden die ersten Anglizismen verwendet.

Eines Tages kam er zum offenen Streit. Die Zwerge warfen ihre kleinen Schaufeln hin und stampften mit ihren kleinen Füßen und ballten ihre kleinen Fäuste. Der Manager erschrak und versprach den Zwergen, neue Kollegen anzuwerben, die ihnen helfen sollten. Der Manager nannte das Outsourcing.

Also kamen neue Zwerge, die fremd waren und nicht recht in die kleine Gemeinde paßten. Und weil sie anders waren, mußte auch für diese ein neuer Führer her, der an den Manager berichtete. So arbeiteten nur noch Drei von ihnen.

Weil jeder von ihnen auf eine andere Art andere Arbeit erledigte und weil zwei verschiedene Gruppen von Arbeitern zwei verschiedene Abteilungen nötig werden ließen, die sich untereinander nichts mehr schenkten, begann unter den strengen Augen des Controllers bald ein reger Handel unter ihnen. So wurden die Kostenstellen geboren. Jeder sah voller Mißtrauen auf die Leistungen des anderen und hielt fest, was er besaß. So war ein Knurren unter ihnen, daß stärker und stärker wurde.

Die zwei Zwerge, die noch arbeiteten, erbrachten ihr Tagewerk mehr schlecht als recht. Als sich die Manager und der Controller ratlos zeigten, beauftragten sie schließlich einen Unternehmensberater. Der strich ohne die geringste Ahnung hochnäsig durch das Bergwerk und erklärte den verdutzten Managern, die Gründe für die schlechte Leistung sei darin zu suchen, daß die letzten Beiden im Bergwerk verbliebenen Zwerge ihre Schaufeln falsch hielten. Dann kassierte er eine ganze Lore Gold und verschwand so schnell, wie er erschienen war.

Währenddessen stellte der Controller fest, daß die externen Mitarbeiter mehr Kosten verursachten als Gewinn erbrachten und überdies die Auslastung der internen Zwerge senkte. Schließlich entließ er sie. Der Führer, der die externen Mitarbeiter geführt hatte, wurde zweiter Controller.

So arbeitete nur noch ein letzter Zwerg in den Minen. Tja, und der lernte in seiner kargen Freizeit, die nur noch aus mühsam errungenen abgebummelten Überstunden bestand, Schneewittchen kennen, die ganz in der Nähe der Mine ihre Dienste anbot. Dann holte er sich bei ihr den Siff und verreckte elendig. Die Firma ging pleite, die Manager, Gruppenführer und Controller aber fanden sich mit großzügigen Summen gegenseitig ab und verpißten sich, um der Anklage wegen Untreue zu entgehen, ins Ausland und diese deprimierende, aber wahrheitsgetreue Mär ist aus.

Fortsetzung droht…

02.10.2008

Vom Wochenende in den Opportunitätskosten, oder die Zeitnöte der berufsbegleitenden Fortbildungen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 7:57
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Schon vor längerer Zeit verbreitete ich mich im BWL-Boten über die sogenannte Alpen-Methode im persönlichen Zeitmanagement. Was als Prüfungsstoff taugt reicht hingegen nicht, den Berg zu besteigen auf den kein bequemer Sessellift fährt, nämlich den Gipfel des Erfolges. Können sich „traditionelle“ Studenten noch den ganzen Tag aufs Studieren konzentrieren, müssen die Teilnehmer berufsbegleitender Fortbildungen mit ganz eigenen Zeitnöten rechnen.

Dabei war es immer ein offenes Geheimnis, daß ohne Zusatzeinsatz die Chancen schlecht stehen. Die Dozenten der Kammer sollten nicht als Vollversorger gesehen werden, sondern als eine Art Trainer: sie üben und leiten an. Lernen muß man alleine. Dafür reicht die Zeit, die berufsbegleitend eingeplant wird, in aller Regel ohnehin nicht aus. Wer sich also den stets schwerer werdenden Prüfungen stellt sollte wissen, daß die nächsten zwei Jahre die Wochenenden in den Opportunitätskosten verschwinden. Wer das ignoriert, belügt sich selbst.

Dabei sind selbst paukende Familienväter und Formelsammlungen auf dem Frühstückstisch nur die halbe Wahrheit, denn Aufstiegsfortbildungen macht man ja gerade, um aufzusteigen. Und schon das erfordert in aller Regel erhöhten Einsatz. Was man erreichen will braucht aber viel Zeit, sowohl im Klassenraum als auch außerhalb, denn man kann sich mit allem beeilen nur nicht mit dem Einschlafen oder dem Lernen. Es gibt keinen Lift zum Erfolg. Doch gerade Zeit wird durch die aufstiegsbedingt größere berufliche Belastung immer knapper. Viele machen sich das nicht klar und scheitern. Andere erkennen es auf halber Strecke und geben mittendrin auf.

Die neuen Prüfungsverordnungen machen es nicht leichter, denn sie setzen in der Regel nicht mehr auf auswendig gelernten Paukstoff, sondern auf kreative Lösungsansätze. Das erfordert nicht Wissen, sondern Können und Erkennen, und also einen noch höheren zeitlichen Einsatz, die Dinge bis zum Grund zu durchdringen. Es scheint daher, jedenfalls hier, daß die Fluktuation zunimmt. Mehr Teilnehmer geben vorzeitig auf, aber auch mehr versuchen, mitten im Lehrgang einzusteigen. Das erschwert es den Dozenten, auf die Leute individuell einzugehen. Wie sich das insgesamt auf den Prüfungserfolg auswirkt, ist noch nicht endgültig festzustellen. Daß die Bandagen härter geworden sind, ist indes kaum zu leugnen.

Und das finanzielle Risiko ist und bleibt hoch, denn ein Fortbildungslehrgang kostet in aller Regel mehrere Tausend Euro. Die will keiner in den Sand setzen, weder ein hochgradig abgezockter Arbeitnehmer noch sein nicht minder besteuerter Arbeitgeber. Wer also schon mit 16-Stunden-Tagen, Rufbereitschaft oder ständigen Überstunden rechnen muß kann in aller Regel nicht davon ausgehen, an Wochenenden und im Urlaub noch die Kraft und den Willen aufzubringen, sich mit den verzwickten und bisweilen etwas theoretischen Aufgabengestaltungen herumzuschlagen, die an dieser Stelle immer wieder veröffentlicht wurden. Die persönliche Nutzenfunktion des Zertifikates muß um eine Kosten- und Risikoabwägung diskontiert werden. Das schaffen viele nicht, und die scheitern dann nur allzuoft am negativen Erwartungswert. Bei den Infoveranstaltungen kriegt man das meist nicht gesagt, dafür aber vom BWL-Boten. Den Gipfel des Erfolges besteigt man nicht mit der Alpen-Methode, sondern mit viel Zeit und Willenskraft. Arbeitgeber, Familie und die eigene Ausdauer müssen damit in Zielharmonie stehen. Sich dessen vorher zu versichern, ist eine unerläßliche Pflicht vor Beginn des Lehrganges. Due diligence des Teilnehmers, sozusagen.

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