Harry Zingel’s BWL-Weblog

16.09.2008

Die Sendung ohne Maus, oder wie wir den Anschluß mutwillig verpassen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung — Harry Zingel @ 11:32
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Angeblich werden Milliarden in die Bildung investiert, doch das viele Geld läßt sich bislang kaum blicken. Jedenfalls nicht in der akademischen- und der Erwachsenenbildung. Aber es ist nicht nur ein Problem der Finanzmittel: auch in zeitgemäßere Lehrpläne und angemessene Prüfungen müßte investiert werden, und das ginge ganz ohne Milliarden. Schauen wir mal, wie das gehen könnte.

Legende ist der Tag, an dem mich der leitende Professor einer mir wohlbekannten höheren Lehranstalt, zugleich auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses dabei erwischte, wie ich mit einer Fünfmeter-Verlängerungssteckdose in der Hand auf dem Parkplatz der genannten Institution meinem Auto entstieg. Auf die Frage, was ich denn mit der langen Leitung in der Prüfung wolle erklärte ich wahrheitsgemäß, daß mein Laptop-Computer schließlich irgendwo Anschluß suche. Und prompt gab er also kund und zu wissen, daß Computer in Prüfungen nicht erwünscht seien. Diese seien Sendungen ohne Maus.

Diese Institution, deren Namen oder Standort ich natürlich hier nicht nenne, denn ich bin dort ja seit Jahren Auftragnehmer, vermittelt auch bis heute keinerlei Digitalkompetenz an ihre Studis, die selbst in Diplomarbeiten oft noch die gröbsten Anfängerfehler im Umgang mit der Software machen. CI-Schemata, Programmiersprachen, Datenbanken – alles Fehlanzeige. Aber mehr noch, auch die eigenständige Erarbeitung digitaler Elemente im Rahmen der Diplomarbeit darf offiziell nicht gewertet werden: wer also seine Diplomarbeit auf CD abgibt, oder gar als Teil der Diplomarbeit eine Programmiersprache selbständig erlernt und damit etwas für seinen Betrieb Nützliches herstellt, so wie kürzlich einer meiner Schützlinge aus Bad Salzungen, darf dafür nicht positiv bewertet werden, jedenfalls nicht offiziell: ein anachronistischer Zustand bedenkt man, wie teuer die kundenspezifische Anpassung („customization“) von ERP-Systemen auf dem freien Markt nun mal ist.

Das unzeitgemäße Bild setzt sich in anderen Teilbereichen fort, beispielsweise im Rechnungswesen. Diplomkandidaten einer ganz ähnlichen ebenso öffentlichen Ausbildungsinstitution, die auf FH-Niveau auszubilden beansprucht, könnte ich mit Prüfungsfragen aus IHK-Prüfungen locker kippen. Von internationalem Rechnungswesen haben die nach sechs Semestern noch kein Sterbenswörtchen gehört: die Dozenten lehren nur das HGB, und auch das eher oberflächlich. Selbst die IHK, die gebunden ist nach amtlichen Verordnungen und staatlich abgesegneten Rahmenstoffplänen zu unterrichten, ist da inzwischen viel näher an der Zeit. Ein mittelprächtiger Bilanzbuchhalter steckt seine spätere Führungskraft locker in die Tasche.

Die Globalisierung ist eine Tatsache, ob wir das wollen oder nicht. Wir müssen uns dem also anpassen, und das ist einerseits ein digitaler Vorgang, denn der einzige Ort, wo in den Betrieben heute etwas ohne Computer flüssig erledigt wird, ist die Toilette. Andererseits ist die weltweite Standardisierung des Rechnungswesens ebenfalls ein Faktum, dem wir uns anpassen müssen – schon weil Deutschland wieder mal Exportweltmeister ist, vor China, vor den großen USA, aber immer noch mit altdeutschen Rechnungslegungsvorschriften. Wer die Auszubildenden von heute nicht auf die Zustände von morgen vorbereitet, begeht einen schweren Fehler. Der Wandel muß in den Köpfen beginnen, aber dort ist er noch immer nicht angekommen. Kein Wunder also, daß der Exportweltmeister in Sachen Bildung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt – eben auch im akademischen Bereich.

30.08.2008

Neue Aufgabe zur Prozeßkostenrechnung

Die Prozeßkostenrechnung steht bekanntlich im Ruf, einfach und übersichtlich zu sein, doch da kann man sich täuschen. Das wissen auch die Aufgabenlyriker der diversen prüfenden Körperschaften, insbesondere der Industrie- und Handelskammern. Die haben Prozeß- und Plankostenrechnung für die Prüfungen in Lehrgängen wie „Geprüfter Betriebswirt“ oder „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ entdeckt und zaubern die knackigsten Knallschoten. Das kann einem Prüfungsteilnehmer den ganzen Tag versauen :-)

Die heute im BWL-Showcase veröffentlichte Aufgabe demonstriert, daß selbst in anscheinend einfachen Verfahren verborgene Härten lauern können. Eigentlich nur für die Prüfungsvorbereitung in einer Seminargruppe hier vor Ort gedacht, wird die Aufgabe auch allgemein bereitgestellt. Jeder mag sich daran versuchen; die Lösung folgt bis ca. Mitte September.

Hilfe und Hinweise gibt’s wie üblich im Forum für Betriebswirtschaft – natürlich kostenlos und für alle.

Dies ist eine vorübergehende Veröffentlichung. Die Aufgabe ist dauerhaft nur auf der BWL CD zugänglich.

Harry

07.08.2008

IHK-Gutachter: Undank ist der Welten Lohn…

Normalerweise lehne ich es ab, außerhalb eines Prüferamtes Prüfungsarbeiten zu begutachten, und das aus gutem Grund. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, daß sowas von den eigentlich berufenen Ausschüssen nicht gerne gesehen wir, denn die fühlen sich übergangen. Es ist auch nicht der einzige Grund, daß ich mich nicht vor Arbeit retten könnte wenn sich herumspricht, daß ich eMail-Support leiste. Nein, das hat auch eine ganz andere Ursache. Schauen wir mal, welche:

Immer wieder schicken mir Leute nämlich mehr oder weniger verzweifelte Anfragen wegen Prüfungen, Klausuren und Projektarbeiten, und kürzlich habe ich mich breitschlagen lassen, ein einziges Mal. Ein Angebot auf Zahlung einer Gebühr habe ich abgelehnt, das wäre mit dem Ehrenamt ohnehin nicht vereinbar, aber eine unentgeltliche Durchsicht und grundlegende Begutachtung zugesagt, und also purzelte eine schriftliche Arbeit in meiner eMail-Box. Die aber hatte es in sich.

So wurden grundlegende Regeln nicht befolgt. Literaturnachweise, Fußnoten, Abbildungs- oder ähnliche Verzeichnisse fehlten völlig, Definitionen und theoretische Grundlagen, aus denen ein Ergebnis hätte erarbeitet werden können suchte man ebenso vergebens. Dafür wurde mit den bekannten Begriffen rein umgangssprachlich hantiert: Kosten, Aufwendungen, Zahlungen – alles dasselbe. In der „wirtschaftlichen Betrachtung“ gibt es keine einzige Berechnung. Und das beste war der Umgang mit der verwendeten Software, der so aussah, als wäre es das erste Mal. Nein, ein PC ist keine Schreibmaschine. Dafür verhackstückte schon ein anderer Druckertreiber die Arbeit, so daß man sie nicht wiedererkannte. Das also faßte ich in einer Mail an die Autorin zusammen und riet ihr dringend davon ab, die Arbeit in diesem Zustand einzureichen. Doch dies hätte ich wohl besser doch nicht gemacht:

Fünf Tage passierte nix und dann kam die Antwort, ich hätte ihr die Zornesröte ins Gesicht getrieben und ich könne sie mal. Sie hätte keinen „Geldscheisser“ (wörtlich zitiert!) „für so einen Schwachsinn“ und überhaupt.

Undank ist der Welten Lohn, das ist offenbar die Lehre, die ich aus diesem Desaster ziehen muß. Schließlich fragt mich wer nach meiner Meinung, hätte ich aus Höflichkeit lügen sollen? Ist nichts wert, was nichts kostet? Sollte ich in Wirklichkeit nicht beurteilen, sondern nur ein schon bestehendes „schlechtes Bauchgefühl“ zerstreuen?

Interessant ist auch die Art und Weise, wie manche Leute meinen, so was erledigen zu können. Es ist eben nicht damit getan, ein paar Seiten zusammenzuschustern: wer den höchsten Abschluß erlangen will, den die Industrie- und Handelskammer zu bieten hat, muß auch was dafür tun. Bei der Projektarbeit schließt das formale, inhaltliche und technische Aspekte ein – was prinzipiell sinnvoll ist, denn in einer mittleren Führungsposition, und auf eine solche zielen die Kammerlehrgänge, muß man heute technisch, formal und inhaltlich einwandfrei kommunizieren können. Das zu trainieren ist Sinn der Projektarbeit. Daß ich hier jemanden mindestens potentiell vor einem Prüfungsdesaster bewahrt habe, scheint indes nicht gut angekommen zu sein.

Immerhin bin ich auch als alter Sack noch lernfähig, und ich habe gelernt, solche Experimente künftig zu unterlassen. Es ist offensichtlich besser, solche Arbeiten nur noch im Rahmen der Ausschußarbeit zu lesen und auch nur dem Ausschuß zu berichten. Dann fällt man zwar ohne Vorwarnugn gleich durch, aber das ist offenbar von Leuten erwünscht, die auf solche Urteile ausfallend reagieren. Vorabbewertungen werden anscheinend nicht geschätzt, jedenfalls nicht, wenn sie negativ ausfallen. Also ist es besser, sie ganz zu unterlassen.

Undank ist der Welten Lohn…

Hinweise zur Abfassung und Präsentation solcher Arbeiten werden aber weiterhin erscheinen, und selbstverständlich stehe ich im Forum für Betriebswirtschaft für Fragen und Probleme aller Art zur Verfügung. Nur halt nicht mehr per eMail.

23.07.2008

Technischer Betriebswirt: der Anfang vom Ende

Nachdem im Jahre 2004 die neue Prüfungsverordnung „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ die bisherige Prüfung „Technischer Betriebswirt“ abgelöst hat, und seit 2005 und vermehrt erstmals in 2006 auch nach der neuen Verordnung geprüft wird, hat jetzt das Ende der Prüfungen nach alter Verordnung begonnen: die Industrie- und Handelskammern bieten keine bundeseinheitlichen Prüfungen mehr an, nur noch selbstgestrickte Prüfungsveranstaltungen. Wo immer sich noch jemand nach alter Verordnung anmeldet, wird eigens ein Aufgabenausschuß gegründet. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

So ist die Aufgabenerstellung eine undankbare Aufgabe, denn die Ausschußtätigkeit wird schlecht bezahlt, ist aber gleichwohl verantwortungsvoll und zeitraubend. Auch in den Prüfungen nach alter Verordnung steckt eine Menge Gehirnschmalz, und die Kammern haben Schwierigkeiten, geeignete Ausschußmitglieder zu verpflichten. Das kann mehrere mögliche Folgen für die Teilnehmer haben.

So kann es sein, daß gar kein Ausschuß zustande kommt. Dann müssen Anmeldungen abgelehnt und die Teilnehmer auf die neue Verordnung oder eine längere Fahrtstrecke verwiesen werden. Für alle, die noch nach alter Verordnung unterrichtet wurden, empfehlen wir gleichwohl die Autobahn.

Es kann auch sein, daß der Ausschuß, der sich zustande bringen läßt, nichts taugt. Das ist schlimmer, denn eine schlecht gestellte Frage kann bösere Folgen haben als eine richtig plazierte Knallschote. Fehlt aber die übergreifende Kontrolle, so ist das Risiko von Prüferfehlern möglicherweise größer.

Schließlich kann man auch Glück haben, nämlich auf einfachere Aufgaben zu treffen als es früher der Fall war.

Erste Erfahrungen in dieser Hinsicht wurden hierzulande schon im März gesammelt. Im Herbst scheint es keinen Prüfungsteilnehmer mehr nach alter Verordnung mehr zu geben. Die Prüfungen nach alter Verordnung soll es aber doch noch einige Jahre geben, vermutlich bis 2010. Erst danach werden sie endgültig vom Markt verschwinden. Wer immer jedenfalls noch eine „alte“ Prüfung will, sollte sich ranhalten. Wir werden jedenfalls die Entwicklung beobachten und sie an dieser Stelle oder im BWL-Boten kommentieren.

20.07.2008

Der Techniker zwischen Barwert und Bilanz

Die kreative Inkompatibilität der Technischen Betriebswirte

„Wer schreibt, der bleibt“ weiß ein altes Sprichwort, und Volkes Mund tut Wahrheit kund. Auch bei den technischen Berufen, denn trotz Fachkräftemangels stehen die Chancen für Techniker in China oder Rußland besser, also in den Ländern, die nicht an den Klimaschwindel glauben. Das alleine ist schon Grund genug, sich kaufmännisch zu qualifizieren, denn meist bleiben nur die Konzernzentralen hier, nicht aber die produktiven Bereiche. Wer sich also nicht in Rechnungswesen und Controlling auskennt, muß bald nach Übersee oder zum Arbeitsamt. Das stellt manchen Techniker vor ganz eigene Probleme.

Ungewohnte Denkmuster

Liest sich der Rahmenstoffplan „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ inzwischen nämlich fast wie der Bilanzbuchhalter-Stoffplan, muß der Techniker die typisch kaufmännischen Denkmuster doch erst lernen. Die werden nicht gelehrt, sondern vorausgesetzt, auch im neuen Stoffplan: so fällt Leuten, die in Volt und Kilo rechnen, das Denken in Mittelherkunft und Mittelverwendung schwer, denn Kräfte wirken direkt, aber Kapitalbeträge kann man nicht dem Vermögen direkt zuordnen. Sie werden daher oft verwechselt (ein beliebter Fehler). Auch das Denken in Einheiten, das Techniker in ihrer Ausbildung bis zum Umfallen üben, ist Kaufleuten oft fremd: sie kennen nur eine Einheit, den Euro. Oder höchstens noch mal eine Relativkennzahl als Prozentwert. Gleichungssysteme wie bei der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung fallen Technikern daher oft schwer, selbst wenn sie das mathematische Handwerkszeug beherrschen.

Auch die Auf- und Abdiskontierung von Geldbeträgen in der Zeit, auf der alle dynamischen Rechenmethoden basieren, verträgt sich schlecht mit dem Ersten Hauptsatz der Thermodynamik [von der Energieerhaltung], denn das Geld als Energiemaß der Wirtschaft kann eben sehr wohl erzeugt (und noch viel leichter vernichtet) werden. Die gleichwohl mit Widersprüchen, Ausnahmen und Rechtsvorschriften gespickte Parallelität verschiedener Geldbegriffe wie der Auszahlungen, der Ausgaben, der Aufwendungen oder der Kosten macht die Verwirrung dabei oft komplett.

Kreative Inkompatibilität

Diese kreative Inkompatibilität zeigt sich dem Dozenten auf vielerlei Art in den Fragen der Lehrgangsteilnehmer oder den oft wenig prüfungsfesten Lösungswegen, die sie wählen. Bisheriger Gipfel ist (bei mir) der Elektroniker, der eine schwierige Break Even Aufgabe vollkommen richtig aber mit Winkelfunktionen gelöst hat. Auf die (eigentlich verlangte) Idee, fehlende Größen als irrelevant zu erkennen und willkürlich zu ergänzen, kam der Mann gar nicht erst, aber dennoch zum richtigen Ziel. Selbst mir blieb dabei die Spucke weg. Ob der Prüfungsausschuß die Sinus- und Cosinus-Lösung verstanden hätte, wage ich zu bezweifeln. Kein Wunder, daß das Denken in Vermögen und Kapital, die Unterscheidung von Soll und Haben oder die Dualität aus Bankzinsen und kalkulatorischen Zinskosten, die keine Entsprechung in der physischen Realität haben, vielen Technikern schwer fallen.

Das Beste kommt erst noch

Dabei haben wir die gröbsten Kracher erst noch vor uns: zwar wurde der Rahmenstoffplan reformiert, aber die Realität eilt jeder Reform voraus, wie so oft auch hier: sind derzeit nur einige Tausend kapitalmarktnahe Unternehmen zur Anwendung der IFRS verpflichtet, werden es mit den kommenden IFRS für kleine und mittelständische Unternehmen in einigen Jahren viel mehr IFRS-Anwender werden. Auf die Techniker kommen daher nicht nur die Bestandteile des IFRS-Abschlusses, Bewertungsunterschiede beim AV und beim UV sowie Rückstellungen und das Eigenkapital nach IFRS zu, derzeit im Rahmenstoffplan Nr. 2.3.6, sondern solche Hauer wie IAS 39 (Finanzinstrumente, Bilanzierung und Bewertung) oder gar IFRS 7 (Finanzinstrumente, Ausweis): sehr unanschaulich, abstrakt und außerordentlich „untechnisch“. Das kiloschwere IFRS-Werk wird mit seinen über 2.600 Seiten spätestens nach der jetzt schon fälligen nächsten Reform des Rahmenstoffplanes einigen also noch ziemlich schwer auf die Füße fallen.

Aus all dem läßt sich ein strategischer Rat ableiten, den man jedem Fortbildungsteilnehmer geben kann: wer nicht tut, was er lernt, der lernt auch nicht, was er tun soll. Man kann nicht „nebenbei“ zum Geprüften Technischen Betriebswirt werden, sondern nur, wenn man möglichst schon während der Fortbildung auch kaufmännische Aufgaben übernimmt. Man muß Kaufmann sein, um Kaufmann werden zu können – so einfach ist das! Das genau ist nämlich der Vorteil, den die „Betriebswirt/IHK“-Teilnehmer haben: die kommen nämlich meist schon aus dem mittleren Management, wo sie die vielen strategischen und qualitativen Konzepte des Rahmenstoffplanes vielfach gleich in den Betrieben anwenden können. Techniker haben oft in ihrer beruflichen Praxis bisher nichts mit der Erbsenzählerei („Korinthenkackerei“) der Kaufleute zu tun gehabt, auf die etwas verächtlich herabzublicken in vielen technischen Abteilungen üblich ist. Auch wenn bleibt, wer schreibt.

Wer es also mit dem technischen Betriebswirt ernst meint, muß mehr tun als lernen: er muß die eigene Karriere auf das ausrichten, was der Lehrgang vermittelt. Theoretisches Wissen und praktisches Können muß auch das eigene Sein vermitteln. Nur dann wird aus Wissen, Können und Erkennen auch beruflicher Erfolg. „Mehr wissen, mehr können, mehr sein“ ist keine hohle Floskel, sondern ein karrierestrategisches Konzept. Das aber muß jeder für sich mit Leben füllen. Pauschalratschläge sind meines Erachtens nach unmöglich. Nur die Mechanismen und Denkmuster kann ich hier offenlegen. Was draus lernen muß jeder für sich selbst.

16.07.2008

Die Sendung ohne Maus, oder wie wir den Anschluß mutwillig verpassen

Gespeichert unter: Aus- und Fortbildung, Prüfung — Harry Zingel @ 7:27
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Angeblich werden Milliarden in die Bildung investiert, doch das viele Geld läßt sich bislang kaum blicken. Jedenfalls nicht in der akademischen- und der Erwachsenenbildung. Aber es ist nicht nur ein Problem der Finanzmittel: auch in zeitgemäßere Lehrpläne und angemessene Prüfungen müßte investiert werden, und das ginge ganz ohne Milliarden. Schauen wir mal, wie das gehen könnte.

Legende ist der Tag, an dem mich der leitende Professor einer mir wohlbekannten höheren Lehranstalt, zugleich auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses dabei erwischte wie ich mit einer Fünfmeter-Verlängerungssteckdose in der Hand auf dem Parkplatz der genannten Institution meinem Auto entstieg. Auf die Frage, was ich denn mit der langen Leitung in der Prüfung wolle erklärte ich wahrheitsgemäß, daß mein Laptop-Computer schließlich irgendwo Anschluß suche. Und prompt gab er also kund und zu wissen, daß Computer in Prüfungen nicht erwünscht seien. Diese seien Sendungen ohne Maus.

Diese Institution, deren Namen oder Standort ich natürlich hier nicht nenne, denn ich bin dort ja seit Jahren Auftragnehmer, vermittelt auch bis heute keinerlei Digitalkompetenz an ihre Studis, die selbst in Diplomarbeiten oft noch die gröbsten Anfängerfehler im Umgang mit der Software machen. CI-Schemata, Programmiersprachen, Datenbanken – alles Fehlanzeige. Aber mehr noch, auch die eigenständige Erarbeitung digitaler Elemente im Rahmen der Diplomarbeit darf offiziell nicht gewertet werden: wer also seine Diplomarbeit auf CD abgibt, oder gar als Teil der Diplomarbeit eine Programmiersprache selbständig erlernt und damit etwas für seinen Betrieb Nützliches herstellt, so wie kürzlich einer meiner Schützlinge aus Bad Salzungen, darf dafür nicht positiv bewertet werden, jedenfalls nicht offiziell: ein anachronistischer Zustand bedenkt man, wie teuer die kundenspezifische Anpassung („customization“) von ERP-Systemen auf dem freien Markt nun mal ist.

Das unzeitgemäße Bild setzt sich in anderen Teilbereichen fort, beispielsweise im Rechnungswesen. Diplomkandidaten einer ganz ähnlichen ebenso öffentlichen Ausbildungsinstitution, die auf FH-Niveau auszubilden beansprucht, könnte ich mit Prüfungsfragen aus IHK-Prüfungen locker kippen. Von internationalem Rechnungswesen haben die nach sechs Semestern noch kein Sterbenswörtchen gehört: die Dozenten lehren nur das HGB, und auch das eher oberflächlich. Selbst die IHK, die gebunden ist nach amtlichen Verordnungen und staatlich abgesegneten Rahmenstoffplänen zu unterrichten, ist da inzwischen viel näher an der Zeit. Ein mittelprächtiger Bilanzbuchhalter steckt seine spätere Führungskraft locker in die Tasche.

Die Globalisierung ist eine Tatsache, ob wir das wollen oder nicht. Wir müssen uns dem also anpassen, und das ist einerseits ein digitaler Vorgang, denn der einzige Ort, wo in den Betrieben heute etwas ohne Computer flüssig erledigt wird, ist die Toilette. Andererseits ist die weltweite Standardisierung des Rechnungswesens ebenfalls ein Faktum, dem wir uns anpassen müssen – schon weil Deutschland wieder mal Exportweltmeister ist, vor China, vor den großen USA, aber immer noch mit altdeutschen Rechnungslegungsvorschriften. Wer die Auszubildenden von heute nicht auf die Zustände von morgen vorbereitet, begeht einen schweren Fehler. Der Wandel muß in den Köpfen beginnen, aber dort ist er noch immer nicht angekommen. Kein Wunder also, daß der Exportweltmeister in Sachen Bildung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfällt – eben auch im akademischen Bereich.

14.06.2008

Wissen, Können und Erkennen, oder von der Treppe, die zum Prüfungserfolg führt

Immer wieder haben wir uns im BWL-Boten darüber ausgelassen („selbstverherrlicht„), daß es zum Erfolg keinen Lift gebe, sondern immer die Treppe benutzt werden müsse. Grundlage all dieser Überlegungen ist meist mein Lehrkonzept, in dem Wissen, Können und Erkennen als die drei grundlegenden Ebenen des Lernens dargestellt wurden. Wie aber manifestiert sich das in einer Prüfungsfrage?

Wissen

Die Wissensfrage prüft Kenntnisse, also inwieweit ein Prüfungsteilnehmer über Einblick, Überblick, Kenntnis oder Vertrautheit mit dem Prüfungsgegenstand verfügt. Die Wissensfrage ist damit häufig reproduktiv. Sie setzt, falls Einblick oder Überblick ausreichen, Auswendiglernen voraus. Das ist in juristischen Prüfungen besonders häufig, denn Rechtswissenschaftler müssen eine große Vorschriften- und Rechtsprechungskenntnis besitzen – und wagen oft keine eigenen Interpretationen, denn diesen könnte in Zukunft von einem Gericht widersprochen werden, was die mühsam erstellte Prüfung ad absurdum führten würde. Im Bereich der allgemeinen BWL sind eher Fragen wie „Was bedeuten diese Abkürzungen?“ oder „Nennen Sie die an einem Akkreditiv Beteiligten“ solche Fälle. Fragt ein Aufgabenpoet nach den drei Methoden, etwas zu tun, oder nach den vier Arten von etwas, dann gehört die Wissensfrage eindeutig ins Gruselkabinett der unfairen Prüfungsfragen, wenn die drei Methoden oder die vier Arten nur in einem zugrundeliegendsen Leerbrief oder Skript so eingeteilt werden und nicht universell gültig oder gesetzlich so strukturiert sind. Dieses Problem ist leider häufig.

Können

Können ist die Fähigkeit, Wissen anzuwenden. Das ist in Prüfungen heftiger und meist ein Rechenverfahren. Man kann beispielsweise die Methoden nach IAS 2.25 bzw. den §§240 Abs. 4 und 256 HGB kennen (also über Wissen verfügen), aber dies zu auch an konkreten Zahlen zu rechnen, prüft das Können des Prüfungsteilnehmers. Können erwirbt man nur durch Übung der Anwendung von Wissen. Wichtig ist hierbei, daß in dem Übungsmaterial Lernschritte sorgfältig geplant und vom Aufgabenersteller möglichst wenig Fehler gemacht werden. Auch sollte die Unterscheidung zwischen Wissen und Können klar sein – dem Fragesteller.

Erkennen

Erkennen ist die Basis für die selbständige Erweiterung von Wissen und Können. Durch Erkennen kann ein aus einer bestimmten Situation bekanntes Problem auf eine neue Sachlage angewandt werden. Wer über Erkennen verfügt ist daher in der Lage, neue, Kreative Lösungen für bislang noch nie erlebte Situationen zu finden und anzuwenden. Man spricht daher auch von Transferwissen. Dies vermittelt nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern auch die Wahrheit hinter den Lügen der Politiker, weshalb das Erkennen entgegen manch offizieller Lippenbekundung nicht sehr beliebt ist, denn es schwächt strukturelle Macht. Im Bereich von Prüfungen sind Erkennensfragen solche, die scheinbar unlösbare Probleme präsentieren, bei denen Standardlösungsansätze versagen. Solche Fragen sind meist echte Knallschoten und daher zu Recht gefürchtet. Wir haben deshalb an dieser Stelle immer wieder versucht, die Prüfungskandidaten auf solche Anforderungen vorzubereiten, aber die Phantasie der Prüfungslyriker ist nicht zu unterschätzen. Sie sind aber nicht nur eine Gefahr, denn man kann an ihnen scheitern, sondern auch eine Chance, denn man kann an ihnen auch wachsen. Was uns zum Zweck des ganzen Gesellschaftsspieles bringt…

Vom Zweck der Prüfung

Prüfungen hätten am Abend zuvor ihren Zweck bereits erfüllt – sagt man. Das freilich gilt nur, wenn die, die Prüfungen erstellen („Prüfungslyriker“, „Aufgabenpoeten“), mit einer sorgfältig ausgewogenen Mischung von Wissens-, Könnens- und Erkennensfragen und einer wohlgesetzten Reihenfolge von anfänglichen Erfolgserlebnissen und über die Dauer des Lehrganges und die Zeit der Prüfung zunehmendem Schwierigkeitsgrad für entsprechend Herausforderung aber eben auch für sicht- und fühlbaren Erfolg gesorgt haben. Bei den Industrie- und Handelskammern („Kämmerlingen“) bahnt sich ganz offenbar eine entsprechende Verbesserung an. Das gilt selbst für Detailprobleme. Mal sehen, ob andere Bildungsveranstalter mitziehen – oder ob dies den Markt tüchtig aufmischt. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft – auch im erstarrten und verkrusteten Bildungsbereich!

09.06.2008

Hinweise zu Einsprüchen gegen Ergebnisse der Prüfungen vor den IHKen

Gespeichert unter: Prüfung — Harry Zingel @ 2:15
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Alle Jahre wieder nehmen Teilnehmer am beliebtesten betriebswirtschaftlichen Quiz der Nation teil, und immer wieder sind einige von ihnen nachher mit dem Ergebnis unzufrieden. Manche von diesen legen Rechtsmittel ein in der Hoffnung, damit das Resultat noch verbessern zu können – insbesondere wenn es schon mehrfach nicht gewirkt hat und das vielleicht die letzte Chance war. Dieser Artikel gibt Hinweise für den Kampf mit den Kämmerlingen.

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06.06.2008

IHKen: wenig Betreuung bei Studien- und Projektarbeiten

In fast allen Aus- und Fortbildungen oder Studiengängen müssen schriftliche Arbeiten erstellt werden, Studien- oder Projektarbeiten bei den Industrie- und Handelskammern oder Diplomarbeiten an Universitäten und Fachhochschulen. Das ist im Prinzip sinnvoll, denn das selbständige Arbeiten mit Quellen, das schriftliche Aufbereiten eines Themas und dessen Präsentation in knapper Zeit und mit wenig Präsentationsmedien soll geübt werden. Leider haben die Industrie- und Handelskammern hier aber noch ein deutliches Verbesserungspotential.

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Der verlinkte Artikel verweist auf weitere nützliche Ressourcen für die Anfertigung von Studien- und Projektarbeiten, zum Beispiel dieses Dokument. Folgen Sie den Links in dem Artikel für mehr Informationen.

05.06.2008

»Prüfungen erfolgreich bestehen«: Die Bücher sind da!

Heute kam endlich das Belegexemplar des neuen Werkes aus der Druckerei (Ursprüngliche Ankündigung), und natürlich ist die Neugier groß: Schriftarten, Linienstärken, Rasterung, Überfüllung – so viel kann schief gehen. Ist es aber nicht: die Skizzen passen ausgezeichnet zum Text, Kästen und Rahmen sehen gut aus, die Formeln passen zum umgebenden Text (was immer problematisch ist) und selbst die Demonstrationen des Umgehens mit typographischen Mitteln in Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten, die eine Menge potentieller Probleme enthalten, sind ausgezeichnet rübergekommen. In allem ein würdiger Begleiter in der Vorbereitung auf den großen Tag.

Wir rechnen also mit Verfügbarkeit wie bei den Internet-Buchhändlern angekündigt ab dem 16. Juni (Montag übernächste Woche). Die Exemplare sickern jetzt langsam beim Großhandel ein, und der Verlag korrigiert sicher auch noch die Titelangabe bei Amazon (die enthielt kürzlich nämlich noch einen Fehler). Wenn mein Buchpaket pünktlich am 16. hier aufschlägt, werden alle bisher vorgemerkten Besteller am 17. ihre Exemplare bekommen.

Also, auf ein neues…

Ach ja, natürlich schweige ich jetzt so wenig wie früher. Neue Projekte sind in der Pipeline… eines voraussichtlich im Juli oder August. Dazu später mehr :-) Ja, nach der Erscheinung ist vor der Erscheinung…

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