Harry Zingel’s BWL-Weblog

07.08.2008

IHK-Gutachter: Undank ist der Welten Lohn…

Normalerweise lehne ich es ab, außerhalb eines Prüferamtes Prüfungsarbeiten zu begutachten, und das aus gutem Grund. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, daß sowas von den eigentlich berufenen Ausschüssen nicht gerne gesehen wir, denn die fühlen sich übergangen. Es ist auch nicht der einzige Grund, daß ich mich nicht vor Arbeit retten könnte wenn sich herumspricht, daß ich eMail-Support leiste. Nein, das hat auch eine ganz andere Ursache. Schauen wir mal, welche:

Immer wieder schicken mir Leute nämlich mehr oder weniger verzweifelte Anfragen wegen Prüfungen, Klausuren und Projektarbeiten, und kürzlich habe ich mich breitschlagen lassen, ein einziges Mal. Ein Angebot auf Zahlung einer Gebühr habe ich abgelehnt, das wäre mit dem Ehrenamt ohnehin nicht vereinbar, aber eine unentgeltliche Durchsicht und grundlegende Begutachtung zugesagt, und also purzelte eine schriftliche Arbeit in meiner eMail-Box. Die aber hatte es in sich.

So wurden grundlegende Regeln nicht befolgt. Literaturnachweise, Fußnoten, Abbildungs- oder ähnliche Verzeichnisse fehlten völlig, Definitionen und theoretische Grundlagen, aus denen ein Ergebnis hätte erarbeitet werden können suchte man ebenso vergebens. Dafür wurde mit den bekannten Begriffen rein umgangssprachlich hantiert: Kosten, Aufwendungen, Zahlungen – alles dasselbe. In der „wirtschaftlichen Betrachtung“ gibt es keine einzige Berechnung. Und das beste war der Umgang mit der verwendeten Software, der so aussah, als wäre es das erste Mal. Nein, ein PC ist keine Schreibmaschine. Dafür verhackstückte schon ein anderer Druckertreiber die Arbeit, so daß man sie nicht wiedererkannte. Das also faßte ich in einer Mail an die Autorin zusammen und riet ihr dringend davon ab, die Arbeit in diesem Zustand einzureichen. Doch dies hätte ich wohl besser doch nicht gemacht:

Fünf Tage passierte nix und dann kam die Antwort, ich hätte ihr die Zornesröte ins Gesicht getrieben und ich könne sie mal. Sie hätte keinen „Geldscheisser“ (wörtlich zitiert!) „für so einen Schwachsinn“ und überhaupt.

Undank ist der Welten Lohn, das ist offenbar die Lehre, die ich aus diesem Desaster ziehen muß. Schließlich fragt mich wer nach meiner Meinung, hätte ich aus Höflichkeit lügen sollen? Ist nichts wert, was nichts kostet? Sollte ich in Wirklichkeit nicht beurteilen, sondern nur ein schon bestehendes „schlechtes Bauchgefühl“ zerstreuen?

Interessant ist auch die Art und Weise, wie manche Leute meinen, so was erledigen zu können. Es ist eben nicht damit getan, ein paar Seiten zusammenzuschustern: wer den höchsten Abschluß erlangen will, den die Industrie- und Handelskammer zu bieten hat, muß auch was dafür tun. Bei der Projektarbeit schließt das formale, inhaltliche und technische Aspekte ein – was prinzipiell sinnvoll ist, denn in einer mittleren Führungsposition, und auf eine solche zielen die Kammerlehrgänge, muß man heute technisch, formal und inhaltlich einwandfrei kommunizieren können. Das zu trainieren ist Sinn der Projektarbeit. Daß ich hier jemanden mindestens potentiell vor einem Prüfungsdesaster bewahrt habe, scheint indes nicht gut angekommen zu sein.

Immerhin bin ich auch als alter Sack noch lernfähig, und ich habe gelernt, solche Experimente künftig zu unterlassen. Es ist offensichtlich besser, solche Arbeiten nur noch im Rahmen der Ausschußarbeit zu lesen und auch nur dem Ausschuß zu berichten. Dann fällt man zwar ohne Vorwarnugn gleich durch, aber das ist offenbar von Leuten erwünscht, die auf solche Urteile ausfallend reagieren. Vorabbewertungen werden anscheinend nicht geschätzt, jedenfalls nicht, wenn sie negativ ausfallen. Also ist es besser, sie ganz zu unterlassen.

Undank ist der Welten Lohn…

Hinweise zur Abfassung und Präsentation solcher Arbeiten werden aber weiterhin erscheinen, und selbstverständlich stehe ich im Forum für Betriebswirtschaft für Fragen und Probleme aller Art zur Verfügung. Nur halt nicht mehr per eMail.

23.07.2008

Technischer Betriebswirt: der Anfang vom Ende

Nachdem im Jahre 2004 die neue Prüfungsverordnung „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ die bisherige Prüfung „Technischer Betriebswirt“ abgelöst hat, und seit 2005 und vermehrt erstmals in 2006 auch nach der neuen Verordnung geprüft wird, hat jetzt das Ende der Prüfungen nach alter Verordnung begonnen: die Industrie- und Handelskammern bieten keine bundeseinheitlichen Prüfungen mehr an, nur noch selbstgestrickte Prüfungsveranstaltungen. Wo immer sich noch jemand nach alter Verordnung anmeldet, wird eigens ein Aufgabenausschuß gegründet. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

So ist die Aufgabenerstellung eine undankbare Aufgabe, denn die Ausschußtätigkeit wird schlecht bezahlt, ist aber gleichwohl verantwortungsvoll und zeitraubend. Auch in den Prüfungen nach alter Verordnung steckt eine Menge Gehirnschmalz, und die Kammern haben Schwierigkeiten, geeignete Ausschußmitglieder zu verpflichten. Das kann mehrere mögliche Folgen für die Teilnehmer haben.

So kann es sein, daß gar kein Ausschuß zustande kommt. Dann müssen Anmeldungen abgelehnt und die Teilnehmer auf die neue Verordnung oder eine längere Fahrtstrecke verwiesen werden. Für alle, die noch nach alter Verordnung unterrichtet wurden, empfehlen wir gleichwohl die Autobahn.

Es kann auch sein, daß der Ausschuß, der sich zustande bringen läßt, nichts taugt. Das ist schlimmer, denn eine schlecht gestellte Frage kann bösere Folgen haben als eine richtig plazierte Knallschote. Fehlt aber die übergreifende Kontrolle, so ist das Risiko von Prüferfehlern möglicherweise größer.

Schließlich kann man auch Glück haben, nämlich auf einfachere Aufgaben zu treffen als es früher der Fall war.

Erste Erfahrungen in dieser Hinsicht wurden hierzulande schon im März gesammelt. Im Herbst scheint es keinen Prüfungsteilnehmer mehr nach alter Verordnung mehr zu geben. Die Prüfungen nach alter Verordnung soll es aber doch noch einige Jahre geben, vermutlich bis 2010. Erst danach werden sie endgültig vom Markt verschwinden. Wer immer jedenfalls noch eine „alte“ Prüfung will, sollte sich ranhalten. Wir werden jedenfalls die Entwicklung beobachten und sie an dieser Stelle oder im BWL-Boten kommentieren.

06.06.2008

IHKen: wenig Betreuung bei Studien- und Projektarbeiten

In fast allen Aus- und Fortbildungen oder Studiengängen müssen schriftliche Arbeiten erstellt werden, Studien- oder Projektarbeiten bei den Industrie- und Handelskammern oder Diplomarbeiten an Universitäten und Fachhochschulen. Das ist im Prinzip sinnvoll, denn das selbständige Arbeiten mit Quellen, das schriftliche Aufbereiten eines Themas und dessen Präsentation in knapper Zeit und mit wenig Präsentationsmedien soll geübt werden. Leider haben die Industrie- und Handelskammern hier aber noch ein deutliches Verbesserungspotential.

Mehr…

Der verlinkte Artikel verweist auf weitere nützliche Ressourcen für die Anfertigung von Studien- und Projektarbeiten, zum Beispiel dieses Dokument. Folgen Sie den Links in dem Artikel für mehr Informationen.

24.05.2008

Prüfungen und andere Übel

Gespeichert unter: Prüfung — Harry Zingel @ 10:04
Tags: , , , , , ,

Im Vorfeld des Erscheinens meines neuen Buches sind sind verschiedene Artikel über Aus- und Fortbildungsprüfungen im Boten erschienen. Zunächst bedeutsam ist möglicherweise der Artikel über die langristige Prüfungsvorbereitung, in dem auch Ratschläge zur Wahl des richtigen Bildungsveranstalters gegeben werden. Ein Artikel über mündliche Prüfungen gibt grundlegende Tips. Im Thematischen Verzeichnis des BWL-Boten finden sich im Bereich „Prüfungsstrategie“ viele weitere Artikel, die möglicherweise interessant sind.

Bloggen Sie auf WordPress.com.