Harry Zingel’s BWL-Weblog

07.07.2008

Bestehensquoten in IHK-Prüfungen: Nepper, Schlepper, Bauernfänger…

Die Erfolgsquote im Finale ist eines der größten Werbeargumente von Bildungsorganisationen, denn letztlich wollen alle doch nur das eine: den finalen Prüfungserfolg. Das gilt auch für IHK-Prüfungen, auf die eine bunte Lernökologie einer Vielzahl von Bildungsfirmen vorbereitet. Leider gibt es auch in diesem Nest einige faule Eier.

So wird bisweilen vollmundig mit Bestehensquoten zwischen 80% und 100% geworben oder gar behauptet, die Kammer selbst habe angerufen und einem bestimmten Veranstalter zu phänomenalen Ergebnissen gratuliert. Wer sich für einen Lehrgang mit IHK-Prüfungen interessiert, sollte spätestens bei solchem Wortgeklingel mißtrauisch werden, denn hier gibt es ein klitzekleines Problem: die Kammern teilen keine Einzelergebnisse mit. Schon gar nicht einzelnen Bildungsveranstaltern, nur einzelnen Teilnehmern.

Zwar gibt es Statistiken, die einzelne Kammerbezirke insgesamt betreffen (Beispiel: IHK Köln), aber nirgendwo Daten hinsichtlich einzelner Bildungsanbieter. Und das ist nichtmal eine Frage des Datenschutzes: die Kammern wissen nämlich meist gar nicht, wo jemand herkommt. Sie kennen zwar in der Regel die Arbeitgeber der Leute, aber nicht notwendigerweise die Anbieter des vorhergegangenen Lehrganges.

Die Anbieter können ihre eigenen Bestehensquoten also nur durch Teilnehmerbefragungen ermitteln, d.h. die Teilnehmer müßten nach der Prüfung einen Statistikbogen ausfüllen. Das tun erfahrungsgemäß wenige. Ein anderer beliebter Trick, ist Bestehensquoten anzugeben aber zu verschweigen, bei wie vielen Anläufen diese erzielt wurden: haben von einem Lehrgang 80% der Teilnehmer letztendlichen Erfolg, so bedeutet das nichts, wenn es kaum jemand im ersten Anlauf geschafft hat. Auch das ist aber eine beliebte Werbelüge: zu verschweigen, wie viele Versuche, und wie viele Prüfungsgebühren, es normalerweise kostet.

Je vollmundiger und zahlreicher die Sprüche, so die einfache Wahrheit, desto mißtrauischer sollte man sein – will man nicht von einem unseriösen Bildungsanbieter über den Tisch gezogen werden.

Ach ja: auch sonst gelten die Grundregeln unseriöser Werbung. Versteckt ein deutscher Anbieter seine angeblichen Erfolgsquoten bei dubiosen US-Providern wie scribd.com, wo sie schwerer dem deutschen Wettbewerbsrecht zugänglich sind, dann ist das ein sicheres Zeichen, daß man davon die Finger lassen sollte. Gleiches gilt übrigens für Postings in kurzlebigen Blogs ohne Impressum. Wer bei so einem Anbieter unterschreibt, stellt einen Antrag auf Streß.

27.06.2008

Der frühe Gockel, oder was ein »Geprüfter Betriebswirt« wert ist

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 3:28
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Während heute zwischen Halbfinale und EM-Endspiel viele aus dem Rausch kaum herauskommen, bevorzugt der BWL-Bote eher Wein, Weib und Gesang (in der Reihenfolge) statt Bier, Mann und Gegröhle (in jeglicher Anordnung). Das sind gute Rahmenbedingungen, sich den Kopf der heute möglicherweise nicht immer voll IHK-Betriebswirte über Karrierestrategien und den Wert des Abschlusses an sich zu zerbrechen, denn diese Debatte taucht kürzlich im Forum auf. Was also ist ein IHK-Abschluß am Arbeitsmarkt wert?

Die Bewertung eines Abschlußzeugnisses ist eine Markteinschätzung, wie die jedes immateriellen Wirtschaftsgutes. Hier fällt auf, daß einige Personalverantwortliche die IHK eher abwertend betrachten („IHK-Niveau“), andere aber zunehmend mit Anerkennung davon sprechen, was in diesen Prüfungen alles verlangt wird. Meiner Beobachtung nach sind Negativurteile eher über Erstausbildungen zu hören und eher von Leuten, die keine IHK-Prüfung selbst bewältigt haben. Wer eine Kammerprüfung selbst überstanden hat, insbesondere eine Fortbildungsprüfung wie Bilanzbuchhalter, Geprüfter Betriebswirt/IHK oder Geprüfter Technischer Betriebswirt der weiß, wie heftig das sein kann. Die Neufassung der diversen Prüfungsordnungen, denen im kommenden Jahr die Bilanzbuchhalter folgen sollen, könnte eine gezielte Strategie der IHK zu Erhöhung des Marktwertes ihrer Zertifikate sein.

Unseriöse 22-Tage-Angebote fördern ferner die Ablehung der IHK-Zertifikate. Wir haben schon dargestellt, weshalb solche Spaßangebote im Bildungsbetrieb auch die Teilnehmer und Anbieter schädigen, die mit dem Ibiza-Betriebswirt gar nichts zu tun haben.

In einem Arbeitsverhältnis, also im Rahmen eines Gefolgschaftsverhältnisses, hängt der eigene Erfolg weiterhin stets auch vom Nutzen für andere ab. Doch nicht nur Politiker wollen die Menschen dumm und arm halten, auch Arbeitgeber versuchen dies mit ihren Arbeitnehmern. Sie wünschen daher keine Fortbildung ihrer Mitarbeiter, weil dies zusätzliche Lohnforderungen begründen und die eigene (oftmals dünne) Kompetenz bedrohen kann. Wer seinen Abschluß u.U. sogar gegen den Willen des Arbeitgebers gemacht hat, sollte sich hernach möglichst einen anderen Arbeitgeber suchen. Das ist jetzt ja angeblich nicht mehr so schwierig – falls der Aufschwung nicht doch mit der Bahn kommt.

Nicht unwichtig sind natürlich auch die eigenen Defacto-Qualifikationen, denn Papiere dienen oft nur der Risikoabsicherung des Personalers. Der macht alles richtig, und schützt damit seinen eigenen Schreibtisch, wenn ein eine Stelle mit der Person besetzt, die die formal richtigen Dokumente auf den Tisch legen kann. Ob der dann aber auch wirklich der Richtige ist, zeigt sich oft erst nach einer Weile – wenn beispielsweise gerade die gesuchten Fähigkeiten geboten werden. Traditionell erhöht sich der Marktwert eines Kaufmannes durch technische Fähigkeiten und eines Technikers durch kaufmännische Kompetenz, denn beides ist noch immer weithin geschieden. Aber da immer mehr Abläufe digitalisiert werden sollte der angehende Absolvent sich frühzeitig um Digitalkompetenz bemühen, denn daran mangelt es auch zu Zeiten von Windoofs Vista noch immer vielerorts. Wer jedenfalls schon in der Studienarbeit solche Fehler macht und auch mit Datenbanksystemen und Programmiersprachen keine kaufmännischen Probleme abbilden kann, verbaut sich lukrative Betätigungsfelder im Dunstkreis von Microsoft® Navision® oder SAP® R/3.

Schließlich sind, auch das sollte man anmerken, IHK-Abschlüsse kaum etwas für Selbständige, denn die müssen Dinge können aber meist nicht dokumentieren. Mein eigenes Universitätsdiplom aus dem Jahre des Heils 1988 ruht sanft im Frieden einer dunklen Ledermappe, aus der es nie entsteigt, weil keiner die eigentlich ausgezeichneten Noten darauf sehen will, denn ich habe viele Verhältnisse aber kein Arbeitsrechtsverhältnis. Ich muß als Selbständiger nichts beweisen. Dafür bin ich (als Vorturner… eh, freier Dozent) der, der fristlos fliegt, wenn meine Verkäufertruppe keine Lust hat, die Prozentrechnung zu lernen.

Natürlich kann man zur Abwechslung auch mal versuchen, positiv zu denken. Das ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage für Betriebswirte gewiß nicht einfach, besteht aber auch für diese im Schreiben von Initiativbewerbungen möglichst schon vor Erreichen des begehrten Beleges erfolgreichen Lernens, denn man kann auf diese Weise seinen eigenen Marktwert testen – und bei Erfolg den bisherigen Arbeitgeber unter Druck setzen. Es wird ja immer wieder behauptet, daß das jetzt besser als früher gehe, aber es erfordert in aller Regel eines: Mobilität. In einer globalisierten Wirtschaft wird gerade von Technikern geographische Beweglichkeit verlangt: Dubai würde kaum ohne deutsche Techniker funktionieren, und zwischen Shanghai und Pudong gäbe es keinen Transrapid. Wer also bereit ist dahin zu gehen, wo Genehmigungsverfahren deutlich weniger als 24 Jahre dauern, der endet also nicht in Stuttgart Obrigheim, und überhaupt nicht in Deutschland, wohl aber u.U. in der Kerntechnik, die nämlich im Rest der Welt überall ausgebaut wird. Wer aber durch Haus und Hof am Ort gebunden ist, verringert seinen Marktwert drastisch. Jedenfalls im Arbeitsverhältnis.

„Der frühe Gockel“, so (oder so ähnlich) weiß ein altes Sprichwort, „kriegt den Sex“. Das gilt auch für IHK-Abschlüsse, denn an sich sind die gar nix wert. Sie haben nur einen Marktwert, und wenn der Markt nix (mehr) wert ist, dann kommt der Kammerpreisträger eben zu einem wertvolleren Markt. Bayern oder Beijing, Bonn oder Bombay – wer das kann, der macht was draus. Wer es nicht kann, der bleibt und schreibt. So einfach ist das: Wettbewerb endet nicht mit dem Zertifikat, sondern beginnt da erst. Selbst im ordnungsgemäß betonierten deutschen Arbeitsmarkt…

01.06.2008

IHK-Fortbildungen: warum bestehen kaum die Hälfte der Teilnehmer?

In Fortbildungen wie „Geprüfter Betriebswirt“ oder „Geprüfter Technischer Betriebswirt“, die derzeit die höchsten Abschlüsse darstellen, die die Industrie- und Handelskammern anzubieten haben, bestehen bisweilen gerade mal die Hälfte der Teilnehmer am Ende auch die Prüfung. Das mag damit zu tun haben, daß diese beiden Lehrgänge auf Master-Niveau plaziert werden sollen, also die Prüfungen deutlich heftiger werden. Man sollte sich aber von hohen Durchfallerquoten nicht schrecken lassen, denn man hat es weitgehend selbst in der Hand, was am Ende herauskommt.

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Am Fuß der Treppe zum Erfolg: Hinweise zur langfristigen Prüfungsvorbereitung

Eine gute Prüfungsvorbereitung beginnt keinesfalls erst, wenn das Finale schon in Sichtweite gekommen ist. Sie beginnt schon, wenn überhaupt nur über die Möglichkeit, sich dem Finale zu stellen, nachgedacht wird. Das ist viel früher – in aller Regel schon am Beginn der eigentlichen Lehrveranstaltung. Wer also diesen Sommer oder Herbst mit einem neuen Lehrgang beginnen will, sollte die nachfolgenden Ratschläge beherzigen.

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