Harry Zingel’s BWL-Weblog

30.08.2008

Neue Aufgabe zur Prozeßkostenrechnung

Die Prozeßkostenrechnung steht bekanntlich im Ruf, einfach und übersichtlich zu sein, doch da kann man sich täuschen. Das wissen auch die Aufgabenlyriker der diversen prüfenden Körperschaften, insbesondere der Industrie- und Handelskammern. Die haben Prozeß- und Plankostenrechnung für die Prüfungen in Lehrgängen wie „Geprüfter Betriebswirt“ oder „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ entdeckt und zaubern die knackigsten Knallschoten. Das kann einem Prüfungsteilnehmer den ganzen Tag versauen :-)

Die heute im BWL-Showcase veröffentlichte Aufgabe demonstriert, daß selbst in anscheinend einfachen Verfahren verborgene Härten lauern können. Eigentlich nur für die Prüfungsvorbereitung in einer Seminargruppe hier vor Ort gedacht, wird die Aufgabe auch allgemein bereitgestellt. Jeder mag sich daran versuchen; die Lösung folgt bis ca. Mitte September.

Hilfe und Hinweise gibt’s wie üblich im Forum für Betriebswirtschaft – natürlich kostenlos und für alle.

Dies ist eine vorübergehende Veröffentlichung. Die Aufgabe ist dauerhaft nur auf der BWL CD zugänglich.

Harry

16.08.2008

Geprüfter Technischer Betriebswirt: Lösung zur Aufgabe zur Maschinenrechnung

Für die vor einer Woche an dieser Stelle bekanntgemachte Aufgabe zur Maschinenrechnung ist jetzt im BWL-Showcase auf der Zingelseite die Lösung erschienen. Wer sich also an der sicher nicht ganz trivialen Knallschote versucht hat, kann jetzt sehen, ob er richtig gelegen hat. Wie aus der Lösung ersichtlich, werden in der Aufgabe die wichtigsten statischen und dynamischen Verfahren zu einem komplexen Ganzen zusammengeführt. Die hier angewandten Verfahren und Konzepte bilden den Kern dessen, was erfahrungsgemäß in den Prüfungen „Technischer Betriebswirt“ von den Teilnehmern erwartet wird. Wer damit also Probleme hatte, hat jetzt noch eine Chance, sich bis zur bevorstehenden Herbstprüfung etwas weiter in die Themengebiete einzuarbeiten.

Wie immer werde ich im Forum für Betriebswirtschaft und durch zahlreiche Publikationen im BWL-Boten und auf der BWL CD alle Teilnehmer bei ihrem Bemühen unterstützen.

Die Veröffentlichung im BWL-Showcase ist vorübergehend und dauert bis ca. Anfang September. Die direkte Adresse der jeweils aktuellen Showcase-Publikation ist http://www.zingel.de/pdf/showcase.pdf.

Ach ja: diese Woche kommt hier noch eine Überraschung. Die ist gerade in der heißen Phase. Abwarten…

Harry

09.08.2008

Interne Zinsfußrechnung: seltsame Ergebnisse bei negativen Salden

Ein Teilnehmer im Forum für Betriebswirtschaft hat darauf aufmerksam gemacht, daß unter bestimmten Bedingungen (nämlich bei negativen Zahlungssaldem im Laufe eines Investitionsprojektes) die interne Zinsfußrechnung falsche Ergebnisse produziert (Originalposting). Am Montag erscheint hierzu im BWL-Boten ein Artikel, der gleichwohl jetzt schon eingesehen werden kann. Das Problem wird demonstriert und an zwei Beispielrechnungen anschaulich gemacht. Ich biete in dem Beitrag eine Lösung für das Problem an (Flächenverhältnis der positiven und negativen Salden). Wer Interesse an mathematischen Problemen hat ist gleichwohl eingeladen, den Artikel vor seinem offiziellen Erscheinen zu kommentieren und auf mögliche Fehler hinzuweisen.

Wenn ich mit meiner Vermutung recht habe, gibt es bestimmte allgemeine Rahmenbedingungen, unter denen die interne Zinsfußmethode generell unzuverlässig ist. Die Grenzen dieser Rahmenbedingungen habe ich aber noch nicht allgemeingültig formulieren können.

Na viel Spaß beim Knobeln :-)

Harry

07.08.2008

IHK-Gutachter: Undank ist der Welten Lohn…

Normalerweise lehne ich es ab, außerhalb eines Prüferamtes Prüfungsarbeiten zu begutachten, und das aus gutem Grund. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, daß sowas von den eigentlich berufenen Ausschüssen nicht gerne gesehen wir, denn die fühlen sich übergangen. Es ist auch nicht der einzige Grund, daß ich mich nicht vor Arbeit retten könnte wenn sich herumspricht, daß ich eMail-Support leiste. Nein, das hat auch eine ganz andere Ursache. Schauen wir mal, welche:

Immer wieder schicken mir Leute nämlich mehr oder weniger verzweifelte Anfragen wegen Prüfungen, Klausuren und Projektarbeiten, und kürzlich habe ich mich breitschlagen lassen, ein einziges Mal. Ein Angebot auf Zahlung einer Gebühr habe ich abgelehnt, das wäre mit dem Ehrenamt ohnehin nicht vereinbar, aber eine unentgeltliche Durchsicht und grundlegende Begutachtung zugesagt, und also purzelte eine schriftliche Arbeit in meiner eMail-Box. Die aber hatte es in sich.

So wurden grundlegende Regeln nicht befolgt. Literaturnachweise, Fußnoten, Abbildungs- oder ähnliche Verzeichnisse fehlten völlig, Definitionen und theoretische Grundlagen, aus denen ein Ergebnis hätte erarbeitet werden können suchte man ebenso vergebens. Dafür wurde mit den bekannten Begriffen rein umgangssprachlich hantiert: Kosten, Aufwendungen, Zahlungen – alles dasselbe. In der „wirtschaftlichen Betrachtung“ gibt es keine einzige Berechnung. Und das beste war der Umgang mit der verwendeten Software, der so aussah, als wäre es das erste Mal. Nein, ein PC ist keine Schreibmaschine. Dafür verhackstückte schon ein anderer Druckertreiber die Arbeit, so daß man sie nicht wiedererkannte. Das also faßte ich in einer Mail an die Autorin zusammen und riet ihr dringend davon ab, die Arbeit in diesem Zustand einzureichen. Doch dies hätte ich wohl besser doch nicht gemacht:

Fünf Tage passierte nix und dann kam die Antwort, ich hätte ihr die Zornesröte ins Gesicht getrieben und ich könne sie mal. Sie hätte keinen „Geldscheisser“ (wörtlich zitiert!) „für so einen Schwachsinn“ und überhaupt.

Undank ist der Welten Lohn, das ist offenbar die Lehre, die ich aus diesem Desaster ziehen muß. Schließlich fragt mich wer nach meiner Meinung, hätte ich aus Höflichkeit lügen sollen? Ist nichts wert, was nichts kostet? Sollte ich in Wirklichkeit nicht beurteilen, sondern nur ein schon bestehendes „schlechtes Bauchgefühl“ zerstreuen?

Interessant ist auch die Art und Weise, wie manche Leute meinen, so was erledigen zu können. Es ist eben nicht damit getan, ein paar Seiten zusammenzuschustern: wer den höchsten Abschluß erlangen will, den die Industrie- und Handelskammer zu bieten hat, muß auch was dafür tun. Bei der Projektarbeit schließt das formale, inhaltliche und technische Aspekte ein – was prinzipiell sinnvoll ist, denn in einer mittleren Führungsposition, und auf eine solche zielen die Kammerlehrgänge, muß man heute technisch, formal und inhaltlich einwandfrei kommunizieren können. Das zu trainieren ist Sinn der Projektarbeit. Daß ich hier jemanden mindestens potentiell vor einem Prüfungsdesaster bewahrt habe, scheint indes nicht gut angekommen zu sein.

Immerhin bin ich auch als alter Sack noch lernfähig, und ich habe gelernt, solche Experimente künftig zu unterlassen. Es ist offensichtlich besser, solche Arbeiten nur noch im Rahmen der Ausschußarbeit zu lesen und auch nur dem Ausschuß zu berichten. Dann fällt man zwar ohne Vorwarnugn gleich durch, aber das ist offenbar von Leuten erwünscht, die auf solche Urteile ausfallend reagieren. Vorabbewertungen werden anscheinend nicht geschätzt, jedenfalls nicht, wenn sie negativ ausfallen. Also ist es besser, sie ganz zu unterlassen.

Undank ist der Welten Lohn…

Hinweise zur Abfassung und Präsentation solcher Arbeiten werden aber weiterhin erscheinen, und selbstverständlich stehe ich im Forum für Betriebswirtschaft für Fragen und Probleme aller Art zur Verfügung. Nur halt nicht mehr per eMail.

28.06.2008

Industrie- und Handelskammer: Marketing ist nicht alles…

Betriebswirte gibt es viele, Betriebswirte-Lehrgänge auch. Sie werden von Universitäten, Fachhochschulen und privaten Bildungsfirmen angeboten, und von den Industrie- und Handelskammern. Deren Abschlüsse wie „Geprüfter Betriebswirt“ oder „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ sind jedoch auffällig unbekannt. Personaler kennen oft nichtmal die Bezeichnung, sehr zur Verzweiflung der Absolventen. Was läuft hier schief?

So kann man im Forum für Betriebswirtschaft immer wieder Diskussionen über Wert und Anerkennung der hart erarbeiteten IHK-Zertifikate verfolgen, denn die Prüfungen sind seit der Einführung der neuen Prüfungsordnungen nicht eben leichter geworden. Und auch in ihrer Frühgeschichte haben die Kammerklausuren einen ständigen Anstieg des Härtegrades zu verzeichnen, wie ich versichern kann: ich bin nämlich schon seit 1991 IHK-Auftragnehmer. Ich habe also schon mehr Prüfungen gesehen als mancher Kämmerling selbst.

Ganz offensichtlich versuchen die Kammern, durch schwerere Prüfungen ihre Abschlüsse aufzuwerten. Auch wenn dabei anscheinend inzwischen eine Grenze erreicht wird so begrüßen wir diese Entwicklung doch dem Grunde nach, und begleiten die Aufgabenausschüsse und Textbandautoren zu ihrer Verzweiflung an dieser Stelle immer wieder mit kritischen Berichten zu Fehlern und Unzulänglichkeiten und Prüfungen und Lehrmaterialien. Daß diese Verbesserungswürdig sind heißt aber nicht, daß sie dem Grunde nach schlecht seien. Die kognitive Leistung, die durch eine Prüfung wie „Rechnungswesen“ oder „Finanzierung, Investition, Steuern“ (Geprüfter Technischer Betriebswirt) unter Beweis gestellt wird, ist ganz erheblich. Warum kommen die Kammerabschlüsse dann doch nicht in der Wirtschaft an?

Marketing, wir wissen es, ist nicht alles, aber ohne Marketing ist alles nichts: Das ist etwas, was die Kämmerlinge noch immer nicht gelernt haben. Wer für seine Leistung keine Marktkommunikation betreibt, der wird nicht wahrgenommen – jedenfalls in einem von Universitäten, Fachhochschulen und bisweilen auch recht guten Bildungsfirmen übersättigten Markt. Dabei haben die Kammern als neutrale Institutionen mit großer Wirtschaftsnähe eigentlich eine ideale Ausgangsposition: in keiner Hochschule, und erst Recht in keiner Bildungsfirma, habe ich den Zoll, die Außenwirtschaft und möglichst sogar noch die Bilanzkontrollstelle direkt im gleichen Hause, leichter kann die realitätsnahe Gestaltung einer Lehrveranstaltung kaum gemacht werden. Dennoch kommen die Kammern nicht rüber. Das ist schade, erfordert aber eine Restrukturierung.

Mag die Kammer anderswo hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, im Bildungsbereich ist sie kein Parafiskus. Kammerlehrgänge sind individuell (und nicht aus Beiträgen) finanziert. Sie sind keine Sozialleistung (und schon gar kein Almosen). Die Kammer konkurriert hier mit der privaten Wirtschaft und einer zusehends vielfältigen Lernökologie. Sich dort erfolgreich zu verkaufen erfordert mehr als Flyer und Programmhefte zu drucken. Strategische Bündnisse mit anderen Anbietern, Kooperationen mit Arbeitgebern und die Ausnutzung der kammertypischen Nähe zur lokalen Politik und den kommunalen Honoratioren wären ein Anfang. Den sehe ich vielfach hier in Erfurt, kaum aber in anderen Städten.

Während mir die Hersteller von Damenbinden und Ohrenstäbchen den Gebrauch ihrer Erzeugnisse recht anschaulich während des Abendessens im Fernsehen demonstrieren, sucht man Kammerinserate oder IHK-Werbespots noch immer vergeblich. Selbst eine PR-Kampagne, die Vorurteile wie die Lehrgänge seien steuerfinanziert oder sie wären grundsätzlich wertlos abzubauen helfen, habe ich noch nicht erlebt. Das frustriert als Dozent genau wie als Prüfer. In der Wirtschaft ist „IHK-Niveau“ oft fast ein Schimpfwort, gleichwohl aber nur von denen zu hören, die es nicht selbst probiert haben.

Es bleibt der Schluß, daß man sich bei den Industrie- und Handelskammern noch immer vielerorts am Behördenbetrieb orientiert anstatt an den Prinzipien der Dienstleistungswirtschaft. Kein Wunder daß viele Menschen die Kammern als Gegner wahrnehmen, gleich nach Stadtverwaltung und Finanzamt. Das aber ist wirklich ein Konzept aus dem vorigen Jahrhundert. Ein wenig mehr Innovation und viel mehr öffentliche Kommunikation wäre wünschenswert. Nicht nur von den Dozenten, auch von den Absolventen. Bisher bieten die Kammern eigentlich eine ganz gute Leistung, aber sie können sie nicht verkaufen. Sie können überhaupt nichts verkaufen, doch das Bildungswesen ist keine Armuts- und Verteilungsgesellschaft mehr. Ein Wandel geht vor zwischen IP-Adressen und Internet-Domains, den man auf Kammerfluren noch nicht immer wahrgenommen hat. Das aber wäre höchste Eisenbahn, will die Kammer als Bildungsdienstleister bestehen.

27.06.2008

Der frühe Gockel, oder was ein »Geprüfter Betriebswirt« wert ist

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 3:28
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Während heute zwischen Halbfinale und EM-Endspiel viele aus dem Rausch kaum herauskommen, bevorzugt der BWL-Bote eher Wein, Weib und Gesang (in der Reihenfolge) statt Bier, Mann und Gegröhle (in jeglicher Anordnung). Das sind gute Rahmenbedingungen, sich den Kopf der heute möglicherweise nicht immer voll IHK-Betriebswirte über Karrierestrategien und den Wert des Abschlusses an sich zu zerbrechen, denn diese Debatte taucht kürzlich im Forum auf. Was also ist ein IHK-Abschluß am Arbeitsmarkt wert?

Die Bewertung eines Abschlußzeugnisses ist eine Markteinschätzung, wie die jedes immateriellen Wirtschaftsgutes. Hier fällt auf, daß einige Personalverantwortliche die IHK eher abwertend betrachten („IHK-Niveau“), andere aber zunehmend mit Anerkennung davon sprechen, was in diesen Prüfungen alles verlangt wird. Meiner Beobachtung nach sind Negativurteile eher über Erstausbildungen zu hören und eher von Leuten, die keine IHK-Prüfung selbst bewältigt haben. Wer eine Kammerprüfung selbst überstanden hat, insbesondere eine Fortbildungsprüfung wie Bilanzbuchhalter, Geprüfter Betriebswirt/IHK oder Geprüfter Technischer Betriebswirt der weiß, wie heftig das sein kann. Die Neufassung der diversen Prüfungsordnungen, denen im kommenden Jahr die Bilanzbuchhalter folgen sollen, könnte eine gezielte Strategie der IHK zu Erhöhung des Marktwertes ihrer Zertifikate sein.

Unseriöse 22-Tage-Angebote fördern ferner die Ablehung der IHK-Zertifikate. Wir haben schon dargestellt, weshalb solche Spaßangebote im Bildungsbetrieb auch die Teilnehmer und Anbieter schädigen, die mit dem Ibiza-Betriebswirt gar nichts zu tun haben.

In einem Arbeitsverhältnis, also im Rahmen eines Gefolgschaftsverhältnisses, hängt der eigene Erfolg weiterhin stets auch vom Nutzen für andere ab. Doch nicht nur Politiker wollen die Menschen dumm und arm halten, auch Arbeitgeber versuchen dies mit ihren Arbeitnehmern. Sie wünschen daher keine Fortbildung ihrer Mitarbeiter, weil dies zusätzliche Lohnforderungen begründen und die eigene (oftmals dünne) Kompetenz bedrohen kann. Wer seinen Abschluß u.U. sogar gegen den Willen des Arbeitgebers gemacht hat, sollte sich hernach möglichst einen anderen Arbeitgeber suchen. Das ist jetzt ja angeblich nicht mehr so schwierig – falls der Aufschwung nicht doch mit der Bahn kommt.

Nicht unwichtig sind natürlich auch die eigenen Defacto-Qualifikationen, denn Papiere dienen oft nur der Risikoabsicherung des Personalers. Der macht alles richtig, und schützt damit seinen eigenen Schreibtisch, wenn ein eine Stelle mit der Person besetzt, die die formal richtigen Dokumente auf den Tisch legen kann. Ob der dann aber auch wirklich der Richtige ist, zeigt sich oft erst nach einer Weile – wenn beispielsweise gerade die gesuchten Fähigkeiten geboten werden. Traditionell erhöht sich der Marktwert eines Kaufmannes durch technische Fähigkeiten und eines Technikers durch kaufmännische Kompetenz, denn beides ist noch immer weithin geschieden. Aber da immer mehr Abläufe digitalisiert werden sollte der angehende Absolvent sich frühzeitig um Digitalkompetenz bemühen, denn daran mangelt es auch zu Zeiten von Windoofs Vista noch immer vielerorts. Wer jedenfalls schon in der Studienarbeit solche Fehler macht und auch mit Datenbanksystemen und Programmiersprachen keine kaufmännischen Probleme abbilden kann, verbaut sich lukrative Betätigungsfelder im Dunstkreis von Microsoft® Navision® oder SAP® R/3.

Schließlich sind, auch das sollte man anmerken, IHK-Abschlüsse kaum etwas für Selbständige, denn die müssen Dinge können aber meist nicht dokumentieren. Mein eigenes Universitätsdiplom aus dem Jahre des Heils 1988 ruht sanft im Frieden einer dunklen Ledermappe, aus der es nie entsteigt, weil keiner die eigentlich ausgezeichneten Noten darauf sehen will, denn ich habe viele Verhältnisse aber kein Arbeitsrechtsverhältnis. Ich muß als Selbständiger nichts beweisen. Dafür bin ich (als Vorturner… eh, freier Dozent) der, der fristlos fliegt, wenn meine Verkäufertruppe keine Lust hat, die Prozentrechnung zu lernen.

Natürlich kann man zur Abwechslung auch mal versuchen, positiv zu denken. Das ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage für Betriebswirte gewiß nicht einfach, besteht aber auch für diese im Schreiben von Initiativbewerbungen möglichst schon vor Erreichen des begehrten Beleges erfolgreichen Lernens, denn man kann auf diese Weise seinen eigenen Marktwert testen – und bei Erfolg den bisherigen Arbeitgeber unter Druck setzen. Es wird ja immer wieder behauptet, daß das jetzt besser als früher gehe, aber es erfordert in aller Regel eines: Mobilität. In einer globalisierten Wirtschaft wird gerade von Technikern geographische Beweglichkeit verlangt: Dubai würde kaum ohne deutsche Techniker funktionieren, und zwischen Shanghai und Pudong gäbe es keinen Transrapid. Wer also bereit ist dahin zu gehen, wo Genehmigungsverfahren deutlich weniger als 24 Jahre dauern, der endet also nicht in Stuttgart Obrigheim, und überhaupt nicht in Deutschland, wohl aber u.U. in der Kerntechnik, die nämlich im Rest der Welt überall ausgebaut wird. Wer aber durch Haus und Hof am Ort gebunden ist, verringert seinen Marktwert drastisch. Jedenfalls im Arbeitsverhältnis.

„Der frühe Gockel“, so (oder so ähnlich) weiß ein altes Sprichwort, „kriegt den Sex“. Das gilt auch für IHK-Abschlüsse, denn an sich sind die gar nix wert. Sie haben nur einen Marktwert, und wenn der Markt nix (mehr) wert ist, dann kommt der Kammerpreisträger eben zu einem wertvolleren Markt. Bayern oder Beijing, Bonn oder Bombay – wer das kann, der macht was draus. Wer es nicht kann, der bleibt und schreibt. So einfach ist das: Wettbewerb endet nicht mit dem Zertifikat, sondern beginnt da erst. Selbst im ordnungsgemäß betonierten deutschen Arbeitsmarkt…

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