Harry Zingel’s BWL-Weblog

27.06.2009

Beitrag zur Zinstheorie, Entwurfsversion

Im Forum für Betriebswirtschaft gab es kürzlich eine Reihe von Debatten über Zinstheorie. Diese hängen mit der Kosteneigenschaft (oder Nicht-Kosteneigenschaft) von Schuldzinsen, der Bemessung des kalkulatorischen Risikos und der Berechnung der kalkulatorischen Verzinsung zusammen. Am 6. Juli wird zu diesem Thema ein umfangreicherer Artikel im BWL-Boten erscheinen. Das zugehörige Paper mit meinen Thesen und den zugehörigen Begründungen ist vorab online gestellt worden. Wer an der Debatte teilnehmen will, klickt hier (PDF, 173k, druckbar):

Mindestrentabilität und die Grundgedanken der Zinstheorie

Mindestrentabilität und die Grundgedanken der Zinstheorie

Die herunterladbare Datei ist wie üblich geschützt, aber unbeschränkt druckbar.

Der Artikel ist allgemein über die Titelseite des Boten am 6. Juli verfügbar. Bitte vorab im Forum oder per eMail kommentieren; es können sich bis zum Erscheinen noch Änderungen ergeben.

Zu dem Thema stehen weitere Publikationen unmittelbar bevor. Die Drucker sind dem Vernehmen nach mit ihrer Arbeit schon fertig ;-) Bekanntgabe voraussichtlich am 7. oder 8. Juli.

Harry

17.04.2009

Bilanzrechtsmodernisierung: Gesamtübersicht veröffentlicht

Ich freue mich, jetzt eine Gesamtübersicht zu den Änderungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) am Einzelabschluß vorlegen zu können. Das Material ist kostenlos für alle und darf selbstverständlich in Seminaren und Lehrveranstaltungen verwendet werden, wenn der Urheberrechtshinweis nicht entfernt wird.

Das neue BilMoG-Skript

Das neue BilMoG-Skript

Das neue Material bietet eine Übersicht über die wichtigsten Reformthemen des BilMoG, enthält eine Darstellung der wichtigsten einzelnen Rechtsänderungen und Anpassungen und bietet eine Übersicht über die geänderten Paragraphen. Die einzelnen Reformen werden mit Kontierungs- und Zahlenbeispielen illustriert, was das Verständnis erleichtert oder oft erst ermöglicht (z.B. beim neuen §254 HGB, den man abstrakt kaum verstehen kann).

Die Übersicht führt damit in die einzelnen Handlungsfelder ein und bietet einen Einstieg in die notwendigen Änderungen im betrieblichen Rechnungswesen.

Download in http://www.bwl-bote.de/pdf/20090422.pdf möglich.

Mehr Inhalte zum BliMoG finden sich im BWL-Boten und auf der BWL CD.

(Harry Zingel)

24.03.2009

Überraschung: Anruf von Microsoft!

Gespeichert unter: BWL CD, Harry's log — Harry Zingel @ 3:51
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Vor einigen Tagen haben wir an dieser Stelle über ein technisches Problem im Zusammenhang mit dem Microsoft® Internet Explorer® berichtet. Wird die BWL CD auf die Festplatte geladen, was empfehlenswert ist, dann muß bei jedem Start der CD, und beim Start einer Vielzahl von Einzelelementen, die Ausführung aktiver Elemente jeweils separat durch den Leser zugelassen werden, was auf Dauer sehr entnervend ist. Das Problem ist auch in diesem Artikel beschrieben, der gleichwohl noch gar nicht erschienen ist.

Jetzt hat ein Microsoft-Mitarbeiter mich über dieses Problem angerufen, und Hilfe angeboten ohne daß ich von meiner Seite aus Microsoft kontaktiert hätte. Anscheinend liest man auch bei Microsoft Deutschland diesen Blog (und den BWL-Boten).

Offenbar sind bei Microsoft Teams von Mitarbeitern damit beschäftigt, die Berichterstattung über den neuen Internet Explorer zu beobachten und auf Probleme zu reagieren. Hiervon bin ich sehr positiv überrascht – zumal die ganze Aktion nichts (!) zu kosten scheint. Ich hätte nicht mit diesbezüglicher Aufmerksamkeit gerechnet. Man will das Problem einem Techniker vorlegen. Wenn sich dabei eine Lösung findet, mache ich die selbstverständlich an dieser Stelle und im BWL-Boten publik.

19.03.2009

Internet Explorer 8: keine (neuen) Probleme

Gespeichert unter: BWL CD, Harry's log — Harry Zingel @ 7:52
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Nachdem Microsoft® heute den neuen Internet Explorer® Version 8 auf die Welt losgelassen hat, haben wir natürlich sogleich einen Rechner damit infiziert und die bekannten Webseiten und insbesondere die BWL CD damit getestet. Dabei ist eine gute und eine Schlechte Nachricht zustande gekommen:

Die gute Nachricht ist, daß alles völlig ohne Probleme läuft. Alle Elemente erscheinen und sehen aus wie erwartet. Die zuvor installierten Plugins (PDF, SWF) wurden übernommen und funktionieren. JavaScript läuft. Der Seitenaufbau ist in der Tat erfreulich schnell.

Die schlechte Nachricht ist, daß alte Fehler und störende Eigenschaften weiter bestehen. Insbesondere werden bei jedem (!) Aufruf von einem festinstallierten Datenträger Skripte blockiert und müssen manuell aktiviert werden. Es scheint, daß dies nach wie vor nicht abgeschaltet werden kann. Daß macht die CD-Nutzung mit dem neuen Internet Explorer so nervig wie mit dem alten.

Es bleibt also eine Empfehlung: verwenden Sie weiterhin den Firefox. Zumindestens auf den ersten Blick gilt dieser Rat fort.

Wir sammeln jetzt erste Erfahrungen und dann erscheint ggfs. ein Artikel im BWL-Boten. Mal sehen…

18.03.2009

Terminplanung bis Juli abgeschlossen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung, Harry's log — Harry Zingel @ 12:50
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Liebe Auftraggeber,

ich freue mich mitteilen zu können, daß meine Terminplanung bis Juli dieses Jahres abgeschlossen ist. Erst frühestens gegen Mitte Juli sind wieder weitere Aufträge mit fester Terminplanung möglich.

Sie finden meinen aktuellen Einsatzkalender auf der Zingelseite oder direkt hier.

Bitte beachten Sie, daß dieser Plan nur Aufträge mit Präsenzterminen wie z.B. Arbeiten in Unternehmen zu fest vereinbarten Terminen enthält. Programmier- oder Buchprojekte gehen aus diesem Plan nicht hervor. Wegen vieler anderweitiger Verpflichtungen dürfen nur zwei oder maximal drei Tage pro Woche mit Präsenzterminen belegt werden. Wir rechnen im Sommer mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG). Das wird zu erheblichen zeitlichen Einschränkungen führen.

13.12.2008

Zwangsversicherung: nicht die Versorgung der Kranken, sondern die Beraubung der Gesunden…

Mit der Einführung des Gesundheitsfonds zum Jahreswechsel wiederholt die Regierung alte Fehler. Anstatt das schon jetzt bankrotte System endlich von Grund auf zu reformieren, wird es noch planwirtschaftlicher, noch versteinerter und noch ungerechter. Die Kosten für den „Versicherten“ explodieren aber die Leistungen schrumpfen. Nur eines wird verbessert: die Beraubung der Gesunden. Doch wer heute den Kopf in den Sand steckt, der knirscht morgen mit den Zähnen:

Ungleicher Lohn

Schon in seinen elementaren Grundstrukturen ist das System zutiefst ungerecht, nämlich in der Ungleichheit, die es erst erzeugt. Eine Krankheit ist dieselbe, ganz egal, wer sie hat. Warum aber kostet die Behandlung einen wenig, den anderen aber viel? Was hat das Einkommen des Zwangsversicherten mit dem Wert seiner Behandlung zu tun? Dieselben Geister, die sich – mit Recht! – über niedrigere Löhne trotz gleicher Arbeit für Frauen oder Ostdeutsche erregen, stören sich nicht daran, daß Zwangsversicherte für die gleiche Leistung so drastisch unterschiedlich bezahlen müssen. Deutlicher kann man den ideologischen Charakter der Gleichheitsdebatte kaum zeigen.

Kein Solidarsystem

Dennoch wird mit altersstarrsinniger Penetranz argumentiert, daß dies eine Solidargemeinschaft sei, in der die wirtschaftlich starken die Geringverdiener finanzieren. Eben das ist aber nicht wahr, denn das einzige, was an dem System seit Jahrzehnten verbessert wird, ist die Beraubung der Gesunden. Die Versorgung der Kranken wird kontinuierlich schlechter, auch die der ökonomisch Schwachen. Die haben nämlich am meisten unter der Rationierung zu leiden, denn sie können nicht selbst nachkaufen, was die teure Versicherung ihnen nicht mehr gibt. Verknappungen von Leistungen verschärfen daher die Ungerechtigkeit.

Kostenexplosion ohne Gegenleistung

Das gilt besonders für den kommenden Jahreswechsel, denn der neuerlichen Kostenexplosion steht absolut keine Leistungsverbesserung gegenüber. Die Zwangsversicherten zahlen wiederum mehr, aber nur die Transaktionskosten des Gesundheitsfonds. Oder, klarer ausgedrückt: ein, zwei Prozent des Einkommens nur für die Geldverteilung. In der Summe sind das Milliardenkosten – denen keine wahrnehmbare Gegenleistung gegenübersteht, nur ein bürokratischer Wasserkopf. Wären die Gebühren einer Bank so extrem hoch, bräche ein Sturm der Empörung los. Bei den Zwangskassen stört das anscheinend niemanden.

Rationierung, Kürzung, Verknappung

Dabei werden inzwischen längst auch die Ärzte rationiert, und kaum noch einer der Götter in Weiß hat seine Motoryacht im Mittelmeer, so wie vielleicht noch vor 20 oder 30 Jahren: Überschreiten die Ärzte ihr Budget, so arbeiten sie nämlich für lau. Und versicherte Patienten zahlen die teuersten Akte selbst, etwa Brillen oder Zahnersatz. Da nämlich wurde längst totalrationiert. Wofür so eine „Versicherung“ dann überhaupt gut ist, das verschließt sich mir. Selbst mit Krankheiten wie Malaria oder Diabetes Mellitus kann man weitaus günstiger wegkommen, wenn man nur den monatlichen Zwangsbeitrag in eine sichere Kapitalanlage steckt. Kaum eine „Versicherung“ hat eine dermaßen negativen Erwartungswert wie die Krankenversicherung: und das gilt auch für die medizinischen Dienstleister, wie der oftmals schlechte bauliche und apparative Zustand vieler Versorgungseinrichtungen beweist. Wo ist eigentlich das viele Geld der „Versicherten“ hin?

Angst vor der Konkurrenz

In anderen Bereichen, auch im Versicherungsgewerbe, hat der Versicherte bessere Karten: er kann mit einschlägigen Internet-Plattformen Beitragsvergleiche anstellen und sich die für ihn optimale Leistung heraussuchen. Das aber soll im Bereich der Zwangskrankenversicherung anscheinend nicht sein: hier wird schon seit Jahren durch den Risikostrukturausgleich der Wettbewerb ausgehebelt. Jetzt kommt der Einheitsbeitrag für alle hinzu, ein Sozialismus reinsten Wassers. Warum haben die Gesundheitspolitiker solch eine panische Angst vor dem Wettbewerb – wo die Grundvoraussetzung für funktionierende Konkurrenz doch gegeben wäre, denn es bestehen in Deutschland hunderte und in Europa Tausende von Krankenkassen, wir haben also schon ein polypolistisches Angebot? Haben wir nicht schon ausreichend Erfahrung mit sozialistischen Experimenten? Gewiß, wer aus der Geschichte nichts lernt ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Aber wie viele Jahrzehnte dauert es und wie viele Menschenleben kostet es, bis wir das derzeit errichtete planwirtschaftliche Kollektivsystem endlich abschaffen?

Die Ungerechtigkeit im System

Denn die Ungerechtigkeit steckt im System, wie bei allen kollektiven Zwangssystemen: wer eine der diversen Einkommensgrenzen gerade so überschreitet, also mit Mühe und Berufsrisiko sein Einkommen über die zahlreichen Härtefallgrenzen hebt, bekommt oft nichts mehr, wo sonst die Härtefallregelungen greifen: Leistung wird bestraft, auch hier. Wer nicht arbeitet, wird oft besser versorgt als ein Berufstätiger. Besonders schlimm: ein Zahnarzt berichtete mir, daß dies besonders Ausländer betreffe, die vom System profitieren. So fördert das Zwangsversicherungssystem indirekt auch noch Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit. Wollen wir das wirklich?

Die zugrundeliegende Ideologie

Hinter dem ganzen Desaster steckt die Ideologie, daß man einen Anspruch auf etwas habe, schon weil es vorhanden ist. Neue Medikamente und neue ärztliche Methoden kosten Geld, aber nur deshalb so viel Geld, weil Pharma-Industrie, medizinische Dienstleister und Krankenkassen sich am zwangsversicherten Patienten nach Belieben bedienen können. Ärzte können ihre Patienten zu Kollegen schicken, damit die auch noch was verdienen, und kein Patient profitiert gegen die offenbar gute Versorgung. Pharma-Konzerne verstecken AIDS-Medikamente hinter Patentansprüchen und verdienen sich ebenso eine goldene Nase wie Raubkassen, die ihre Kunden auf dem Silberteller serviert bekommen. Das System ist, in einem Wort, bankrott und korrupt. Wir müssen es radikal abschaffen; reformiert werden kann es nicht mehr.

Huhn und Ei verwechselt

Es gebe, so argumentieren die Verfechter des Zwangssystems, zu viele Alte und zu wenige Beitragszahler, so daß ein Kollektivsystem zur Versorgung hermüsse. Hier aber werden die Henne und das Ei verwechselt: wir brauchen kein Zwangssystem, weil wir zu wenige Kinder haben, sondern wir können uns keine Kinder mehr leisten, weil uns das Zwangssystem schon ohne Kinder an den Rand der Armut bringt. Das Zwangssystem ist nicht die Folge der deutschen Kinderlosigkeit, sondern eine wesentliche Ursache dafür. Freilich aber auch die Lösung des Problems: wenn aus dem Volk ohne Raum ein Raum ohne Volk wird, dann braucht ein leeres Land bald auch keine Zwangsversicherungen mehr. Das ist traurig, aber wahr. Ein Patriot, und ich meine das ganz unideologisch, sollte gegen kollektive Umverteilungssysteme sein, weil sie das Heimatland beschädigen.

Life, Liberty and the Pursuit of Happiness

Leben, Freiheit und die Suche nach Glück sind die drei Grundrechte in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, und zwar in eben dieser Reihenfolge. Und zwar die Suche nach Glück, kein Anspruch darauf – wie er in den Art. 1 bis 20 Grundgesetz und mehr noch in den noch viel zahlreicheren Grundrechten des zum Glück gescheiterten EU-Verfassungsvertrages niedergelegt ist. Wir müssen den Menschen wieder Selbstverantwortung geben, und unserer FDJ-Kanzlerin klar machen, daß man die Menschen ihr eigenes Leben finanziell gestalten lassen muß anstatt sie ständig zu bevormunden. Das derzeitige Zwangssystem ist aber gerade eine Erziehung zur Unselbständigkeit, weil es riskante und schädliche Verhaltensweisen wie Rauchen, Komasaufen oder Risikosportarten mit sozialer Absicherung bei Absturz belohnt. Wir müssen endlich den Mut finden, die Menschen mit den Folgen ihres eigenen Tuns zu konfrontieren, und das falls nötig mit aller Härte. Nur durch eigene Erfahrung wird man verantwortungsbewußt. Nicht durch gutes Zureden, und schon gar nicht durch die Sozialisierung unnötiger Risiken. In der derzeitigen Krise, um es mit Ronald Reagan zu sagen, ist der Staat nicht die Lösung des Problems, sondern selbst das Problem.

Kein Paradies auf Erden

Das bringt uns zum Ergebnis dieser Analyse: Es gibt kein Paradies auf Erden, auch nicht auf Krankenschein. Genau das ist der Kern der im Wesen noch immer zutiefst marxistischen Ideologie des Zwangsgesundheitssystems: das Paradies auf Erden werden wir aber nicht durch Umverteilung schaffen, so wenig, wie wir die Armen reicher machen indem wir die Reichen ärmer machen. Ungleichheit ist eine Grunderfahrung des Menschen, daran kann kein Kollektivsystem etwas ändern. Außer, daß es alle verarmt. Dieser Form der Gleichheit kommen wir zum Jahreswechsel wieder ein Stück näher. Doch wenn der Sozialist in die Wüste geschickt wird, dann wird der Sand knapp. Wenn die Gesundheitsreform der FDJ-Kanzlerin auf das Volk losgelassen wird, dann müssen wir bald alles selbst bezahlen obwohl wir dann alle Zwangsversichert sind. Wollen wir das wirklich zulassen?

Im Fernsehen

Inzwischen bin ich mit diesem Thema auch schon im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zu sehen gewesen: am 10.12.2008 um 21:15 Uhr in der Sendung »Thüringen Exclusiv«. Zwei Screenschots aus der Sendung:

Harry im Fernsehen

Harry im Fernsehen

Harry im Fernsehen

Harry im Fernsehen

Interessante Links

Dieser Artikel wurde zuerst in http://www.bwl-bote.de/20081210.htm veröffentlicht.

Weitere interessante Links:

11.10.2008

Risikomanagement und Rating: ein Protokoll des Scheiterns

Erst vor etwas über zehn Jahren, am 1. Mai 1998, wurde die Pflicht zur Risikoberichterstattung durch das damalige Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) in den Lagebericht nach §289 HGB geschrieben. Die seither mehrfach erweiterten und verschärften Offenlegungsvorschriften sollten die Corporate Governance in deutschen Unternehmen verbessern und das Handelsrecht an internationale Standards annähern, denn in den IFRS sind Risikomanagement und Risikoberichterstattung schon lange verankert. Doch weniges ist in den letzten Jahren so schiefgegangen wie das unternehmerische Risikomanagement.

Eigentlich sollten durch die Risikoberichterstattung unternehmerische Risiken für den Abschlußleser transparent werden; schon der Name des Gesetzes verriet das. Dies dient dazu, bessere Anlageentscheidungen fällen zu können. So betraf das KonTraG nicht nur die Aktiengesellschaft, und die IFRS gelten für „kapitalmarktnahe“ Unternehmen (§315 a HGB), also für an einer Börse gelistete Unternehmen. Die sind nämlich Gegenstand der Anlageentscheidung von Kapitalmarktteilnehmern. Gerade dort aber hat das Risikomanagement nichts gebracht, nichts außer Kosten und Bürokratie. Dafür werden wir die Geister, die wir riefen, jetzt doch nicht mehr los.

So sind wir jetzt in der wahrlich grotesken Situation, daß Jahresabschlüsse zwar Risikoberichterstattungen enthalten, aber doch jeder Tag an der Börse neue Überraschungen bringt. Und zwar Überraschungen der heftigen Sorte: so hat die EZB am 8. Oktober nach einer Serie von Zinserhöhungen, die zuletzt keiner mehr verstand, sogar die Leitzinsen gesenkt – in einer konzertierten Aktion mit anderen großen Notenzentralbank. Und schon seit einem Jahr werden Milliardenbeträge in den Bankensektor gepumpt. Jetzt ist schon von Verstaatlichung die Rede, und zwar sogar in den USA. Und doch weiß niemand, welche Bank morgen hektisch vor der Pleite bewahrt werden muß, hüben wie drüben auf des Steuerzahlers Kosten. Der nämlich zahlt letztlich für das Versagen von Regelungsgeber wie Unternehmen gleichermaßen.

Dabei hat sich der gefürchtete Domino-Effekt noch gar nicht manifestiert, und Gott möge uns davor behüten. Dafür wurde es durch das Basel II Abkommen spätestens seit seinem Inkrafttreten Anfang 2007 mit dem Kredit wie mit dem Sex: wer am meisten braucht, der kriegt am wenigsten. Und trotz der immer strengeren Vergaberegeln, die schlechte Kreditschuldner weitgehend von der Darlehensgewährung ausschließen, es für die, die es eigentlich nicht brauchen aber billiger machen, wurden so viele faule Kredite in den USA und anderswo gewährt und nachher in Gestalt von ABS-Transaktionen auf den Kapitalmarkt gebracht, daß jetzt das ganze Gebäude einsturzgefährdet ist.

Es ist kaum zu glauben, in welchem Maße all die schönen, bürokratischen Regelungen über Rating und Risikomanagement versagt haben. Außer Spesen nix gewesen: Offenheit im Abschluß schützt vor versteckten Risiken nicht, und diese gibt es jetzt mehr denn je. Dafür ist das jetzt wenigstens offensichtlich: noch vor einem halben Jahr wurde ich nämlich für einen ähnlichen kritischen Artikel im BWL-Boten böse beschimpft. Das dürfte jetzt wohl kaum noch zeitgemäß sein.

25.09.2008

Hermes, der Götterbote, hat sich erholt :-)

Gespeichert unter: Harry's log — Harry Zingel @ 6:16
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Vor einigen Tagen spekulierten wir an dieser Stelle, ob der Götterbote Hermes beim Komasaufen war, oder aus welchem anderen Grund selbst eine Woche nicht zur Zustellung eines Kurierpaketes ausreiche. Inzwischen scheint der Götterbote von seinem Alkoholexzeß genesen: alle bestellten Bücher sind endlich angekommen, und wurden sogleich weitergeschickt. Hoffentlich kommen sie bei den Lesern in weniger als einer Woche an.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch: der Kurierfahrer, der anscheinend doch nicht auf einer Kuh ritt, hat es nicht geschafft, den richtig auf dem Paket stehenden Straßennamen zu finden, sondern den alten, bis vor einem Jahr gültigen Straßennamen gesucht. Hat der Paketdienst keine aktuellen Navi-Karten? Kein Wunder, daß der Fahrer ca. 20 km entfernt von hier endete. Von dort rief er verzweifelt hier an, und meine Frau erklärte ihm den Weg – doch erst drei (!) Werktage später tauchte das Paket endlich hier auf. Beim Zahnarzt unten an der Straße. Hat der Kurierfahrer mit den alten Straßenkarten nicht gewagt, es hier bei uns abzuliefern?

Möglicherweise ist die Post zu billig, oder die Energiekosten sind zu hoch, so daß keine Leistung mehr für den Kunden übrigbleibt. Das jedenfalls war ein Armutszeugnis…

16.09.2008

Die Sendung ohne Maus, oder wie wir den Anschluß mutwillig verpassen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 11:32
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Angeblich werden Milliarden in die Bildung investiert, doch das viele Geld läßt sich bislang kaum blicken. Jedenfalls nicht in der akademischen- und der Erwachsenenbildung. Aber es ist nicht nur ein Problem der Finanzmittel: auch in zeitgemäßere Lehrpläne und angemessene Prüfungen müßte investiert werden, und das ginge ganz ohne Milliarden. Schauen wir mal, wie das gehen könnte.

Legende ist der Tag, an dem mich der leitende Professor einer mir wohlbekannten höheren Lehranstalt, zugleich auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses dabei erwischte, wie ich mit einer Fünfmeter-Verlängerungssteckdose in der Hand auf dem Parkplatz der genannten Institution meinem Auto entstieg. Auf die Frage, was ich denn mit der langen Leitung in der Prüfung wolle erklärte ich wahrheitsgemäß, daß mein Laptop-Computer schließlich irgendwo Anschluß suche. Und prompt gab er also kund und zu wissen, daß Computer in Prüfungen nicht erwünscht seien. Diese seien Sendungen ohne Maus.

Diese Institution, deren Namen oder Standort ich natürlich hier nicht nenne, denn ich bin dort ja seit Jahren Auftragnehmer, vermittelt auch bis heute keinerlei Digitalkompetenz an ihre Studis, die selbst in Diplomarbeiten oft noch die gröbsten Anfängerfehler im Umgang mit der Software machen. CI-Schemata, Programmiersprachen, Datenbanken – alles Fehlanzeige. Aber mehr noch, auch die eigenständige Erarbeitung digitaler Elemente im Rahmen der Diplomarbeit darf offiziell nicht gewertet werden: wer also seine Diplomarbeit auf CD abgibt, oder gar als Teil der Diplomarbeit eine Programmiersprache selbständig erlernt und damit etwas für seinen Betrieb Nützliches herstellt, so wie kürzlich einer meiner Schützlinge aus Bad Salzungen, darf dafür nicht positiv bewertet werden, jedenfalls nicht offiziell: ein anachronistischer Zustand bedenkt man, wie teuer die kundenspezifische Anpassung („customization“) von ERP-Systemen auf dem freien Markt nun mal ist.

Das unzeitgemäße Bild setzt sich in anderen Teilbereichen fort, beispielsweise im Rechnungswesen. Diplomkandidaten einer ganz ähnlichen ebenso öffentlichen Ausbildungsinstitution, die auf FH-Niveau auszubilden beansprucht, könnte ich mit Prüfungsfragen aus IHK-Prüfungen locker kippen. Von internationalem Rechnungswesen haben die nach sechs Semestern noch kein Sterbenswörtchen gehört: die Dozenten lehren nur das HGB, und auch das eher oberflächlich. Selbst die IHK, die gebunden ist nach amtlichen Verordnungen und staatlich abgesegneten Rahmenstoffplänen zu unterrichten, ist da inzwischen viel näher an der Zeit. Ein mittelprächtiger Bilanzbuchhalter steckt seine spätere Führungskraft locker in die Tasche.

Die Globalisierung ist eine Tatsache, ob wir das wollen oder nicht. Wir müssen uns dem also anpassen, und das ist einerseits ein digitaler Vorgang, denn der einzige Ort, wo in den Betrieben heute etwas ohne Computer flüssig erledigt wird, ist die Toilette. Andererseits ist die weltweite Standardisierung des Rechnungswesens ebenfalls ein Faktum, dem wir uns anpassen müssen – schon weil Deutschland wieder mal Exportweltmeister ist, vor China, vor den großen USA, aber immer noch mit altdeutschen Rechnungslegungsvorschriften. Wer die Auszubildenden von heute nicht auf die Zustände von morgen vorbereitet, begeht einen schweren Fehler. Der Wandel muß in den Köpfen beginnen, aber dort ist er noch immer nicht angekommen. Kein Wunder also, daß der Exportweltmeister in Sachen Bildung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt – eben auch im akademischen Bereich.

05.09.2008

Lösung zur Aufgabe über Prozeßkostenrechnung

Vor einigen Tagen haben wir an dieser Stelle eine (neue) Aufgabe zur Prozeßkostenrechnung publiziert. Diese war, wie viele solche Aufgaben, zunächst eigentlich nur für eine bestimtme Seminargruppe gedacht, ist jetzt aber auch allgememein zugänglich veröffentlicht worden.

Jetzt ist im BWL-Showcase die Lösung zu dieser Aufgabe freigegeben worden.

Rein zufällig (?) wurde bei der Gelegenheit gleich eine kleine Aufgabensammlung zur Prozeßkostenrechnung veröffentlicht; die letzte Woche gepostete Aufgabe nebst zugehöriger Lösung befindet sich am Schluß. Weitere Aufgaben, die jetzt eingesehen werden können, reichen von den grundlegenden Definitionen der Prozeßkostenrechnung bis zu komplexen Klausuren-Knallkörpern. Natürlich sind alle Lösungen enthalten.

Wie alle Veröffentlichungen im BWL-Showcase bleibt auch diese Datei nur ca. ein bis zwei Wochen stehen und wird dann durch etwas Anderes ersetzt. Wer diese Aufgabe also sehen will, muß sich ranhalten.

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