Harry Zingel’s BWL-Weblog

18.10.2008

BWL CD Audio: neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte« erschienen!

Seit wir vor einigen Tagen das neue Lehrmaterial zur Kulturtheorie veröffentlicht haben, erfreut sich dieses großer Beliebtheit. Noch für einige weitere Tage ist die PDF-Version auch im BWL-Showcase frei herunterzuladen (vorübergehende Publikation!) und viele Tausend Leser haben es sich dort bereit angeschaut. Jetzt gibt es auch eine Hörbuch-Version von diesem Material auf der BWL CD Audio.

Die BWL CD Audio ist die Hörbuch-Erweiterung zur BWL CD Grundwerk. Für gerade mal fünf Euro erhält der Leser zehn Stunden Audiomaterial von ausgewählten Inhalten der BWL CD Grundwerk. Das unterstützt das Lernen während ansonsten unproduktiver Zeiten wie zum Beispiel auf langen Autofahrten. Alle Dateien sind auch in mobilen Abspielgeräten und im Autoradio nutzbar, wenn die jeweiligen Endgeräte das MP3-Format unterstützen. Unter Windows®, Linux® oder Apple® OS X läuft die BWL CD Audio mit dem Firefox, dem Microsoft Internet Explorer, Netscape, Opera und Safari und dem jeweiligen Flash®-Plugin.

Zwei Screenshots zeigen, wie das Material im Browser aussieht:

BWL CD Audio Hauptverzeichnis

BWL CD Audio Hauptverzeichnis

Neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte«

Neues Hörbuch »Kulturtheorie für Betriebswirte«

Das vorliegende neue Hörbuch richtet sich nicht nur allgemein an alle Betriebswirte und betrieblichen Praktiker, sondern insbesondere auch an Fortbildungsteilnehmer „Geprüfter Betriebswirt/IHK“. Dort werden nämlich in der Prüfung nach neuer Prüfungsverordnung auch Prüfungsfragen im Bereich des interkulturellen Managements gestellt. Leider haben viele IHK-Dozenten von dem Thema keine Ahnung. Mit der BWL CD kann man sich daher möglicherweise besser auf diesen Bereich der Prüfung vorbereiten.

Mehr Informationen und eine Hörprobe befinden sich auf der Zingelseite.

Die neue Version der BWL CD Audio ist jetzt ab Lager verfügbar. Durch Eigenherstellung (professionelle Vervielfältigungstechnik) sind wir immer lieferfähig. Versand normalerweise innerhalb eines Tages.

02.10.2008

Vom Wochenende in den Opportunitätskosten, oder die Zeitnöte der berufsbegleitenden Fortbildungen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 7:57
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Schon vor längerer Zeit verbreitete ich mich im BWL-Boten über die sogenannte Alpen-Methode im persönlichen Zeitmanagement. Was als Prüfungsstoff taugt reicht hingegen nicht, den Berg zu besteigen auf den kein bequemer Sessellift fährt, nämlich den Gipfel des Erfolges. Können sich „traditionelle“ Studenten noch den ganzen Tag aufs Studieren konzentrieren, müssen die Teilnehmer berufsbegleitender Fortbildungen mit ganz eigenen Zeitnöten rechnen.

Dabei war es immer ein offenes Geheimnis, daß ohne Zusatzeinsatz die Chancen schlecht stehen. Die Dozenten der Kammer sollten nicht als Vollversorger gesehen werden, sondern als eine Art Trainer: sie üben und leiten an. Lernen muß man alleine. Dafür reicht die Zeit, die berufsbegleitend eingeplant wird, in aller Regel ohnehin nicht aus. Wer sich also den stets schwerer werdenden Prüfungen stellt sollte wissen, daß die nächsten zwei Jahre die Wochenenden in den Opportunitätskosten verschwinden. Wer das ignoriert, belügt sich selbst.

Dabei sind selbst paukende Familienväter und Formelsammlungen auf dem Frühstückstisch nur die halbe Wahrheit, denn Aufstiegsfortbildungen macht man ja gerade, um aufzusteigen. Und schon das erfordert in aller Regel erhöhten Einsatz. Was man erreichen will braucht aber viel Zeit, sowohl im Klassenraum als auch außerhalb, denn man kann sich mit allem beeilen nur nicht mit dem Einschlafen oder dem Lernen. Es gibt keinen Lift zum Erfolg. Doch gerade Zeit wird durch die aufstiegsbedingt größere berufliche Belastung immer knapper. Viele machen sich das nicht klar und scheitern. Andere erkennen es auf halber Strecke und geben mittendrin auf.

Die neuen Prüfungsverordnungen machen es nicht leichter, denn sie setzen in der Regel nicht mehr auf auswendig gelernten Paukstoff, sondern auf kreative Lösungsansätze. Das erfordert nicht Wissen, sondern Können und Erkennen, und also einen noch höheren zeitlichen Einsatz, die Dinge bis zum Grund zu durchdringen. Es scheint daher, jedenfalls hier, daß die Fluktuation zunimmt. Mehr Teilnehmer geben vorzeitig auf, aber auch mehr versuchen, mitten im Lehrgang einzusteigen. Das erschwert es den Dozenten, auf die Leute individuell einzugehen. Wie sich das insgesamt auf den Prüfungserfolg auswirkt, ist noch nicht endgültig festzustellen. Daß die Bandagen härter geworden sind, ist indes kaum zu leugnen.

Und das finanzielle Risiko ist und bleibt hoch, denn ein Fortbildungslehrgang kostet in aller Regel mehrere Tausend Euro. Die will keiner in den Sand setzen, weder ein hochgradig abgezockter Arbeitnehmer noch sein nicht minder besteuerter Arbeitgeber. Wer also schon mit 16-Stunden-Tagen, Rufbereitschaft oder ständigen Überstunden rechnen muß kann in aller Regel nicht davon ausgehen, an Wochenenden und im Urlaub noch die Kraft und den Willen aufzubringen, sich mit den verzwickten und bisweilen etwas theoretischen Aufgabengestaltungen herumzuschlagen, die an dieser Stelle immer wieder veröffentlicht wurden. Die persönliche Nutzenfunktion des Zertifikates muß um eine Kosten- und Risikoabwägung diskontiert werden. Das schaffen viele nicht, und die scheitern dann nur allzuoft am negativen Erwartungswert. Bei den Infoveranstaltungen kriegt man das meist nicht gesagt, dafür aber vom BWL-Boten. Den Gipfel des Erfolges besteigt man nicht mit der Alpen-Methode, sondern mit viel Zeit und Willenskraft. Arbeitgeber, Familie und die eigene Ausdauer müssen damit in Zielharmonie stehen. Sich dessen vorher zu versichern, ist eine unerläßliche Pflicht vor Beginn des Lehrganges. Due diligence des Teilnehmers, sozusagen.

16.07.2008

Die Sendung ohne Maus, oder wie wir den Anschluß mutwillig verpassen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung, Prüfung — Harry Zingel @ 7:27
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Angeblich werden Milliarden in die Bildung investiert, doch das viele Geld läßt sich bislang kaum blicken. Jedenfalls nicht in der akademischen- und der Erwachsenenbildung. Aber es ist nicht nur ein Problem der Finanzmittel: auch in zeitgemäßere Lehrpläne und angemessene Prüfungen müßte investiert werden, und das ginge ganz ohne Milliarden. Schauen wir mal, wie das gehen könnte.

Legende ist der Tag, an dem mich der leitende Professor einer mir wohlbekannten höheren Lehranstalt, zugleich auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses dabei erwischte wie ich mit einer Fünfmeter-Verlängerungssteckdose in der Hand auf dem Parkplatz der genannten Institution meinem Auto entstieg. Auf die Frage, was ich denn mit der langen Leitung in der Prüfung wolle erklärte ich wahrheitsgemäß, daß mein Laptop-Computer schließlich irgendwo Anschluß suche. Und prompt gab er also kund und zu wissen, daß Computer in Prüfungen nicht erwünscht seien. Diese seien Sendungen ohne Maus.

Diese Institution, deren Namen oder Standort ich natürlich hier nicht nenne, denn ich bin dort ja seit Jahren Auftragnehmer, vermittelt auch bis heute keinerlei Digitalkompetenz an ihre Studis, die selbst in Diplomarbeiten oft noch die gröbsten Anfängerfehler im Umgang mit der Software machen. CI-Schemata, Programmiersprachen, Datenbanken – alles Fehlanzeige. Aber mehr noch, auch die eigenständige Erarbeitung digitaler Elemente im Rahmen der Diplomarbeit darf offiziell nicht gewertet werden: wer also seine Diplomarbeit auf CD abgibt, oder gar als Teil der Diplomarbeit eine Programmiersprache selbständig erlernt und damit etwas für seinen Betrieb Nützliches herstellt, so wie kürzlich einer meiner Schützlinge aus Bad Salzungen, darf dafür nicht positiv bewertet werden, jedenfalls nicht offiziell: ein anachronistischer Zustand bedenkt man, wie teuer die kundenspezifische Anpassung („customization“) von ERP-Systemen auf dem freien Markt nun mal ist.

Das unzeitgemäße Bild setzt sich in anderen Teilbereichen fort, beispielsweise im Rechnungswesen. Diplomkandidaten einer ganz ähnlichen ebenso öffentlichen Ausbildungsinstitution, die auf FH-Niveau auszubilden beansprucht, könnte ich mit Prüfungsfragen aus IHK-Prüfungen locker kippen. Von internationalem Rechnungswesen haben die nach sechs Semestern noch kein Sterbenswörtchen gehört: die Dozenten lehren nur das HGB, und auch das eher oberflächlich. Selbst die IHK, die gebunden ist nach amtlichen Verordnungen und staatlich abgesegneten Rahmenstoffplänen zu unterrichten, ist da inzwischen viel näher an der Zeit. Ein mittelprächtiger Bilanzbuchhalter steckt seine spätere Führungskraft locker in die Tasche.

Die Globalisierung ist eine Tatsache, ob wir das wollen oder nicht. Wir müssen uns dem also anpassen, und das ist einerseits ein digitaler Vorgang, denn der einzige Ort, wo in den Betrieben heute etwas ohne Computer flüssig erledigt wird, ist die Toilette. Andererseits ist die weltweite Standardisierung des Rechnungswesens ebenfalls ein Faktum, dem wir uns anpassen müssen – schon weil Deutschland wieder mal Exportweltmeister ist, vor China, vor den großen USA, aber immer noch mit altdeutschen Rechnungslegungsvorschriften. Wer die Auszubildenden von heute nicht auf die Zustände von morgen vorbereitet, begeht einen schweren Fehler. Der Wandel muß in den Köpfen beginnen, aber dort ist er noch immer nicht angekommen. Kein Wunder also, daß der Exportweltmeister in Sachen Bildung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt – eben auch im akademischen Bereich.

04.07.2008

Gleichheit in der Bildung: Plädoyer für Schuluniformen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 11:17
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Besonders die Gegner von Schul- und Studiengebühren argumentieren mit dem Gleichheitsgebot, das sich u.a. aus Art. 3 GG ableiten lasse. Während wir diese mE nach problematische Analogie hier nicht vertiefen wollen, vermeiden die Schulgebührengegner eine ganz offensichtliche Form der Gleichheit: die Schuluniform. Wir überlegen hier, warum sich deren Einführung positiv auswirken könnte (und damit indirekt auch, weshalb die Studiengebührendebatte so inkonsequent geführt wird).

Kinder mit Schuluniformen (Indien)

Kinder mit Schuluniformen (Indien)

Was ist eine Schuluniform?

Eine Schuluniform ist eine für alle Schüler vorgeschriebene einheitliche Kleidung, also mehr als ein „Dress-code“. Außer in Großbritannien gibt es fast keine Schuluniformen mehr in Europa; in Rußland wurden sie nach dem Einsturz der Sowjetunion abgeschafft. Viele der ehemaligen britischen Kolonien halten jedoch an Schuluniformen fest, zum Beispiel Indien, wo schon für die kleinsten Kinder einheitliche Kleidung vorgeschrieben ist (vgl. nebenstehend). Auch in Japan ist eine einheitliche Kleidung für sämtliche Schüler eine Selbstverständlichkeit. In den USA gibt es keine Schuluniformen in öffentlichen Schulen, sehr wohl aber welche in vielen privaten Lehranstalten. Und das genau macht die Sache interessant. Wir wissen nämlich, daß öffentliche Schulen in den USA einen sehr schlechten Ruf genießen – Kriminalität, Drogen, Gewalt. In privaten Schulen scheint es solche Probleme aber viel weniger zu geben – weshalb?

Stärkung des Gemeinschaftsgefühls

Die Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der Erziehung, und das wird heute oft verschämt verborgen – sehr zu unrecht, wie wir denken, denn Erziehung hat viel mit der Vermittlung der Fähigkeit zu tun, sich in ein soziales System einzufügen. Die Schule ist ein solches soziales System – äußerlich an der Schuluniform erkennbar. Funktioniert das Gemeinwesen, verschwinden Bandenkämpfe, Mobbing und Gruppendruck und also die Hauptanlässe für die typische Schulhofkriminalität. Keinem werden mehr teure Markenklamotten geraubt – oder das teure Mobiltelefon, denn mit der Schuluniform verbindet sich in aller Regel das Verbot, eigene Sachen außer den eigentlichen Schulsachen mitzubringen. Handys, Laptops oder eben auch teure Markenklamotten müssen also am Eingang der Schule abgegeben oder gleich zu Hause gelassen werden. Wir müßten freilich, wollten wir wirklich das Gemeinschaftsgefühl der Schüler stärken, den Lehrern wieder das Recht geben, unerlaubte Gegenstände zu konfiszieren, ohne sich eine Schadensersatzklage der Eltern auszusetzen.

Verbundenheit mit der Schule

Konkurrenz ist nicht an sich schlecht, wenn sie sinnvoll kanalisiert wird. Der Sport, sofern er nicht zum professionellen Leistungssport pervertiert, ist eine solche Form der Kanalisierung des Wettbewerbes; die Schuluniformen bieten eine Möglichkeit des schulischen Wettbewerbes zwischen den Bildungseinrichtungen einer Stadt, weil jeder sofort erkennt, von welcher Schule ein Schüler kommt. Der Schüler erhält damit indirekt Verantwortung für den Ruf, den seine Bildungseinrichtung in der Öffentlichkeit genießt. Auch das Erreichen oder Übertreffen von Lernzielen kann damit zu einer für die eigenen Zukunft nützlichen Konkurrenz werden, wobei jeder Teilnehmer sogleich äußerlich erkennbar ist – etwa bei Schülerolympiaden, Gesangs- oder Lesewettbewerben und ähnlichen Veranstaltungen.

Bessere Integration von Ausländern

Verringert man äußerliche Unterschiede, so verringert man auch Integrationsprobleme von Ausländern, die oft durch Kleidungsvorschriften der Herkunftsländer verursacht werden, denn die Kleidung demonstriert das Anderssein nach außen. Verhindert man das, so erleichtert man die Integration. An einer Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf scheint man damit sehr positive Erfahrungen gemacht zu haben. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß man in Europa zwar nicht ernsthaft über Schuluniformen, sehr wohl aber über das Verbot religiöser Vorschriften nachdenkt, wobei weniger Kreuze aus Klassenzimmern verschwinden sollen, aber Kopftücher von den Häuptern muslimischer Schülerinnen. Das ist offensichtlich die genau die falsche Auslegung, denn anstatt die Muslime zu einem Verstoß gegen eine Regel des Heiligen Qur’an zu zwingen, ließe sich das Kopftuch ausgezeichnet mit der Gestaltung von Schuluniformen verbinden.

Nützliche Vereinheitlichung

Kritiker wenden ein, daß die Schuluniform eine Art der totalitären Gleichschaltung wäre, was mE nach vollkommen falsch ist. Gleichschaltung ist ein Begriff der Vereinheitlichung von Gedanken und daraus folgenden Unterdrückung gegnerischer Meinungen, während einheitliche Kleidung in Wirklichkeit Freiheit bedeutet, denn Freiheit liegt nicht in Rücksichtslosigkeit dem Anderen gegenüber, sondern im Nutzen der eigenen Möglichkeiten und Potentiale. Freiheit braucht einen Rahmen. Freiheit von Mobbing, Erpressung oder einfach nur dem Konsumdruck, stets das neuste Handy haben zu müssen, ist die wirkliche Freiheit, eigene Talente und Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln, und das zu tun ist Sinn der Schule!

21.06.2008

Latein in der Schule: vom modernen Nutzen einer alten Sprache

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 9:43
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Mit Überraschung habe ich die heftigen Diskussionen zur Kenntnis genommen, die sich um meine Forderung nach mandatorischem Lateinunterricht aus dem ordoliberalen Manifest entwickelt hat. Während etwa mein Postulat, der Staat solle nur ein Nachtwächter sein, sonst viel eher intensive ideologische Auseinandersetzungen produziert, erregte der Laterinunterricht diesmal viel größeren Widerspruch. Aber weshalb?

Transeamus usque Bethlehem…

weiß das Weihnachtslied, lasset und hinübergehen nach Bethlehem, um dort nämlich das geborene Jesuskund zu bewundern. Als conjunctivus adhortativus deutet „transeamus“ eine Aufforderung an, und der Lateiner kennt natürlich die Infinitivform, transire, hinübergehen (aus trans-, „hinüber“, und „ire“, gehen), und das ist, wo das Jesuskind mit der Elektronik und auch der Betriebswirtschaft zu tun kriegt, denn der Transistor ist ein Teil, in dem Elektronen von der P-Schicht in die N-Schicht wechseln (oder eben auch nicht), und transistorische Posten sind solche, in denen Zahlungen vor dem Abschlußstichtag in Aufwendungen oder Erträge nach diesem Tag hinübergehen, und das ist der Regelungsgehalt von §250 HGB, ein Rechnungsabgrenzungsposten also. So hilft das alte Latein, ganz moderne technische oder kaufmännische Zusammenhänge intuitiv zu verstehen.

Keine tote Sprache

Das Beispiel demonstriert, weshalb Latein eben nicht so tot ist, wie immer behauptet, denn es steckt in einer Menge Fremdworte, ist also gleichsam eine indirekt lebende Sprache. Wer Latein beherrscht, braucht daher in aller Regel kein Fremdwörterbuch mehr, weil er nahezu alle gebräuchlichen Fremdwörter aufgrund ihrer lateinischen Wurzel versteht.

Auch für moderne Fremdsprachen nützlich

Das gilt insbesondere auch beim Lernen moderner Fremdsprachen, und nicht nur der romanischen Sprachen (Italienisch, Französisch, Spanisch aber auch Rumänisch), sondern genauso Englisch: überall, wo einst die Römer herrschten, hinterließen sie auch sprachliche Spuren, die sich in einer Unzahl eigentlich lateinischer Worte auch in Englisch niederschlagen. So verstehe ich zwar kein Wort französisch, weil ich mit deren Aussprache nicht klarkomme, kann aber relativ problemlos französische Zeitungen mindestens verstehen, weil so viel im Französischen lateinischen Ursprungs ist, und mit italienisch ist es nicht anders.

Moderne Wissenschaftsterminologie

In der Sprache der Wissenschaftler, gleich welcher Muttersprache sie sind, gilt das noch viel mehr, denn eine Menge der wohlklingenden Begriffe, mit denen Wissenschaftler Unwissende von ihrem Fach fernhalten wollen, sind oft lateinischen Ursprunges. So ist eine Erklärung der Wirklichkeit bei den Soziologen eine Realexplikation, ein Begriff, den der Unkundige erst nachschlagen muß, den der Lateiner aber sofort versteht. Der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur erschließt sich dem Altsprachler also viel leichter, oder das Lernen ist produktiver, weil einmal Gelerntes in vielen Zusammenhängen nützlich ist.

Ein böser Verdacht

Das alles bringt mich zu einem Verdacht, der dem derzeitigen Schulsystem dieses Landes wenig schmeichelt, sollte er sich bewahrheiten. Denn unser Transeamus-Beispiel hat gezeigt, daß Latein nur dem hilft, der Transferfähigkeit besitzt, der also, wie im Beispiel gezeigt, die Brücke vom Weihnachtslied zur Elektronik oder Betriebswirtschaft schlagen kann. Sprachen werden seit den 70er Jahren aber selbst im Erwachsenenunterricht immer mehr induktiv und immer weniger deduktiv gelehrt, also durch Nachsprechen und Auswendiglernen statt durch Lernen und Einüben der Grammatik und Vokabeln und durch Erkennen und Verstehen von Ähnlichkeiten. Manche Sprachlehrer versuchen gar ganz auf Grammatik zu verzichten, und erst Recht auf Herkunftslehre: „Transistor“ und „transistorisch“ erscheinen im Geist des Lernenden dann als selbständige Einheiten, und nicht mehr als zwei Erscheinungsformen derselben, nur einmal zu lernenden Grundtatsache („transire“).

Fundamentale Defizite

Es wundert nicht, daß daher auch immer mehr Lernende nicht mehr fähig sind zu erkennen, daß ein Ergebnis von 20% in einer Rechnung und 1,2 in einer Anderen in ihrer Funktion dasselbe sein könnten, nämlich Kalkulationsfaktor und Zuschlag, beide geeignet zur Vollkostenrechnung: es wird nur noch auswendig gelernt, nicht mehr verstanden. Während die Induktivmethode für den Sprachunterricht bei Jugendlichen oder Erwachsenen nämlich untauglich ist, und das Erlernen einer Fremdsprache erheblich erschwert, dient sie im theoretischen Unterricht dem Fördern des Erkennens von Zusammenhängen, dient also dazu, Erkennen und Fähigkeiten aus grundlegendem Wissen auszubilden. Auch wenn also solche Zahlenbeispiele mit Latein nichts zu tun haben, so würde ein im Kindesalter begonnener grundlegender Lateinunterricht, gefolgt von deduktiver Vermittlung moderner Sprachen wie Englisch oder Französisch, doch das diesbezügliche Denkvermögen massiv fördern – und zwar auch in ganz anderen Bereichen. Latein ist damit eine Art studium generale fürs Leben, denn vitae sed scholae discimus, nicht für die Schule sondern fürs Leben lernen wir. Es erhebt sich die Frage, weshalb man dieser an sich simplen Einsicht nicht folgt und immer mehr für die Katz lernt?

Verdeckte Absicht

Konnte man die gleichmacherischen Gesamtschulexperimente der Sozialdemokraten vor 30 Jahren („Mengenlehre“ statt Einmaleins) noch dem Versuch einer Kulturrevolution im damaligen Westen zuordnen, so sollte man überlegen, wer heute von solchen Zuständen profitiert. Und hier drängt sich der Verdacht auf, daß ein nicht mehr selbst denkender Bürger dem Politiker durch weniger Kritik und mehr Ruhe entgegenkommt. Auch politische Zusammenhänge können nämlich verdeckt sein, beispielsweise der zwischen Klimahysterie und Finanzwirtschaft. Je weniger hier mitgedacht wird, desto mehr Macht können die Politiker ausüben und desto weniger Widerstand haben sie zu erwarten. Kein Wunder also, daß von Bildung nur schwadroniert wird, dafür aber auf Euro komm raus gekürzt und gekappt wird. Ruhe ist erste Bürgerpflicht, und die Umgestaltung des Bildungswesens soll dies befördern – im Untertanenstaat, heute wie einst im alten Preußen, nunc et sempre…

28.05.2008

Diplomprüfung: gute Anfänge trotz schlechter Voraussetzungen

Gespeichert unter: Harry's log, Prüfung — Harry Zingel @ 10:34
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Alle Jahre wieder werden im Frühling an einer wohlbekannten, gleichwohl an dieser Stelle ungenannten akademischen Lehranstalt die Diplomthemen ausgegeben. Jetzt, einen Monat danach, ist die Sache in vollem Gange. Die Studis schreiben und ich fahre, denn ich besuche fast alle Studienteilnehmer in ihren Betrieben, mir die Sache mal ansehen und persönlich Tips für den Diplomerfolg geben. Solche Hausbesuche sind vom Lehrauftrag weder verlangt noch werden sie bezahlt, gleichwohl aber hochgeschätzt. Und es zeigen sich die ersten ausgezeichneten Ansätze, trotz nicht unbedingt optimaler Ausgangsbedingungen.

So wurden die Studienteilnehmer nicht auf die Härten des elektronischen Lebens vorbereitet. Office-Schulung? Fehlanzeige. Access, Excel, VBA? Woher denn… Datenbankprogrammierung? Nicht die Bohne… viele kämpfen daher noch in der Diplomarbeit noch mit elementaren Problemen. Eine Lücke im Lehrplan, und zwar eine riesengroße. Und auch sonst war das Studium eher eine Sendung ohne Maus. Wir verpassen den Anschluß und merken es nichtmal. Sowas gibt es wohl nur noch in Deutschland.

Immerhin wissen die Studis selbst ganz gut, wo es langgeht: schon letzte Woche habe ich einige ganz ausgezeichnete Anfänge gesehen, und auch gestern landete der Anfang einer sehr guten Diplomarbeit in meiner Mailbox. Der große Vorteil dieses Studienganges ist die Praxisnähe, denn alle Studis sind zugleich in Betrieben angestellt. Das erspart ihnen den Praxisschock, der manche Universitätsstudenten gleich nach ihrer examensbedingten Vertreibung von der akademischen Spielwiese hart am Boden der wirtschaftlichen Realitäten trifft. „Meine“ Studis sitzen nicht im Elfenbeinturm, sondern im Büro. Letzte Woche sogar in dem des Geschäftsführers, ein Zeichen für die Hochschätzung der angehenden Absolventen oder nur Platzmangel? Vor einigen Jahren hatte ich in dieser Hinsicht die Sternstunde: ein erfolgreicher Absolvent machte sich mit seinem Chef zusammen selbständig – in Konkurrenz zum bisherigen Arbeitgeber. Eine Ausgründung, über die die Konzernmutter sich nicht gefreut hat, und eine erfolgreiche: der Betrieb besteht heute noch. Ein Erfolgserlebnis auch für mich als Dozenten und Prüfer.

Trotz nichtoptimaler Finanzierung und bisweilen schlechter materieller Ausstattung kann die Bildung in Deutschland funktionieren. Ohne Experimente und mit wenig Geld kann man den Leuten und der Wirtschaft nützen. Der tägliche Kampf ist nicht umsonst. Das stimmt mich froh. Und es zeigt, daß die Eigeninitiative noch immer über alle Förderprogramme und Rechtsvorschriften siegt. Die, die es wirklich wollen, schaffen es auch. Ganz gleich, wie die formalen und finanziellen Voraussetzungen sind. Der Wille siegt über das Sein, der Geist über die Welt. Jede starke Seele findet unfehlbar, wonach sie wirklich sucht. Das ist der Kern der Sache…

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